Aufstand in Syrien – Die Manipulation durch das Regime

Seit März 2011 tobt in Syrien der Aufstand, seit Dezember befindet sich ein Beobachterteam der Arabischen Liga dort - doch an der gegenwärtigen Situation ändert das nichts. Und die Welt fragt sich: Warum bemerken die arabischen Beobachter die Gewalt nicht?

Seit März 2011 tobt in Syrien der Aufstand, seit Dezember befindet sich ein Beobachterteam der Arabischen Liga dort – doch an der gegenwärtigen Situation ändert das nichts. Und die Welt fragt sich: Warum bemerken die arabischen Beobachter die Gewalt nicht?

Mehr als 5000 Menschen sollen seit März 2011 bei den Protesten der syrischen Bevölkerung gegen den Machthaber Baschar al-Assad bereits getötet worden sein, Tausende weitere wurden verletzt oder festgenommen. Dennoch ist die syrische Regierung nach wie vor nicht bereit, die Gewalt am eigenen Volk einzugestehen. Stattdessen spricht man von ausländischer Sabotage und islamistischem Terrorismus, beim Großteil der Getöteten soll es sich zudem um Sicherheitskräfte handeln, die von Deserteuren, Terroristen und gewalttätigen Demonstranten umgebracht wurden. Assad riskierte sogar ein Eingreifen der UN, als er bis zum allerletzten Moment die Unterzeichnung eines Vertrages der Arabischen Liga verweigerte. Schlussendlich stimmte er im vergangenen Jahr zwar der Entsendung von Beobachtern zu – deren Wirksamkeit wird aber mittlerweile von mehreren Seiten angezweifelt.

Der Grund: Der Leiter der Mission, der Sudanese Musafa al-Dabi, der ohnehin schon wegen seiner Beteiligung an Gewaltverbrechen im Sudan unter Kritik stand, äußerte in seinem ersten Kommentar Zufriedenheit und behauptete, nichts Auffälliges gesehen zu haben. Zwar erbat er sich kurz darauf mehr Zeit für die Beobachter, doch diese Zeit wurde nicht genutzt. Bis heute wollen die Abgesandten der Arabischen Liga keine staatliche Gewalt im größeren Stil zweifelsfrei bemerkt haben.

Auf der anderen Seite berichten syrische Oppositionelle und ausländische Menschenrechtsorganisationen jedoch von ständiger Gewalt. Täglich werden  Menschen getötet oder verletzt. Neben Tränengas und Blendgranaten kamen auch Nagelbomben und in die Menge feuernde Schusswaffen zum Einsatz. Der letzte größere Protest mit über das Land verteilt geschätzt 500.000 Teilnehmern fand am 30. Dezember statt – etwa 30 Menschen starben bei dem Versuch, auf die wahre Lage in Syrien aufmerksam zu machen. Tausende Menschen werden bei den Demonstrationen verhaftet und im Gefängnis gefoltert, vielen droht die Todesstrafe für Verbrechen, die sie nicht einmal begangen haben.

Warum sehen die arabischen Beobachter nichts von der Gewalt?

Angesichts dessen, was man beinahe täglich in den Medien liest, stellt sich die Frage, warum die arabischen Beobachter davon nichts mitbekommen haben wollen. Tatsächlich wird dies zumindest zum Teil auf Manipulationen durch das Regime Assads zurückgeführt. Berichten zufolge werden Panzer und Armeeeinheiten aus den Städten abgezogen, in denen Beobachter eintreffen sollen. Soldaten werden in Polizeiuniformen gesteckt, um einen Abzug der Armee vorzutäuschen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Angeblich werden sogar Straßen und Ortsschilder ausgetauscht, um der Arabischen Liga die friedlichen Zustände in regimetreuen Ortschaften als Protesthochburgen zu verkaufen. Hunderte Gefangene werden von zivilen Gefängnissen in Militärstützpunkte verlegt, zu denen Beobachter keinen Zutritt haben, politische Häftlinge werden für Besuche und Gespräche sorgfältig ausgewählt, um des Bekanntwerden von brisanten Informationen zu verhindern.

Demonstration in Douma, Syrien - Tausende protestieren gegen Machthaber Baschar al-Assad (1)

Demonstration in Douma, Syrien - Tausende protestieren gegen Machthaber Baschar al-Assad (1)

Sehr nützlich dabei ist die Tatsache, dass sich die Beobachter nicht frei bewegen, sondern Touren nur unter Bewachung machen dürfen – einfacher könnte die Steuerung der eigentlich neutralen Mission durch die syrische Regierung fast nicht werden. Das alles folgt einer Taktik Assads, um einen umfangreichen Auslandseinsatz wie im Falle Libyens zu vermeiden. Bei den Anschlägen und Morden handelt es sich nur um Terroristen, weil er damit auf die starke Reaktion des Westens in Sachen Terrorismus hofft. Die Mission der Arabischen Liga konnte er nicht verhindern, ohne ein Eingreifen der UN zu riskieren – also nutzt er sie zu seinem Zwecke, um die Kritik des Auslands abzuschwächen, von dem seiner Meinung nach die größte Gefahr ausgeht. Solange er auf das Militär bauen kann, dass notfalls  auf die eigene Bevölkerung schießt, solange glaubt er den Aufstand unter Kontrolle zu halten, wenn das Ausland nicht interveniert.

Das Ausland erkennt die syrischen Manipulationen – nur die Beobachter nicht

Tatsächlich glaubt ihm das Ausland kein Wort, nicht einmal tendenziell einst eher positiv gestimmte Staaten wie Russland distanzieren sich, tragen Resolutionen mit. Ganz zu schweigen von der Arabischen Liga, deren Parlament bereits den Rückzug der Beobachter fordert, da ein eindeutiger Verstoß der syrischen Regierung gegen die Vertragsbedingungen vorliegt. Viele Staaten glauben sogar eher, dass nicht uniformierte Armeeeinheiten gezielt Anschläge begehen, um den Terrorismusverdacht zu erhärten, als dass sie an echten Terrorismus glauben. So sagte der ehemalige ‘Freund’ der Syrier, der türkische Premier Erdogan, dass eine Terrorismusbekämpfung unwahrscheinlich sei, wenn man zivile Ziele der eigene Städte bombardiere.

So wenig manche der  nach außen dringenden Informationen auch eindeutig belegt sein mögen, so sicher erscheint es dennoch, dass die Realität so aussieht, wie syrische Oppositionelle und Organisationen sie beschreiben. Der größte Teil der Welt ist geneigt, ihnen zu glauben. Es stellt sich also nur die Frage, warum ausgerechnet das Beobachtungsteam der Arabischen Liga das anders sieht.

