1871: Der Eiserne Kanzler schmiedet Deutschland

Am 18. Januar 1871, heute vor genau 140 Jahren wurde nach dem Sieg gegen Frankreich das Deutsche Reich ausgerufen. Nach dem 1806 zerbrochenen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation der zweite deutsche Nationalstaat, der uns bis heute prägt. Warum, erfahrt ihr hier.

Die Ausrufung des Deutschen Reiches 1871 im Spiegelsaal von Versailles

Am 6. August 1806 legte Kaiser Franz II. die Krone nieder und brachte so eine ganze Epoche zu ihrem Ende: Die Jahrhunderte währende Epoche des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das in seinen besten Zeiten nicht nur Deutschland, sondern faktisch ganz Mitteleuropa und dazu noch Teile Südeuropas, bis hinunter nach Italien umfasste. Seit jenem Tag gab es keinen einheitlichen deutschen Staat mehr, sondern nur noch ein losen Verbund aus Fürstentümern und Königreichen: der Deutsche Bund. Dennoch war dieser Tag nicht das Ende Deutschlands, denn Deutschland wurde “wiedergeboren”, am 18. Januar 1871, heute vor genau 140 Jahren, als das Deutsche Reich im Spiegelsaal von Versailles verkündet wurde.

Die Geschichte, die dorthin führte, war eine lange, und sie trägt vor allem einen Namen: Otto von Bismarck. Jener Bismarck, den fast jeder aus dem Geschichtsunterricht kennt, auch wenn ihn mancher aufgrund seiner historischen und politischen Bedeutung schon für den deutschen Kaiser gehalten hat. Er hat den Anfang des Deutschen Reiches maßgeblich mitgeprägt, das, obwohl schon 1848/49 während der Revolution gefordert, erst viel später verwirklicht wurde. Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Preußisch-Österreichischen Krieg kam es 1866 zur Auflösung des Deutschen Bundes und somit zum Erstarken Preußens.

Das allerdings kam dem französischen Kaiser Napoléon III. nicht gerade gelegen. Er, der selbst gerne der mächtigste Herrscher sein wollte, konnte sich nicht mit der Idee eines Deutschen Reiches anfreunden und erklärte Deutschland nach den Querelen um die sogenannte Emser Depesche kurzerhand den Krieg. Der dritte der Reichseinigungskriege verlief für ihn jedoch ziemlich katastrophal, und so kam es dazu, dass Paris besetzt und im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich ausgerufen wurde. Versailles, das lange Jahre schon das politische Zentrum Frankreichs war, bekam so eine neue Bedeutung, die sich bis in den Versailler Vertrag von 1919 niederschlug.

Otto von Bismarck

Und so wurde aus Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen der erste deutsche Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm I. Von 1871 bis 1890 regierte er Deutschland, kämpfte gegen Liberale, gegen den Einfluss der Katholischen Kirche über die Zentrumspartei und – letztendlich erfolglos – gegen die Sozialisten in Form der SPD, in den 1860ern Jahren als sozialistische Arbeiterpartei gegründet. Erst als er sich mit Kaiser Wilhelm II. überwarf, musste er 1890 zurücktreten und starb schließlich am 30. Juli 1898 mit über 80 Jahren.

Das Deutsche Reich ging weiter, nach der wilhelminischen Ära und dem verlorenen 1. Weltkrieg in die Weimarer Republik, dann in das nationalsozialistische “Dritte Reich” und schließlich in das staatenrechtlich praktisch nicht mehr existente, besetzte Nachkriegsdeutschland.

Übrigens: Das Deutsche Reich, das klingt nach Geschichte, nach “lang lang ist’s her” und ewig vergangenem, ist es aber nicht. Mit der bedingungslosen Kapitulation 1945 brach es zwar militärisch wie institutionell zusammen, spätestens mit der Verhaftung der letzten Reichsregierung, als Staat wurde es jedoch nie offiziell abgeschafft. 1973 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass die BRD kein Nachfolger des Deutschen Reiches, sondern mit ihm gleichzusetzen sei, weil dieses theoretisch immer noch existiert. Man sieht es: das Deutsche Reich ist nicht von gestern, streng genommen leben wir immer noch darin.

Das Biest