Der Iran-Israel Konflikt – Droht ein Krieg im Nahen Osten?

Der Konflikt mit dem Iran spitzt sich weiter zu: Nachdem der islamische Staat der Welt die ersten selbstgebauten Brennstäbe vorgeführt hat, droht nun ein Angriff Israels, um dem Bau atomarer Waffen zuvor zu kommen.

Der Konflikt mit dem Iran spitzt sich weiter zu: Nachdem der islamische Staat der Welt die ersten selbstgebauten Brennstäbe vorgeführt hat, droht nun ein Angriff Israels, um dem Bau atomarer Waffen zuvor zu kommen.

Ein paar Tage lang schien es, als könnten die Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen möglicherweise doch mittels diplomatischer Maßnahmen beigelegt werden, als sich die Situation im Streit um den vermuteten Bau einer iranischen Atombombe noch verschärft. Auslöser dafür sind die unverhohlenen Kriegsdrohungen Israels, das mit einem militärischen Angriff die Errichtung von Atomwaffen im Iran verhindern will. Trotz scharfer Proteste der US-Regierung schloss Israel zuletzt einen Alleingang nicht aus, getragen von der Befürchtung, dass es beim Scheitern diplomatischer und wirtschaftlicher Sanktionen für einen erfolgreichen Militärschlag bereits zu spät sein könnte.

In den letzten Wochen war der bereits seit Jahren schwelende Konflikt beinahe zur Eskalation getrieben worden, nachdem der Iran androhte, im Falle weiterer Sanktionen die Straße von Hormus zu sperren, die von etwa 40% der weltweiten Öltransporte passiert wird. Die US-Regierung machte daraufhin unmissverständlich klar, im Falle einer Blockade den Krieg zu erklären, es wurden sogar vorsorglich Militäreinheiten in den Persischen Golf verlegt. Kaum, dass sich die Lage ein wenig beruhigt hatte, entschied sich Ende Januar die EU für neue Sanktionen, ein Öl-Embargo und ein Handelsabbruch mit der iranischen Zentralbank.

Wirken die Sanktionen gegen den Iran und sein Atomprogramm?

Ziel all dieser Aktionen ist letztlich das iranische Atomprogramm, das dadurch verzögert bzw. verhindert werden soll. Grund: Der Iran pocht auf das Recht, eigene Atomreaktoren zu betreiben und dazu eigenständig Uran anzureichern, die westlichen Staaten befürchten jedoch eine militärische Nutzung der Atomkraft, was letztlich zum Abbruch der Verhandlungen führte. Die Wirkung der daraufhin einsetzenden Sanktionen ist aber umstritten, da der Iran stets betont, wirtschaftlich keine Schwierigkeiten zu haben und bei seinem Atomprogramm in keinster Weise ausgebremst zu werden. Dies wird jedoch bezweifelt, da Iran aufgrund der Sanktionen kaum mehr Möglichkeiten hat, an Euro und Dollar als Zahlungsmittel zu gelangen, auch werden manche Produkte wie Getreide oder Palmöl nicht mehr geliefert.

Irans Präsident Ahmadinedschad (1)

Irans Präsident Ahmadinedschad (1)

Warum aber befürwortet Israel allen diplomatischen Maßnahmen zum Trotz einen möglichen militärischen Angriff? So störend die Blockadehaltung Russlands und Chinas im UN-Sicherheitsrat sein mag, dies allein würde wohl kaum einen Krieg rechtfertigen. Tatsächlich stehen sich der Iran und Israel schon seit langem sehr feindlich gegenüber, insbesondere da Ersterer die Hamas mit Waffen und finanziellen Mitteln unterstützt, und somit als hintergründig treibende Kraft im Nahost-Konflikt gilt.

Radikal anti-israelische Haltung Ahmadinedschads gibt Anlass zur Sorge

Der iranische Präsident Ahmadinedschad selbst gilt als radikal antizionistisch und judenfeindlich, schon seit seiner Amtszeit spricht er nicht nur Israel das Existenzrecht ab, und droht wiederholt mit einem Vernichtungskrieg gegen das Land, sondern leugnet auch den Holocaust und unterstellt den Juden Rassismus und Weltherrschaftsansprüche. Im Falle des erfolgreichen Baus einer Atombombe wäre Israel somit das erste anvisierte Ziel der iranischen Staatsführung, jegliche nukleare Bewaffnung stellt daher ein existenzielles Risiko dar.