(1) Das Foto der Demonstration wurde von Syriana2011 unter CC BY 2.0 lizenziert

 

  • Melone

    “Aber warum soll der Artikel hetzerisch sein?”
    Weil er genauso kriegstreiberisch daher kommt wie so ziemlich jeder Syrien-Artikel in der deutschsprachigen Presse seit Frühjahr 2011. Es ist schon erstaunlich, wie der beliebteste Staatsführer wahrscheinlich der gesamten Welt innerhalb von wenigen Wochen zum Teufel aller Teufel gemacht worden ist.
    “Dennoch ist die syrische Regierung nach wie vor nicht bereit, die Gewalt am eigenen Volk einzugestehen.” – Das braucht glaube ich nach den erneuten Terroranschlägen von Damaskus nicht weiter kommentiert zu werden. Entschuldigung, aber ich bin z.Z. irgendwie nicht gut drauf.
    “beim Großteil der Getöteten soll es sich zudem um Sicherheitskräfte handeln”: namentlich bekannte tote Sicherheitskräfte im Oktober 137, im November 189, im Dezember 187. Und falls Sie jetzt meinen, es sei ja kein Wunder, dass die “Opposition” sich bewaffnet habe: bereits im April gab es 50 tote Sicherheitskräfte und im Mai 71. Das hat nichts mit friedlichem Aufstand zu tun.
    “Assad riskierte sogar ein Eingreifen der UN, als er bis zum allerletzten Moment die Unterzeichnung eines Vertrages der Arabischen Liga verweigerte.” Schmarrn. Assad hat um die Entsendung von Beobachtern GEBETEN. Schon lange, bevor das in unseren Medien überhaupt thematisiert wurde.
    “Der Leiter der Mission, …, äußerte in seinem ersten Kommentar Zufriedenheit und behauptete, nichts Auffälliges gesehen zu haben.” “Bis heute wollen die Abgesandten der Arabischen Liga keine staatliche Gewalt im größeren Stil zweifelsfrei bemerkt haben.” Na so was. Vielleicht gab es ja nichts Auffälliges. Warum sollte es auch? Bashar al-Assad hat 10 Jahre lang sein Volk langsam aber stetig in die Moderne geführt, das Lebensniveau kräftig angehoben, für eine Reform nach der anderen gesorgt – und fängt jetzt urplötzlich an, sein eigenes Volk zu massakrieren? Das ist in höchstem Maße unglaubwürdig.
    “Auf der anderen Seite berichten syrische Oppositionelle und ausländische Menschenrechtsorganisationen jedoch von ständiger Gewalt.” Wer sind diese Leute – außer einer einzelnen Person, die in London sitzt und nachgewiesenermaßen von den USA finanziert wird?
    “Täglich werden Menschen getötet oder verletzt.” Das stimmt leider – nur eben v.a. von Seiten der ach so friedlichen “Opposition”. Das haben wir heute wieder gesehen.
    “Neben Tränengas und Blendgranaten kamen auch Nagelbomben und in die Menge feuernde Schusswaffen zum Einsatz.” Komisch, in wirklich JEDEM anderen Land kommen Nagelbomben nur durch Terroristen zum Einsatz.
    “Der letzte größere Protest mit über das Land verteilt geschätzt 500.000 Teilnehmern fand am 30. Dezember statt – etwa 30 Menschen starben bei dem Versuch, auf die wahre Lage in Syrien aufmerksam zu machen.” Welche Beweise gibt es dafür? Außer einen gewissen Herren in London?
    “Tausende Menschen werden bei den Demonstrationen verhaftet und im Gefängnis gefoltert, vielen droht die Todesstrafe für Verbrechen, die sie nicht einmal begangen haben.” Beweise?
    “Warum sehen die arabischen Beobachter nichts von der Gewalt?” Das haben sie. Heute ganz besonders. Aber vorher auch schon. Und was sie noch zu sehen bekommen, können Sie sich gerne hier ansehen: جماهير حلب الغاضبة تحاصر وفد الجامعة العربية Falls Sie nicht verstehen, was die Menschen den Beobachtern der Arabischen Liga dort zurufen, hier eine kurze Übersetzung: “Allah, Suria, Bashar und sonst nichts!”
    “was man beinahe täglich in den Medien liest” GENAU DAS ist das Problem. Man liest nur die Meinungen der einen Seite, dazu Lügen, Verfälschungen und Halbwahrheiten. Ihr Artikel reit sich da wunderbar mit ein. Leider.
    “Angeblich werden sogar Straßen und Ortsschilder ausgetauscht, um der Arabischen Liga die friedlichen Zustände in regimetreuen Ortschaften als Protesthochburgen zu verkaufen.” So ein Blödsinn. Glauben Sie selber daran? Wollen Sie eine Übersicht, wo die Beobachter wann waren? Interessant ist allerdings, dass die Arabische Liga inzwischen mehrere Meldungen dementieren musste, die al-Jazeera verbreitet hat. Davon steht in Ihrem Artikel nichts.
    “Sehr nützlich dabei ist die Tatsache, dass sich die Beobachter nicht frei bewegen, sondern Touren nur unter Bewachung machen dürfen” Verraten Sie mir, wie man die Sicherheit der Beobachter anderenfalls garantieren soll? Die AL hat sich bisher nicht darüber beschwert, im Gegenteil. Sie hat erklärt, dass die Beobachter bisher alles besichtigen durften, was sie wollten.
    “Das alles folgt einer Taktik Assads, um einen umfangreichen Auslandseinsatz wie im Falle Libyens zu vermeiden.” Entschuldigung, aber das sollte wohl oberstes Ziel für alle sein. Wir können gut auf zusätzliche zigtausende Tote verzichten. Dazu sollten Sie sich mal die Massendemonstrationen in Syrien, die (mindestens) seit Anfang Dezember fast täglich stattfinden, etwas genauer ansehen. Die Menschen schwenken Nationalfahnen und halten Fotos des Präsidenten in die Höhe. Sie haben sogar schon die Autos der Beobachter der AL damit zugepflastert. Bei Bedarf kann ich Ihnen gerne ein paar links nennen, wo Sie sich das ansehen können.
    “Die Mission der Arabischen Liga konnte er nicht verhindern” Blödsinn, die hat er selber angeregt.
    “Tatsächlich glaubt im das Ausland kein Wort, nicht einmal tendenziell einst eher positiv gestimmte Staaten wie Russland distanzieren sich, tragen Resolutionen mit.” Ach ja? Welche denn? Der Westen hat die von Russland eingebrachten Resolutionen, die BEIDE Seiten zu Gewaltverzicht aufforderten, rigoros abgelehnt. Aber wir haben hier nicht mal zu lesen bekommen, dass Russland zwei Resolutionen eingebracht hat…
    “so sicher erscheint es dennoch, dass die Realität so aussieht, wie syrische Oppositionelle und Organisationen sie beschreiben.” Und woher nehmen Sie diese Sicherheit???
    “Es stellt sich also nur die Frage, warum ausgerechnet das Beobachtungsteam der Arabischen Liga das anders sieht.”
    – Und Sie fragen, warum ich diesen Beitrag als hetzerisch bezeichnet habe ??

