Wo Musik aufhört und Everything Everything anfangen

Welcome To Nerdistan #2 Spaceindie, Emorock und Splatterlyrik! Folge 1 Wo Musik aufhört und Everything Everything anfangen Es ist 06.15 Uhr. Der Nerdster streift sich seine Brille über und tritt...

Welcome To Nerdistan #2
Spaceindie, Emorock und Splatterlyrik! Folge 1
Wo Musik aufhört und Everything Everything anfangen

Es ist 06.15 Uhr. Der Nerdster streift sich seine Brille über und tritt ans Fenster, bereit zu neuen Nerdtaten. An seinem Gürtel sind sein Lichtschwert und seine W10 befestigt, in der Hand sein Smartphone. Nachdem er seinen PC gebootet und den Bestellstatus seiner Spawn-Sammelbände gechekt hat, hört er die Welt rufen. Die Welt ruft nach ihm! Er zückt sien keyboard… die Mission beginnt!

Seit die Zeitrechnung in Stunden und Minuten gemessen wird gibt es jeden Tag ein 06.15 Uhr. Was es nicht gibt, weder jeden Tag, noch seit Einführung von Stunden, ist elektronischer Snyth-Indie mit mehrstimmigem Gesang und tranceähnlichen Snythesizerwellen. Seit wann es den gibt, weiß ich nicht. Aber Everything Everything machen sowas. Und das sogar ziemlich gut. Und die gibt es seit  2008. Die Musik, die die Band macht kann getrost als Freakscheiße abgestempelt werden. Was definitiv nichts negatives ist. Nicht in einem Blogeintrag von, für und über Nerds.
Everything Everything machen also komplett ausgeflippten Indie. Dazu haben sie klassische Drums, Gitarren, Drums… und Synthesizer sowie einen Laptop auf der Bühne.  Das Endergebnis ergibt einen absolut verrückten Sound, der tendetiell mit Klaxons verglichen werden kann. Der entscheidende Unterschied zu den meisten anderen Bands ist aber vor allem der Vocalist, der in einer Stimmlage trällert, die sich in Höhen befindet, in der Männer normal eher nicht unterwegs sind. Dieses verzerrte Stimmbild ergibt zusammen mit dem restlichen etwas, was sich im normalem Radio vermutlich eher nicht so gut verkaufen lässt. In Deutschland ist ihre erste Platte “Man Alive” aktuell kaum zu bekommen, man kann sie aber problemlos aus den USA importieren, am einfachsten per Amazon Marketplace. Zumindest wenn man etwas Geduld hat.
Alles in Allem also eine CD und eine Band über die man letztlich perfekt sagen kann: You’ve probably never heard of them. Optimal also für jeden Hipser und Geek, der mal wieder rausstellen will, wie unendlich Underground ist. Aber gerade für den Nerd ist diese Band was. Vier Jungs, deren Songs nie den Eindruck machen, dass sie die großen Player wären, und auch ihr Image geht eher Richtung Nerdistan. Vorallem herausstellen muss man dann aber ihre Gesamtkomposition. Das komplette Album wirkt wie aus einem Guss, die Songs gehen teilweise nahezu unbemerkt ineinander über, jeder Song ist dennoch etwas komplett anderes, für sich.
Nun, man möchte ja fast meinen, ich wollte hier nur rumschwärmen, hätte aber keine Beweise auf Lager. Da sind wir, der Beweis kommt. Ein Song der nach einem der Lieblingsprogramme der MySpace-Generation benannt sein dürfte. Warum sehen eigentlich 90% der Facebookuser auf ihren Fotos doppelt so gut, halb so übergewichtig, 100% weniger verpickelt und 75% freundlicher aus? Nun, das könnte an Photoshop liegen.

Everything Everything is pretty much Photoshop Handsome!

Das Video ist die 2010er Version, die man auch auf dem Album findet. Nachdem 2009 bereits eine Version fertig war, trennte sich die Band von ihrem Gitarristen. Man kann auch die 2009er Version noch in der Röhre finden, ich finde die 2010er aber sowohl musikalisch als auch  vom Video her besser. Hier zeigt sich absolut was ich meine, wenn ich sage, dass die Band ziemlich einen an der Waffel hat. In der zweiten “Auskopplung” aus Man Alive, dem Song MY KZ, UR BF – das heißt vermutlich My Keys, Your Boyfriend – merkt man eher was ich mit dem fließenden, ergonomischen Synthesizer meine. Dieser Song ist eher ruhig, und hat einen gewissen Flow.

Everything Everything want to know what happened to MY KZ, UR BF

Und noch ein Video habe ich für euch. Dieser Song kombiniert das komplett  Abgedrehte der Band ziemlich gut mit dem Entspannten, das sie haben. Das Video zeigt sich erneut eher… verwunderlich. Die Band hält offenbar wenig von der Theorie, dass Babies vom Storch gebracht werden. Wie es Nerds eben so tun, gilt es also, hierfür eine wissenschaftliche Erklärung zu finden – wird sie auch. Vielleicht nicht ganz so, wie es die Biologieprofessoren gerne hätten. Aber bitte, Biologie…

Everything Everything wanted me to write a fancy title for this too, but I didn’t.

Tja, was gibt es noch zu sagen?
Die Lyrics der Band sind extrem variabel. und in viele Richtungen auffassbar, die Stimmung des Albums wechselt von Song zu Song, kann aber nahezu jede Stimmung beim Hörer aufgreifen, von Party bis Düsterkeit. Sei es wie es ist, es ist ein brillantes Album geworden. Das Genre eindeutig zuzuordnen dürfte schwer werden, deswegen lege ich mich auf Freak Electonic Indie Rock-Pop fest. Voll festgelegt, ey. Kauft euch das Album jetzt. 5€ auf Amazon als UK-Import. Auf, auf!

Der Nerdster streicht sich die Haare aus dem Gesicht und rückt seinen Sehapperat zurecht. Kurz kann die Welt ruhen, ehe es sicher nicht lange dauern wird, bis es wieder Arbeit für Ihn gibt. In Lovecraft schließt jemand eine Tür auf. Was soll das heißen? Man wird sehen…

(1) Artikelbild / Quelle, Original von Juni