Review: The Road

Es ist keiner der Katastrophenfilme der üblichen Art, er kommt fast ohne Action und ohne Effekthascherei aus, dennoch reißt er einen mit. Die Verfilmung des Romas “The Road” von Cormac McCarthy ist defintiv nichts für schwache Nerven.

Stellt euch vor, die Erde wäre zerstört. Alle Autos wie von ungeheurer Wucht zerfetzt, die verlassenen Häuser nur noch Ruinen, umgeknickte Strommasten, eine zerstörte Zivilisation. Die Natur ist fast ausgelöscht, kein Tier mehr, die Bäume verkohlte Stämme von vertrocknetem Laub umgeben, giftiges Wasser. Licht existiert fast nicht mehr, nur noch ein graues Dämmerlicht am Tag, Sonne, Mond und Sterne sind hinter einer Schicht aus rauchigem Grau verborgen.

Versucht euch vorzustellen, die ganze Welt sähe so aus, trostlos und zerstört, und ihr bekommt eine Ahnung von dem, was euch im Film The Road erwartet. Es ist ein düsteres Drama, das der Regisseur John Hillcoat entwirft, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Cormac McCarthy, die von ihrer dunklen, bedrückenden Ruhe lebt.

Die Handlung ist einfach erzählt, sie orientiert sich stark an dem Buch, in dem es um einen namenlosen Vater (Viggo Mortensen) und seinen kleinen Sohn (Kodi McPhee) geht, die beide eine furchtbare Apokalypse überlebt haben, der praktisch die ganze Welt zum Opfer gefallen ist. Nach dem Selbstmord der Mutter, die alle ihre Hoffnung längst aufgegeben hat, verlassen die beiden das Haus der Familie und machen sich auf den Weg zur Küste, in der haltlosen Hoffnung, dort könnte es noch etwas geben. Der nackte Kampf ums Überleben prägt ihr Dasein, menschliche Regeln der Moral existieren nicht mehr. Die Überlebenden werden oft zu Mördern und Kannibalen, vor denen man nur noch wegrennen kann, die Suche nach Nahrung ist alles, was die meisten von ihnen noch antreibt.

Der Film ist nicht spannend auf die übliche Weise, aber er reißt einen mit. Nervlich vor allem. Der Kannibalismus wird oft nur angedeutet, Menschen, die auf einer Farm als Schlachtvieh gehalten werden, blutiger Schnee und hilflos schreiende Menschen in ihren letzten Sekunden, doch das reicht schon. Vielleicht ist es auch die Düsternis, die einen mitzieht in den dunklen Abgrund der Handlung. Selbst tagsüber wird es kaum hell, bis auf wenige Ausnahmen wie das Feuer gibt es fast keine Farben mehr, alles ist nur noch braun und grau. Nur wenige Sequenzen sind in Farbe, die Erinnerungen des Vaters an seine Frau, an die Zeit vor der nicht beschriebenen Katastrophe.

Man spürt in jeder Faser des Körpers die Hoffnungslosigkeit, die diesen Film prägt. Man mag vielleicht heute überleben, aber was ist mit morgen, und übermorgen? Es mag sehr vereinzelte glückliche Momente geben, wenn man etwas Gutes zu essen, oder einen sicheren Ort für die Nacht gefunden hat, doch letztendlich sind sie wertlos. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr, Moral ist nichts mehr wert. Und das ist es, was einen nach unten zieht, was den The Road zu einer inneren Qual macht.

Die Schauspieler sind gut, sie füllen das Drama, das vor allem von den oft kurzen Dialogen und der inneren Handlung lebt, mit Leben, mit ihren Gefühlen, der verzweifelten Suche nach Hoffnung. Dennoch ist der Film fast unerträglich anzusehen. Man weiß vom ersten Moment an, dass es kein auch nur annähernd gutes Ende geben wird, dass das Leben in dieser Welt letztendlich alles vergehen wird. Es gibt nichts als Hoffnungslosigkeit und den brutalen Kampf ums Überleben. Definitiv nichts für schwache Nerven.

Das Biest

Hoffnungsloser Kampf ums Überleben - The Road