  • Das Biest

    Sie werfen mir in Ihrem Kommentar vor, dass ich keine Beweise bringe, aber Sie haben ebenso wenig welche zu bieten wie ich. Das es Gegendemonstrationen gab und möglicherweise auch gibt, von denen Sie ihre “Beweise” gewinnen, ist mir durchaus bekannt, aber das bedeutet entegegen Ihrer Aussage nicht, dass es keine Demonstrationen gegen Assad gibt.
    Dass Assad die Mission angeregt hat, halte ich für ein Gerücht. Wie man verschiedensten Medien einstimmig entnehmen konnte, hat er erste Fristen zur Unterzeichnung des Vertrages kommentarlos verstreichen lassen, und das hätte er wohl kaum getan, wenn es sein Wunsch gewesen wäre, Beobachter in Syrien zu haben.
    Ich nehme an, dass Ihnen die Aufstände der Arabischen Länder wie Tunesien, Libyen und Ägypten in den letzten Monaten bekannt sind. Wie sich dort gezeigt sind entgegen anfänglicher Behauptungen der vormaligen Despoten diese Menschen eben nicht von ihren Grundrechten und der Modernisiserung des Landes überzeugt gewesen, so wie es Al-Jazeera und diverse Organisationen berichteten. Nach den erfolgreichen Umstürzen in diesen Ländern hat sich gezeigt, dass die Menschen gegen Unrecht auf die Straße gegangen sind, und auch wenn mir bewusst ist, dass Verallgemeinerungen generell schwierig sind, da der Aufstand in Syrien durch den Arabischen Frühling mit ausgelöst wurde, erscheint es mir wahrscheinlich, dass die Menschen in Syrien genauso wie die Bevölkerung anderer Länder eben nicht glücklich mit Assad ist.
    Weiterhin existieren im Internet eine Vielzahl von Blogs, Videos und anderen Quellen, auf denen das Stattfinden des Aufstandes belegt wird, auch wenn man solche Quellen möglicherweise nicht immer verifizieren kann. Und solche Beweise lassen sich nicht eliminieren, indem Sie mir erzählen, dass alle meine Quellen, zu denen verschiedene Medien gehören, gemeinsam eine “reißerische und unwahre” Berichterstattung pflegen, denn das können Sie nicht im geringsten belegen. Man kann unseren Medien sicher einiges vorwerfen, aber dass in Europa in sämtlichen Medien geschlossen die Unwahrheit erzählt wird, gehört sicher nicht dazu.
    Desweiteren hat die Arabische Liga, bzw. ihre Beobachter, mittlerweile anerkannt, dass es Heckenschützen gab, Tote (zivile Opfer) geborgen werden mussten etc., was relativ eindeutig dafür spricht, dass im land Gewalttaten gegen das syrische Volk stattgefunden haben, und zwar von staatlicher Seite. Selbst das Arabische Parlament, das sich mit dieser Frage sicher nicht mittels europäischer Medien auseinndergesetzt hat, unterstützt diese Ansicht.
    Wenn Sie Assad als beliebtesten Staatsführer der Welt bezeichnen, dann sprechen Sie höchstens für sich, denn aus den oben genannten Gründen sieht sein Volk das wohl anders. Außerdem ist es kein Geheimnis, dass er jahrelang Grundrechte verletzt hat, was kein Wunder ist, schließlich herrschte seit 1963 dort der Ausnahmezustand. Wenn Assad wirklich so viel an seinem Volk gelegen wäre, warum hat er den dann beispielsweise nicht aufgehoben? Oder haben Sie schonmal von dem Massaker von Hama gehört, das von syrischen Sicherheitskräften evrübt wurde? Dass Assad nicht vor Gewalt gegen das eigene Volk zurückschreckt, steht außer Frage, daher empfinde ich es als Hohn für all die Getötenen, ihn als beliebtesten Staatsführer der Welt zu bezeichnen.
    Mit dem Eingreifen der UN bezog ich mich zunächst auf harsche Sanktionen und eine Veruteilung der staatlichen Gewalt, die von Russland und China mitgetragen wird. Dass ein zweiter Einsatz wie in Libyen nicht wünschenswert ist, weiß ich, aber das habe ich auch nie gefordert.
    Insgesamt kann ich nicht erkennen, warum mein Artikel übermäßig hetzerisch sein sollte. Es mag sein, dass er meine eigene Meinung enthält. Diese zu äußern ist allerdings mein gutes Recht, vor allem basiert sie aber auf vielfach belegten Fakten. Wenn Sie mir logische Fehler oder Unsicherheiten aufzeigen, bin ich ihnen dafür dankbar, aber ich muss mich deswegen nicht als hetzerisch bezeichnen lassen.

