Alle Menschen sind frei

“Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet (…)”
Mit diesen Worten beginnt das Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, jener am 10. Dezember 1948 verkündeten Erklärung, welche die Welt verändern sollte.

“Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.” (Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte)

Mit diesen Worten beginnt eine Erklärung, die die Welt verändern sollte: Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, verkündet am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris, auf den Tag genau heute vor 62 Jahren.

Die Geschichte der Menschenrechte ist lang, und oftmals geprägt von Rückschlägen und Scheinheiligkeiten. So wurden schon 1776 mit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika die Menschenrechte als unveräußerliche Rechte definiert, doch wie wohl jeder weiß, hielten Ungerechtigkeit, Sklaverei und Unterdrückung noch bis ins 20. Jahrhundert an. Ähnlich war es bei der Französischen Revolution von 1789, die zwar ebenfalls gleiche Rechte für alle propagierte, doch in Wirklichkeit war kein einziger der Revolutionsführer jemals an einer vollständigen Durchsetzung dieser Rechte interessiert – die Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien stand beispielsweise nie zur Debatte.

1948, im Angesicht der Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs mit seiner barbarischen Missachtung jeglicher Menschenrechte, wurden die Rechte, auf die in der UN-Charta schon mehrfach hingewiesen wurde, endlich in die Tat umgesetzt, und damit eine Philosophie, die schon seit der Antike existiert, zur Realität gemacht. Alle 58 Mitglieder der UN stimmten damals ab, bei Enthaltungen von Ländern aus dem arabischen Raum oder dem Ostblock stand es schließlich 48:0 für die Erklärung der Menschenrechte. Diese mussten von später hinzukommenden Mitgliedern nicht einmal mehr ausdrücklich unterzeichnet werden – mit dem Beitritt zur UN erkennt man die Erklärung automatisch an.

Ihr größtes Manko ist vielleicht, dass sie kein Abkommen, und somit auch nicht rechtlich bindend ist, solange sie nicht in die Verfassung von Staaten aufgenommen wird. Auf diese Art und Weise dient sie mehr als Richtlinie, um Menschenrechtsverletzungen festzustellen, und als moralischer Wegweiser für Gesellschaften und Staaten. Mittlerweile ist sie auch Bestandteil des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.

Dennoch, ein verbindliches Regelwerk ist sie nicht, und dementsprechend gibt es auch keine wirklichen Bestrafungsmöglichkeiten, wenn sie missachtet werden. Und das werden sie leider noch oft genug. Sei es Russland, das sich besonders an Presse- und Meinungsfreiheit die Zähne ausbeißt, sei es China, in dem Folter und Haftstrafen ohne wirkliches Vergehen noch immer an der Tagesordnung sind, Korruption und Hunger in Afrika, oder die Unterdrückung besonders der Frauen in arabischen Ländern, die Liste der Menschenrechtsverbrechen ist noch immer lang.

Man darf die Leistung, die damals erbracht wurde dennoch nicht schmälern, denn die Welt verändert hat sie wirklich. Mögen sie auch nicht rechtlich bindend sein, so waren die Menschenrechte dennoch eine Grundlage für viele Verfassungen und Verträge, für Gerichtshöfe wie den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, und auch für Menschenrechtsorganisationen, angefangen von der UN Kommission für Menschenrechte bis hin zu amnesty international. Die endgültige Beseitigung der Sklaverei, auch wenn es heutzutage immer noch Fälle von Menschenhandel gibt, die Ächtung von Menschenrechtsverbrechen und Massakern, vieles konnte nur durch diese Erklärung erreicht werden, in der nicht nur die Gleichheit der menschlichen Würde und Rechte, sondern auch zahllose Freiheiten, wie die der Meinung, der Presse oder der Religion, und viele Rechte, auf Schutz und Gerechtigkeit, verankert wurden.

Der 10. Dezember als Tag der Menschenrechte, das ist noch immer viel zu wenigen Menschen in Deutschland ein Begriff, obwohl es so wichtig ist, dass selbst der Friedensnobelpreis an diesem Tag verliehen wird, der in diesem Jahr an den chinesischen Menschenrechtler Liu Xiaobo geht. Dabei kann man auch in Deutschland die Menschenrechte überall finden, der Nürnberger Menschenrechtspreis und die Nürnberger Straße der Menschenrechte sind da nur zwei Beispiele unter unzähligen. Es ist ein Tag, den man nicht vergessen oder übersehen sollte, denn es ist ein Festtag für uns alle. Wir sollten nicht vergessen, dass ohne die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unser Leben vielleicht ganz anders aussähe. Denn wie Desmond Tutu, südafrikanischer Friedensnobelpreisträger gesagt hat:

“Nicht die militärisch Mächtigen sollten wir achten und auch nicht die wirtschaftlich Erfolgreichen, sondern jene, die versuchen, unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.”

Das Biest

Straße der Menschenrechte in Nürnberg