Das Ende einer Legende

Viele Personen der Geschichte wurden erst nach ihrem Tod zu Legenden, anerkannt und gewürdigt. Es gab jedoch auch jene, bei denen es anders war. Menschen wie Martin Luther King, dessen Engagement noch heute seinesgleichen sucht, und der heute vor 43 Jahren ermordet wurde.

Martin Luther King beim "March on Washington"

Künstler werden meist erst zu Legenden, wenn sie schon tot sind. Bei Vincent van Gogh, der Zeit seines Lebens kaum ein Dutzend seiner mehr als 1000 Werke verkaufte, war es so. Selbst Friedrich Schiller, der damals zwar schon bekannt war, aber doch immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wurde erst lange nach seinem Tod zu einem Inbegriff der deutschen “Dichter und Denker”. Aber es gab auch Andere. Menschen, die schon Zeit ihres Lebens Legenden waren, Menschen, die so viel geleistet hatten, dass man sie nicht vergessen konnte. Einer von ihnen war Martin Luther King, der heute vor 43 Jahren ermordet wurde.

Niemand hat die Amerikanische Bürgerrechtsbewegung so geprägt wie er. 1929 in Atlanta geboren, wurde er von seinem bei der Bürgerrechtsorganisation NAACP tätigen Vater schon früh dazu erzogen, sich gegen das Unrecht zu wenden. Bereits mit 14 Jahren hielt er auf einem Redner-Wettbewerb eine Rede, in der er sich für das Ende der strengen Segregation einsetzte. Später intensivierte er diese Arbeit, bereits mit 15 Jahren studierte er am “Morehouse College”, der einzigen Hochschule für Schwarze im Süden, beschäftigte sich mit Menschenrechten, Gesellschaftsformen, aber auch dem gewaltlosen Widerstand Mahatma Gandhis, der ihn tief beeindruckte.

Seinen ersten Erfolg erzielte er 1955, als er nach der Verhaftung von Rosa Parks zum Leiter der Koordination des sogenannten “Montgomery Bus Boycott” ernannt wurde. Mehr als 380 Tage lang wurden sämtliche Busse der Stadt von den Schwarzen boykottiert, bis schließlich im folgenden Jahr der Oberste Gerichtshof die Segregation in den öffentlichen Bussen verbot. Dies führte dazu, dass man nun Martin Luther Kings Methoden des gewaltfreien Widerstandes anerkannte. Von da an reiste er Tausende Meilen quer durch die USA, hielt Hunderte Reden und schrieb sein erstes Buch, immer in dem Bestreben, auf friedlichem Wege eine Aufhebung der Segregation zu erreichen.

Zahllose weitere Stationen seines bewegten Lebens folgten, auch Attentate seitens des Ku-Klux-Klans fehlten dabei nicht. Das vielleicht bekannteste Ereignis jedoch war der “Marsch auf Washington” am 28. August 1963, bei dem 250.000 Menschen, darunter immerhin 60.000 Weiße, für Freiheit und Gleichberechtigung demonstrierten. Hier hielt Martin Luther King seine wohl bekannteste Rede: I have a dream.

“I have a dream that one day this nation will rise up, and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal.’
I have a dream that one day on the red hills of Georgia the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at a table of brotherhood.
I have a dream that one day even the state of Mississippi, a state sweltering with the heat of injustice and sweltering with the heat of oppression, will be transformed into an oasis of freedom and justice.
I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.
I have a dream today.”

Dann, im nächsten Jahr endlich der ersehnte Erfolg. Nach der Ermordung Kennedys, der King stets unterstützt hatte, sorgte sein Nachfolger Johnson dafür, dass das Gesetz zur Aufhebung der Rassentrennung verabschiedet wurde. Im selben Jahr wurde Martin Luther King für sein friedliches Engagement auch mit dem Friedensnobelpreis geehrt, und damit endgültig zur Legende der Bürgerrechtsbewegung.

Auch in der folgenden Zeit kämpfte er weiter – bis zu jenem bitteren Tag vor 43 Jahren, der ihn das Leben kostete. Ein Poor People’s March, den er organisierte, sollte eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Afroamerikaner herbeiführen. Nur wenige Tage vor dessen Beginn wurde Martin Luther King jedoch von dem Rassisten James Earl Ray auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. Der Tag war eine Zäsur in der amerikanischen Geschichte, es war das Ende einer Legende.

Das Biest

"Free at last" - Das Grab von Martin Luther King