  • Melone

    Leider haben Sie in Ihrem Kommentar nicht eine einzige meiner Fragen beantwortet. Nun ja, wir können auch gerne mit dem neuen Text weitermachen: „Das es Gegendemonstrationen gab und möglicherweise auch gibt, …, ist mir durchaus bekannt“ Schön. Warum erwähnen Sie das dann nicht? „aber das bedeutet entegegen Ihrer Aussage nicht, dass es keine Demonstrationen gegen Assad gibt.“ An welcher Stelle habe ich DIESE Aussage gemacht? „Ich nehme an, dass Ihnen die Aufstände der Arabischen Länder wie Tunesien, Libyen und Ägypten in den letzten Monaten bekannt sind“ Ja, mir ist durchaus bekannt, dass man z.B. im Falle Libyens zwar ein Waffenembargo verhängte, aber die „Opposition“ reichlich mit Waffen versorgte. Mir ist auch bekannt, dass man der Welt erklärte, Gaddafi hätte seine Städte bombardiert – und auch, dass die Russen das widerlegt haben. Mir ist auch bekannt, dass man Gaddafi zwar stürzte, danach aber noch lange nicht mit der Bombardierung libyscher Orte durch die NATO aufhörte. Da mussten vorher noch ein paar Zehntausend Zivilisten getötet werden. Und ja, es ist auch bekannt, dass die „demokratische Opposition“ in Libyen so das eine oder andere Kriegsverbrechen begangen hat – einschließlich der Ermordung Gaddafis. Sie wollen Beweise? Nun, das waren Aussagen des Internationalen Gerichtshofes. „Nach den erfolgreichen Umstürzen in diesen Ländern“ – ein Präsident ging, weil man ihm Straffreiheit zusicherte (ob das allerdings ein „erfolgreicher Umsturz“ war, bleibt abzuwarten), der andere wurde mit reichlich NATO-Einsatz weggebombt (einschließlich etwa 50.000 Zivilisten) und anschließend ermordet. Erfolgreich? Nun, das kommt darauf an, welche Ziele man hatte. Demokratische sicherlich nicht. Und wenn doch, dann waren beide Umstürze bisher nicht sehr erfolgreich. „da der Aufstand in Syrien durch den Arabischen Frühling mit ausgelöst wurde“ Falsch. Der Aufstand in Syrien wurde nicht in Syrien ausgelöst, sonder vom Ausland betrieben. Beweise? Berichte von „The Wall Street Journal“ und der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI am 01.02.2011 über eine Facebookseite namens „Die syrische Revolution 2011“, die in Schweden betrieben wird; Bericht des österreichischen „Standart“ vom gleichen Tag, der außerdem erwähnt, dass der Betreiber der Seite der in Syrien verbotenen Moslembruderschaft angehört und in ihr „sehr aktiv“ ist. 04.02.2011 Bericht der „Wiener Zeitung“, dass die von genannter Facebookseite angestrebten Massenproteste ausblieben, was auch der österreichische Tagesanzeiger bestätigt. Und man brauchte dann schließlich noch 1 ½ Monate, um mit dem Aufstand anfangen zu können (18.03.) Hätten Sie gerne ein paar Daten von diesem ersten Tag des „friedlichen Aufstandes“? Bitte: – Twitter-Eintrag des syrischen „Aktivisten“ Malath Aumran : „Anruf von einem Freund: Wir greifen das Büro von Atef Najeeb an, dem Chef der politischen Sicherheitsabteilung in Derra. (ich lasse Ihnen gerne den Screenshot zukommen) Die Facebook-Seite „The Syrian Revolution 2011“ : “6 Wagen der Sicherheitskräfte verbrannt“. Und die schweizer „nzz“ bestätigt: „In Daraa wurde schon zu Beginn des Aufstandes neben dem Hauptsitz der verhassten Baath-Partei auch das Gebäude der Syriatel angezündet.“ Klingt irgendwie alles mächtig friedlich. Genauso wie der Überfall auf ein Waffenlager in al-Sanamin und die anschließende Plünderung sowie die Plünderung des Sicherheitsdepartements und der Feuerüberfall auf einen militärischen Kontrollpunkt der Armee. (alles 25.03.) Kein Staat der Welt hätte sich das gefallen lassen. Kein Staat der Welt hält seine Sicherheitskräfte zwei Stunden lang zurück, während bewaffnete Chaoten das Zentrum einer Großstadt zertrümmern. Nur Syrien tut das am 25.03. und greift erst ein, nachdem diese Verbrecher zwei Sicherheitsleute und einen Zivilisten erschossen haben. „erscheint es mir wahrscheinlich, dass die Menschen in Syrien genauso wie die Bevölkerung anderer Länder eben nicht glücklich mit Assad ist.“ Das mag ja Ihre eigene Meinung sein, der Wahrheit muss sie deswegen noch lange nicht entsprechen. Und Aufgabe der Presse, für die Sie ja geschrieben haben, ist es nicht, Meinungen zu verbreiten, sondern Informationen – und zwar objektive Informationen. Zu der Bevölkerung von Syrien: 29.03.: „BBC meldet, dass Zehntausende in Städten quer durch das Land bei Demonstrationen ihre Unterstützung für Bashar al-Assad zum Ausdruck brachten“, Beweise? Bitte: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12892870 „Wie ein RIA-Novosti-Korrespondent berichtet, begeben sich zurzeit Tausende Demonstranten zur Stadtmitte von Damaskus. Viele von ihnen halten Landesfahnen und Bilder von Präsidenten Bashar Assad.“ Beweis? Hier: http://de.rian.ru/photolents/20110330/258709881.html; 18.05. „Ein für Mittwoch von der Opposition ausgerufener Generalstreik wurde offenbar wenig befolgt. Schulen, Geschäfte und andere Unternehmen waren am Mittwoch in Damaskus und anderen Städten geöffnet.