Und damit wird auch deutlich, warum israelische Politiker sogar in aller Öffentlichkeit von einem möglichen Militärschlag sprechen: Man will den Bau der iranischen Atombombe stoppen, bevor die entsprechenden Anlagen unterirdisch gesichert werden können, und der Fortschritt  nicht mehr aufzuhalten ist. Im Fokus stünde also ein Bombardement iranischer Atomanlagen durch isrealische Flugzeuge, wie es in der Vergangenheit in anderen Staaten schon vorkam. Dabei ist Israel ein verheerender Krieg mit hohen Zahlen an Toten und flächendeckender Zerstörung durchaus Recht, da sie dadurch ein ständiges Sicherheitsrisiko ausschalten könnten, ungeachtet der humanitären Folgen. Militärisch fühlt man sich dem Iran ohnehin weit überlegen, insbesondere wenn man die USA im Falle einer folgenden Blockade der Straße von Hormus in den Krieg zwingen könnte.

Wie ernst gemeint sind die israelischen Drohungen?

Wenn nicht einmal die USA als engster und wichtigster Verbündeter den israelischen Staat von derartigen Erwägungen abhalten kann, ist es diesem wohl bitterernst mit seinen Drohungen. Zu oft hat das Land gegen seine Vernichtung gekämpft, als dass es sich ohne Gegenwehr einer so existentiellen Bedrohung wie iranischer Atomwaffen aussetzen würde. Sollte die Situation weiter eskalieren, ist ein blutiger Krieg nicht ausgeschlossen, was vermutlich den gesamten Nahen Osten erneut in Brand setzen würde.

Dabei mehren sich auch die Stimmen derer, die just einen solchen blutigen Flächenbrand verhindern wollen: amerikanische und europäische Politiker, aber auch der israelische Staatspräsident Schimon Peres, der in seiner Rede die Aussöhnung der beiden Völker forderte. Die Botschaft ist klar: gibt die iranische Staatsführung ihre atomare und israelfeindliche Politik auf, wäre das Land zu diplomatischer Entspannung bereit. Die beiden Kontrahenten stehen sich auf einer schmalen Brücke gegenüber. Die Frage ist nur, ob es einen Klügeren gibt, der nachgeben wird, bevor es zum Äußersten kommt.

(1) Das Foto von Präsident Ahmadinedschad wurde von www.kremlin.ru auf Wikipedia unter CC BY 3.0 lizenziert

(2) Das Artikelbild wurde von MathKnight auf Wikipedia unter CC BY 3.0 lizenziert

  • http://waltraud-schlimm.de Waltraud Schlimm

    Israel duldet nicht den Iran. Schon gar nicht mit Atomwirtschaft. Israel weigert sich die Iraner als freien Wirtschaftsstaat anzuerkennen. Ob der Iran wirklich an einer A-Bombe baut weiss niemand und ist auch nicht bewiesen. Auf der anderen Seite fühlt sich der Iran von Israel bedroht. Israel besitzt A-Bomben und hat sich bisher geweigert bei dem Atomwaffensperrvertrag zu unterschreiben. Auch Israel verweigert den Inspektoren die Kontrollen. Für mich stellt sich die Sache so da. Zuerst müsste Israel den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen und auch die Inspektoren ihre Anlagen prüfen lassen. Erst dann steht der Iran in der Pflicht.

  • Das Biest

    Insgesamt kann man sagen, dass beide Länder einander stark misstrauen, sich gegenseitig nicht anerkennen wollen und jeder einen existenzbedrohenden Angriff des anderen fürchtet, da ist keiner besser als der andere.
    Meiner Meinung nach sollten beide Länder parallel ihre Atomprogramme überprüfen lassen, sowohl Israel, dessen Verweigerungshaltung in der Tat besorgniserregend ist, aber auch der Iran. Denn ganz unabhängig davon, wie der Status in Israel ist, hat der Iran ebenso die Pflicht, seine Atomanlagen überprüfen zu lassen, und das muss im Zusammenhang mit diplomatischen Gesprächen sobald wie möglich geschehen.

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