“ Quelle: FOCUS; 21.06. landesweite Massendemonstrationen für Bashar al-Assad. Libanesische Quellen sprechen von über 9 Mio Syrern, die für ihren Präsidenten auf die Straße gegangen sind (2,100,000 in Damascus, 950,000 in Lattakia, 1,100,000 in Tartous, 1,900,000 in Aleppo, 1,300,000 in Homs, 150,000 in Hama, 65,000 in Dara’a, 600,000 in Hasaka, 200,000 in Der Azzour, 450,000 in Raqqa, 550,000 in Sweda), während die wirklich der syrischen Regierung nahestehende al-Manar sich auf die offiziellen syrischen Zahlen bezieht und von „Millionen in Damaskus, Tausende in anderen Städten“ berichtet. (Fotos und Videos gibt es dazu im Netz) – Und jetzt mal ein großer Sprung, sonst wird der Text für Sie zu lang zum Lesen: (alles PRO-Demos mit Tausenden von Teilnehmern): 02.12. Daraya und Safita (gleichzeitig als Danke-Veranstaltung an Russland und China), 03.11. Jablah, 08.12. al-Jreinat, 09.12. Tartous, Sheikh Badr, Kherbet al-Hamam, Salkhad, al-Shaddadi, Damaskus, 10.12. Damaskus (Kerzendemo im Gedenken an die gefallenen Soldaten und Sicherheitskräfte), 16.12. Damaskus, Aleppo, Tartous, Hasaka, al-Dreikish, 18.12. in al-Sayyedeh Zainab und auf dem Hijaz-Platz, 19.12. Hunderttausende Demonstranten auf dem Saba´ Bahrat-Platz (Damaskus) (ach ja, die „Tagesschau“ bringt an diesem Tag einen Bericht mit der Überschrift „Schweigen über der Stadt“ – die Demonstranten werden mit keinem Wort erwähnt), 21.12. Damaskus, 22.12. Aleppo: Kampagne „1Million Unterschriften gegen ausländische Einmischung und für das Reformprogramm unter Präsident Bashar al-Assad“, 23.12. nun ja, die Bombenanschläge in Damaskus haben zu landesweiten Massendemonstrationen FÜR den Präsidenten geführt, 27.12. Damaskus, 30.12.
    Damaskus, Damaskus Countryside, Aleppo, Homs, Lattakia, Tartous, Sweida und Hasake, 02.01. Deir Azzor, al-Kabo, 04.01. Damaskus, 06.01. das Gleiche wie am 23.12. … Wenn Sie Beweise für all das wollen: Die entsprechenden Fotos und Videos sind mit ein wenig Rechercheaufwand im Internet zu finden. Ich kann sie Ihnen bei Bedarf auch gern direkt zukommen lassen. In der deutschen Presse werden Sie allerdings vergeblich danach suchen. „Weiterhin existieren im Internet eine Vielzahl von Blogs, Videos und anderen Quellen, auf denen das Stattfinden des Aufstandes belegt wird“ – ich habe auch an keiner Stelle das Stattfinden des Aufstandes bestritten. Es existiert aber ebenso im Internet eine Vielzahl von Blogs, Videos und anderen Quellen, die belegen, dass die große Mehrheit der Syrer diesen (von Anfang an gewaltsamen Aufstand) ablehnen. Leider erwähnen Sie DAS mit keinem einzigen Buchstaben. „, indem Sie mir erzählen, dass alle meine Quellen, zu denen verschiedene Medien gehören, gemeinsam eine “reißerische und unwahre” Berichterstattung pflegen“ Da Sie keine Quellen genannt haben, kann man dazu gar keine Aussage machen. Allerdings reiht sich Ihr Text in entsprechende andere Veröffentlichungen ein. „aber dass in Europa in sämtlichen Medien geschlossen die Unwahrheit erzählt wird, gehört sicher nicht dazu.“ Hm, mal sehen (kleine Auswahl): al-Jazeera und al-Arabiya (seit einigen Monaten die beiden Hauptquellen für europäische Nachrichten aus Syrien) veröffentlichen am 14.04. ein Video, das Ereignisse aus der Hafenstadt Baniyas beweisen soll. Es wird von den verschiedensten deutschen Medien aufgegriffen und in diesem Sinne weiterverbreitet. Blöd ist nur, dass das Video nicht syrische, sondern US-amerikanische Soldaten bei Gewalt gegen Zivilisten zeigt, von 2008 ist und in Bagdad aufgenommen wurde. 13.05. „Die Nachrichtenagentur Reuters sah sich gezwungen, sich wegen der Veröffentlichung fingierten Bild- und Archivmaterials, mit dem sie einen Aufruhr in Syrien suggerieren wollte, in einer ensprechenden Erklärung zu entschuldigen. Laut Bericht der Nachrichtenagentur Fars News hat ein Nachrichtensprecher des französischen Fernsehens am gestrigen Donnerstag bekannt gegeben, dass sich die Nachrichtenagentur Reuters bei diesem Sender wegen Bereitstellung von Archivbildern aus dem Libanon, welche dazu dienen sollten, Aufruhr in Syrien zu suggerieren, entschuldigt hat.“ (http://www.mmnews.de/index.php/etc/7816-reuters-falsche-fotos-falsche-filme) 18.05. Das ZDF muss sich für am Vortag gezeigte Folterbilder, die angeblich aus Syrien stammten, entschuldigen – die Bilder stammten aus dem Irak. Dazu der Korrespondent Christian Siever aus Jordanien: „Das Material kam von einer Frau, die aus Syrien geflohen ist und das Material dabei hatte“ – da fragt man sich doch ganz besorgt: entweder das ZDF lügt (was ich hier mal nicht unterstellen möchte) oder es hat jemand wissentlich falsches Material an die Presse weitergeleitet (die es dann allerdings nicht weiter geprüft hat). Aus welchem Grund?? 27.05. „reuters berichten falsch! http://www.reuters.com/article/2011/05/27/us-syria-idUSLDE73N02P20110527 meine familie kommt aus dieser region! dort war eine demonstration aber kein militaer anwesend und auch kein staatssicherheit. wie jazeera berichten wurden fünf polizisten verletzt durch die demonstanten und dies hat meine cousine über mobile nachricht bestätigt!!“ Wie Sie unschwer dem Text entnehmen können, handelt es sich hierbei um eine Person, die Informationen aus 1. Hand hat (selber Syrer ist). Warum berichtet also Reuters falsch? 29.05. In Talbise sterben 7 Personen bei einem Feuergefecht, nachdem bewaffnete Personen Straßensperren errichten wollten: 2 Zivilisten, 4 Soldaten und 1 Polizist. Darstellung in den deutschen Medien: „Sieben weitere Tote durch Armeegewalt in Syrien“. usw. 08.06. Französische Medien verbreiten, die syrische Botschafterin in Frankreich wäre zurück getreten. Die weiß davon allerdings gar nichts und ist nach wie vor im Amt. Schon irgendwie komisch, oder? Großer Sprung (bei Interesse kann ich auch gerne noch die Lücke auffüllen): 28.12. Anti-Regierungs-Kommentar in der FAZ, illustriert mit einem Foto einer Pro-Assad-Demonstration, Bildunterschrift: „Regimekritische Demonstranten am Dienstag in der syrischen Hauptstadt Damaskus“, 04.01. Anti-Regierungs-Kommentar in der Süddeutschen, illustriert mit einem Foto einer Pro-Assad-Demonstration, Bildunterschrift: „Massenprotest gegen Assad-Regime“, jüngstes Beispiel: Ihr eigener Anti-Regierungs-Text wurde ebenfalls mit dem Foto einer Pro-Assad-Demonstration „garniert“ (natürlich hab ich jeweils die Screenshots). Noch ein Beispiel: Welchen Satz empfinden Sie als reißerischer? 1. „Nach einem Augenzeugenbericht gleicht der Ort allerdings einer Geisterstadt. Öffentliche Gebäude wie ein Krankenhaus und Polizeistellen seien von Kämpfen gezeichnet oder weitgehend zerstört, berichtete am Donnerstag ein Korrespondent der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, der von Damaskus aus in die Provinz Idlib reisen durfte.“ oder 2. „Nach einem Augenzeugenbericht gleicht der Ort aber einer Geisterstadt. Ein Korrespondent der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, der von Damaskus aus in die Provinz Idlib reisen durfte, berichtete, über der Kleinstadt hänge ein Geruch von Rauch und Blut.“ Beide stammen vom 16.Juni – und zwar jeweils von den gleichen (etwa 20, danach habe ich aufgehört zu zählen, weil sowieso überall wörtlich das gleiche steht) Internetseiten. Satz 1 war am Mittag zu lesen, Satz 2 dann am Abend – unter den gleichen Mailadressen. Ich konnte am Abend praktisch zusehen, wie dieser Abschnitt auf den jeweiligen Seiten geändert wurde – und zwar fast ausnahmslos auf allen. (Habe daher auch die Chance gehabt, einige vorher-nachher-Screenshots anzufertigen) Mal ganz abgesehen davon, dass der türkische Korrespondent damals nicht allein sondern in einer großen Gruppe von vielen ausländischen Journalisten nach Jisr al-Shughour gefahren ist, klingt doch „ein Geruch von Rauch und Blut“ erheblich dramatischer als zerstörte Krankenhäuser und Polizeistellen, oder ??
    „Desweiteren hat die Arabische Liga, bzw. ihre Beobachter, mittlerweile anerkannt, dass es Heckenschützen gab, Tote (zivile Opfer) geborgen werden mussten“ Ob Sie es glauben oder nicht, aber davon redet die syrische Regierung schon seit Monaten. „was relativ eindeutig dafür spricht, dass im land Gewalttaten gegen das syrische Volk stattgefunden haben, und zwar von staatlicher Seite.“ Erster Teil ja, zweiter Teil nein. Das sagt überhaupt nichts darüber aus, von welcher Seite diese Gewalttaten ausgehen. „Selbst das Arabische Parlament, das sich mit dieser Frage sicher nicht mittels europäischer Medien auseinndergesetzt hat, unterstützt diese Ansicht.“ Siehe vorheriger Kommentar. Ihnen wird aber sicherlich auch aufgefallen sein, dass die Arabische Liga am 26.12. einen Bericht „einiger Satellitenkanäle“ dementieren musste. Dabei wurde deutlich gemacht, dass der Herr Mustashar Mahjoub, der angibt, Mitglied dieser Mission zu sein, ihr NICHT angehört. Außerdem wurde entgegen der Darstellung von al-Arabya laut der Arabischen Liga bis zu diesem Zeitpunkt kein Beobachter verletzt. Al-Arabya hatte gemeldet, einer der Beobachter der AL sei bei einem Beschuss durch syrische Sicherheitskräfte verletzt worden und der Beobachter namens Mustashar Mahjoub habe erklärt, Sicherheitskräfte würden Zivilisten töten. 30.12. ähnliche Situation: Die AL muss einen Bericht von al-Jazeera dementieren, vier der Beobachter seien in Homs verhaftet worden. Was bezweckt man mit solchen Falschmeldungen? Und vielleicht stützt das Arabische Parlament seine Ansicht ja auch auf die vielen Berichte, die die Beobachter vor Ort von den syrischen Zivilisten bekommen haben – so z.B. am 30.12., als die Menschen in Homs ihnen schriftliche Berichte über die Terrorakte, denen sie ausgeliefert waren, übergeben haben – zusammen mit einer Liste von Personen, die von Bewaffneten entführt worden sind.
    „haben Sie schonmal von dem Massaker von Hama gehört“ Oh ja. Aber dieses Massaker kann man nicht Bashar al-Assad anlasten. 1982 war er 17 Jahre und hatte mit Politik absolut nichts am Hut. Und was den Ausnahmezustand betrifft: Der überwiegende Teil der Menschen in Syrien ist der Meinung, die Regierung gehe z.Z. viel zu lasch mit den Chaos stiftenden Verbrechern und Terroristen um. Es gibt sogar schon wieder Stimmen, die nicht nur fordern, die Notstandsgesetze wieder einzuführen (entgegen Ihrer Aussage ist der Ausnahmezustand nämlich aufgehoben worden), sondern sie auch anzuwenden.
    „Mit dem Eingreifen der UN bezog ich mich zunächst auf harsche Sanktionen und eine Veruteilung der staatlichen Gewalt, die von Russland und China mitgetragen wird.“ Noch mal die Frage: Wann haben China und Russland „harsche Sanktionen und eine Verurteilung der staatlichen Gewalt“ mitgetragen? Die letzte Wortmeldung dazu war am 25.12. und die lautete „Wenn die Forderung darin besteht, dass jede beliebige Erwähnung der Gewaltanwendung seitens der extremistischen Opposition von uns gestrichen werden soll, so wird das nicht geschehen“. Und dann gab es da noch einen wichtigen Satz: „Wenn sie damit rechnen, dass wir ein Waffenembargo einfügen, so wird es das nicht geben. Wir wissen sehr gut, was ein Waffenembargo zurzeit bedeutet. Es bedeutet – und das haben wir in Libyen beobachtet -, dass man keine Waffen an die Regierung liefern darf, jemand anderer aber Waffen an verschiedene oppositionelle Gruppen liefern kann“. Wie ich schon im ersten Kommentar erwähnte: Was Russland will, ist die Verurteilung von Gewalt auf BEIDEN Seiten, aber dazu ist der Westen aus unerfindlichen Gründen nicht bereit.

  • Das Biest

    Russland “beweist”, dass Gaddafi nicht mit Flugzeugen seine Städte bombardiert hat, trägt aber eine Resolution für eine Flugverbotszone mit, die allein auf dieser Tatsache basiert? Das halte ich für unglaubwürdig. Dass in einem Bürgerkrieg beide Seiten Verbrechen gehen, ist nichts Ungewöhnliches, und dass die Ermordung von Gaddafi oder seinen Anhängern zu verurteilen ist, steht auch außer Frage. Nichtsdestotrotz hat Gaddafi Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, während sein Volk zunächst friedlich protestiert hat, bevor es zum bewaffneten Kampf überging. Soweit zu Libyen.
    Was die Sanktionen gegen Syrien angeht, so bedaure ich das Missverständnis. Ich wollte ausdrücken, dass Assad der Entsendung der Beobachter nur zugestimmt hat, um zu verhindern, dass solche Resolutionen möglicherweise doch von Russland mitgetragen werden. Dass dies nicht passiert ist, ist mir bekannt.
    Was Syrien angeht: Gerade heute hat ein Bericht sehr deutlich gezeigt, wie die wahren Zustände in Syrien aussehen: http://www.tagesschau.de/ausland/syrien1022.html Und wenn Sie der deutschen Presse nicht vertrauen, in ausführlicherer gibt es das auch bei der BBC, auf die Sie sich selbst beziehen: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-16507805
    Herr Anwar Malek gehört erwiesenermaßen dem Beobachterteam der Arabischen Liga an, war in Syrien unterwegs und kann daher eindeutig verifizierte Informationen liefern. Sein Bericht über Täuschungen, staatliche Gewalt und Willkür sind nicht nur drastisch, sondern decken sich auch mit meinem Artikel, den Sie als hetzerisch bezeichnet haben.
    Was Ihre Vermutungen über den Auslöser des Aufstandes angeht, so handelt es sich dabei nicht um von der USA bezahlte Briten, die Organisation, auf die Sie sich beziehen, wird von der BBC untersucht: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-15896636
    Im Allgemeinen halte ich es für ein Gerücht, dass die Unruhen durch ausländische Intervention bzw. Geheimagenten ausgelöst sein sollten. Zum einen sind – wie Sie nicht bestritten haben – die Ursachen für den Aufstand, fehlend Grundrechte (Ausnahmezustand bis 2011), mangelnde Demokratie vielfach beweisbar. Dass die Menschen sich dagegen auflehnen, dürfte nicht weiter verwunderlich sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass eine funktionierende Demokratie in der Lage sein muss, gegen einzelne gefährliche Subjekte (Terroristen) vorzugehen, ohne dabei der Allgemeinheit ihre Grundrechte zu rauben, und dass über 40 Jahre lang. Womit auch gezeigt wäre, dass die Demokratie offensichtloch nicht funktioniert. Sehr gute Hintergrundberichte dazu hat wieder BBC zu bieten: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-13855203
    Dort können Sie auch nachlesen, wer dort protestiert, dabei handelt es sich nämlich nicht um gewaltbereite Menschen und Terroristen, sondern einen, zum größeren Teil friedlich demonstrierenden Querschnitt verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-15798218 Von der darin beschriebenen syrischen Opposition kommt zudem auch ein Teil der Informationen, diese entstehen also nicht alle im Ausland oder in undurchsichtigen Randgruppen.
    Dass nebenbei auch eine Gruppe syrischer Deserteure existiert, die einzelne Gewalttaten begangen hat, ebenso wie es zu verurteilende Terroranschläge gegeben hat, die allerdings nicht mehr mit den friedlichen Protesten gemein hatten als den Wunsch der Terroristen, die Situation für sich auszunutzen, ist mir ebenfalls bekannt.
    Damit aber auch zu den Gewalttaten der syrischen Staatsmacht. Auch diese sind vielfach belegbar. Sehr wichtig hier ein eindeutig verifziertes Video auf Spiegel Online, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808015,00.html, weiterhin kann man die Informationen der UN anführen, die erstens eine neutrale Instanz darstellt und zweitens sehr umfangreiche Informationen erhält. Nach ihren Schätzungen wurden seit Beginn der Aufstände mehr als 5000 Menschen getötet, darunter sehr viele Zivilisten, viele auch von staatlicher Seite getötet. Die getöteten Sicherheitskräfte sind in die 5000 noch nicht einmal eingerechnet. http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=40708&Cr=syria&Cr1= Ein Beispiel für das Auftreten staatlicher Gewalt ist auch das Massaker von Idlib, dazu gibt es ebenfalls wieder eine Quelle der BBC: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-16287450
    All die genannten Beweise und Quellen zeigen sehr eindeutig, dass in Syrien ein zum größeren Teil friedlicher Protest gegen das Regime von Baschar al-Assad stattfindet. Dass es unter den Assad-Gegnern auch einen kleinen gewaltbereiten Teil gibt, ebenso wie es Pro-Assad-Demonstrationen gibt, ist bekannt, ändert jedoch nichts daran, dass ein gewichtiger Teil des syrischen Volkes mit Assad unzufrieden ist. Und ebenso ist erwiesen, dass der syrische Staat mit Brutalität gegen das eigene Volk vorgeht, und die Mission der Arabischen Liga als Täuschungsmanöver benutzt.
    Und zum Schluss noch ein kurzes Wort zu meinem Artikel im Allgemeinen. Sie haben bestimmt schon sie SPON-Redakteure auf Spiegel.de oder in den Tageszeitungen Rubriken wie “Hintergrund und Meinung” gesehen? Dann wissen Sie, dass Informationsmedien zwar Wahrheiten und Fakten verbreiten sollen, jedoch auch das Recht haben, eigene Standpunkte zu genannten Themen darzustellen. Dieses Recht der Presse- und Meinungsfreiheit nehme ich auch für mich in Anspruch, indem ich eine subjektive Darstellung liefere, und daran gibt es nichts zu kritisieren. Dass diese Meinung auf belegbaren Tatsachen beruht, habe ich ja nun dargelegt.

  • Melone

    „dass Informationsmedien zwar Wahrheiten und Fakten verbreiten sollen, jedoch auch das Recht haben, eigene Standpunkte zu genannten Themen darzustellen.“ Ja, das dürfen Sie. Nur sollten Sie sie nicht als Wahrheit hinstellen. Diese ist nämlich erheblich komplizierter.
    „Russland “beweist”, dass Gaddafi nicht mit Flugzeugen seine Städte bombardiert hat, trägt aber eine Resolution für eine Flugverbotszone mit, die allein auf dieser Tatsache basiert? Das halte ich für unglaubwürdig.“
    Es mag ja sein, dass das für Sie unglaubwürdig ist, das ändert aber nichts an der Tatsache an sich. Sie sollten bei Ihren Recherchen vielleicht auch die betreffenden Leute selbst zu Wort kommen lassen und nicht blindlings nur den westlichen Medien glauben schenken, die – wie bereits umfassend dargelegt – reichlich Fakten zurecht biegen. 01.03.2011, russland-news: „Das russische Militär behauptet unterdessen, dass längst nicht alle Berichte aus Libyen über Angriffe der Gaddafi-Truppen auf Demonstranten oder Militärstützpunkte der Wahrheit entsprächen: So hätten sich bei der Beobachtung des Bürgerkriegsgeschehens durch russische Satelliten keine Hinweise darauf gefunden, dass es die angeblich erfolgten Bombardierungen in Bengasi gegeben habe. … Russland spricht sich deutlich gegen ein militärisches Eingreifen anderer Staaten in die libysche Krise aus. Ein „Blitzkrieg in Libyen“, wie er nun von manchen Kreisen in Washington erwogen werde, sei ein ernsthafter Fehler und ein Verstoß gegen das internationale Recht, erklärte Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin.“ http://www.russland-news.de/russische_armee_es_gab_keine_luftangriffe_auf_bengasi_29002.html Russland hat auch die Resolution für eine Flugverbotszone nicht mitgetragen, sondern sich der Stimme enthalten. Und die späteren Reaktionen waren auch ziemlich eindeutig: “In Moskau bedauern wir diesen bewaffneten Einsatz im Rahmen der UN-Resolution 1973, die in aller Eile beschlossen wurde” – das war bereits am 19. März, an diesem Tag hat die NATO unter Führung der USA die ersten Angriffe geflogen. Russland hat sich auch später mehrmals sehr eindeutig zu dieser verlogenen Resolution geäußert, vielleicht reicht Ihnen EIN Zitat: “Wir wollen nicht, dass irgendeine Resolution erscheint, die dann manipuliert wird und als Feigenblatt genutzt wird – in der dann steht, dass Assad böse ist und dass man ebenso wie in Libyen den Luftraum sperrt und Kampfhandlungen beginnt.” Das war am 20.07. sogar in unserer Presse zu lesen http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13496806/Deutsch-russischer-Zwist-bei-Syrien.html – und glücklicherweise hat Russland sich bisher daran gehalten. Im anderen Falle hätten wir nämlich in Syrien jetzt längst auch mindestens 50.000 tote Zivilisten durch NATO-Bomben. Und damit wären wir dann also wieder bei Syrien. Was Ihre „wahren Zustände in Syrien betrifft“: Ja, der Herr Anwar Malek gehörte dem Beobachterteam der Arabischen Liga an, nur: komischerweise hat die Arabische Liga erklärt, seine „Schilderungen entbehrten jeder Grundlage. Malek sei krank gewesen und habe in seinem Hotelzimmer Bettruhe halten müssen. “Wie kann man dann solche Vorwürfe machen?” Malek dagegen sagte dem Fernsehsender al-Dschasira, er habe sich gut zwei Wochen lang in der Protesthochburg Homs aufgehalten.“ Haben Sie das auch gelesen? Wenn nicht: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808622,00.html Der Mann hat sich in der Tat in Homs aufgehalten – nur ist er aus seinem Hotelzimmer nicht rausgekommen. So „eindeutig verifizierte Informationen“ kann er wohl doch nicht liefern. Und da fragt man sich dann: Wie kommt er dazu, solch ein Interview zu geben? Was steckt wirklich dahinter? Wieviel Geld hat er von Katar bekommen, um diese Aussage zu machen? – Ich weiß, dass diese Frage zunächst erst einmal einer Unterstellung gleicht, nur wäre es eben auch nicht das erste Mal, dass soetwas passiert. Es gibt genügend Berichte aus Syrien, dass gefakte Fotos, Videos und Interviews für Geld an al-Jazeera verkauft worden sind. Und auch dem syrischen Außenminister ist eine Unmenge Geld von Katar geboten worden, wenn er der Regierung den Rücken kehrt (am 03.11.) Warten wir also mal ab, was die Zukunft bringt und ob sich jemand damit beschäftigt, diesen Mann und den Hintergrund seiner Aussage etwas genauer zu beleuchten. Zumal der algerische Außenminister in seinem Statement am 12.01. ganz anders klang: Der algerische Außenminister sagte am Mittwoch (Vortag), die syrische Regierung hätte Schritte unternommen, um die Krise im Land zu entschärfen und das es die Aufnahme des bewaffneten Kampfes der Opposition war, was für die Ausweitung der Gewalt gesorgt hat. „Die Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Vielleicht nicht genug, aber doch einige Schritte in dem Sinne, dass es einen Abzug der schweren Waffen aus den Städten gab, in denen jetzt Probleme bestehen.“ erklärte Medelci. „Es gab die Entlassung von einigen tausend Gefangenen. Auch wenn es noch viele gibt, die bisher noch nicht freigelassen wurden. Und es hat eine Öffnung für die Medien gegeben. Obwohl diese Öffnung nicht vollständig ist, ist sie doch real.“ Medelci erklärte, dass Schüsse von beiden Seiten abgefeuert wurden und dass die Opposition die Delegation der arabischen Liga daran gehindert habe, Stadtteile, die sie kontrollieren sollte, zu erreichen. „Es scheint so, dass die Regierung Syriens sich bemüht, aber die Arabische Liga vor allem Probleme durch die bewaffnete Opposition hat.“ http://af.reuters.com/article/topNews/idAFJOE80B04420120112?sp=true Warum sagt Reuters das eigentlich in seiner europäischen Ausgabe nicht?? Darf man im Westen nicht erfahren, dass die Opposition die Delegation der AL daran gehindert hat, ihre Aufgaben zu erledigen? Das passt wohl nicht in das Bild, das man vermitteln möchte …
    „Was Ihre Vermutungen über den Auslöser des Aufstandes angeht, so handelt es sich dabei nicht um von der USA bezahlte Briten“ Wann hab ich denn gesagt, von den USA bezahlte BRITEN hätten den Aufstand ausgelöst ? Ich habe lediglich gefragt, wer die von Ihnen zitierten „syrischen Oppostionellen und ausländischen Menschenrechtsorganisationen“ sind – außer dieser einzelnen Person, die in London sitzt und von den USA finanziert wird. Eine Antwort darauf haben Sie mir leider nicht gegeben. Aber Sie wussten offensichtlich, wen ich meine. Danke für den Link! Es ist gar nicht so einfach, über diese Person überhaupt IRGENDETWAS in Erfahrung zu bringen. Was nun aber die Auslöser der Aufstandes sind, so sitzen diese Leute in Schweden, betreiben die Facebookseite „The Syrian Revolution 2011“ und sind sehr aktiv in der syrischen Moslembruderschaft. Nachzulesen war das schon vor Ausbruch des „Aufstandes“ in „The Wall Street Journal“, in Berichten der US-amerikanischen Nachrichtenagentur UPI usw.
    „Vor allem wenn man bedenkt, dass eine funktionierende Demokratie in der Lage sein muss, gegen einzelne gefährliche Subjekte (Terroristen) vorzugehen, ohne dabei der Allgemeinheit ihre Grundrechte zu rauben,“ – in etwa so, wie das tolle demokratische Gesetz, das der amerikanische Präsident am 31.12. unterzeichnet hat?
    „All die genannten Beweise und Quellen zeigen sehr eindeutig, dass in Syrien ein zum größeren Teil friedlicher Protest gegen das Regime von Baschar al-Assad stattfindet.“ Ich denke, die Journalisten, die bei dem Tod ihres französischen Kollegen in Homs dabei waren, dürften da etwas anderer Meinung sein. Sie dürfen das hier gerne nachlesen und nachhören: http://www.lefigaro.fr/international/2012/01/11/01003-20120111ARTFIG00602-un-journaliste-de-france-2-a-ete-tue-a-homs-en-syrie.php
    http://blogs.telegraph.co.uk/news/michaelweiss/100129359/who-killed-france-2-journalist-gilles-jacquier-in-homs/
    (Der französisch-libanesische Journalist des BBC Arabic Service, Mohammed Ballout, der unter den Journalisten war, die von Leuten des Informationsministeriums begleitet wurden, sagte: “Ich war in einer Gruppe mit den Reportern von CNN, CBS und von AFP. Gilles Jacquier befand sich zusammen mit Schwester Mary Agnes, der Veranstalterin seines Syrienaufenthalts, mit seinem Kameramann, zwei Schweizer Journalisten, fünf Belgiern, zwei Libanesen und einem Syrer. Gemeinsam begannen wir mit einem Rundgang durch ein paar Krankenhäuser in Gebeiten, die unter der Kontrolle der Armee stehen. Gegen 15 Uhr hatte meine Gruppe das alawitische Viertel von Zahira verlassen. Einige Augenblicke später hatte sich außerhalb des Krankenhauses von Zahira eine Gruppe von Assad-Anhängern gebildet. Sie begannen Parolen zu Gunsten der Regierung zu skandieren. Plötzlich traf eine Granate die Menge. Acht Pro-Bashar-Demonstranten waren sofort tot, es gab auch Verletzte. Journalisten der Gruppe um Jacquier liefen herbei und wollten sehen, was geschah. ”
    Zu dieser Zeit wurden auch andere Granaten in ihre Richtung abgefeuert. Gilles Jacquier, der im Inneren eines offiziell aussehenden Gebäudes Zuflucht gesucht hatte, starb sofort. Ein niederländischer freischaffender Fotograf, Steven Wassenaar, wurde im Gesicht von einem Granatsplitter schwer verwundet. Der Kameramann von France 2 Christophe Kenk wurde am Arm von einem Granatsplitter getroffen. Bilder von kurz danach zeigen Spuren von Blut auf dem Boden und demTaxi, das Gilles Jacquier wegbrachte.
    Zahira ist ein Alawitenochburg, die in der Vergangenheit immer wieder Zielscheibe von Demonstranten war, laut Mohammed Ballout, der in den letzten Monaten mehrmals Syrien besucht hatte. Für ihn gibt es keinen Zweifel: „Außer man nimmt an, dass das Regime auf seine eigenen Anhänger Raketen schießt, wurden die Granaten aus Rebellengebieten abgefeuert und man zielte auf die Pro-Bashar-Demonstranten“)
    http://www.presstv.ir/detail/220651.html (‘West tries to create chaos in Syria’, Interview mit freischaffender Journalistin)
    Haben Sie eigentlich von der Demonstration am 11.01. in Damaskus gehört? Sehen Sie sich mal diese Video an: http://www.youtube.com/watch?v=cwvDKKbUz2Y Ach wenn Sie arabisch nicht verstehen: die Bilder sprechen für sich.