Der langsame Untergang der FDP

100 Jahre nach dem Unglück der Titanic droht ein weiteres weit berühmtes Schiff in den Wellen zu versinken, hinabgerissen in den Strudeln der deutschen Politik. Ein Porträt des Untergangs der FDP.
Die havarierte Costa Concordia

100 Jahre nach dem Unglück der Titanic droht ein weiteres weit berühmtes Schiff in den Wellen zu versinken, hinabgerissen in den Strudeln der deutschen Politik. Ein Porträt des Untergangs der FDP.

Die Rede ist natürlich von der FDP, die seit Monaten vor sich hinsiecht; und nun durch dem schon geradezu wie eine Tragödie anmutenden Wahldebakel vom Saarland mit 1,2% die Gewässer deutscher Parlamente endgültig zu verlassen droht. Wann immer man glaubt, der Tiefpunkt müsse doch langsam erreicht sein, wird man eines Besseren belehrt. Im Gegensatz zur Costa Concordia gibt es offensichtlich keinen halbwegs festen Untergrund, der wenigstens den Mast noch über den Wellen hält. Womit wir wieder bei der Titanic wären, denn diese liegt auch in mehr als 3000 Metern Tiefe.

Titanic und FDP – Zwei Untergänge

Tatsächlich gibt es aber einige Unterschiede zwischen zwischen dem Passagierdampfer und der altehrwürdigen Partei, die gerade von den Wellen verschlungen wird. Erstens: das Alter des Verunglückten. Während des berühmte Schiff nicht einmal die eigene Jungfernfahrt überstand, überlebte die FDP immerhin seit 1948 in den gefährlichen Gewässern der BRD, umschiffte alle Hindernisse und war letztlich die Partei mit den meisten Regierungsbeteiligungen. Mag sie auch in den letzten Jahren zunehmend negativ aufgefallen sein, so war sie dennoch einst ein geschätzter Koalitionspartner, der nicht auf Anhieb über den eigenen Ruhm stolperte.

Langsamer Untergang (Urheber: Rvongher, CC BY-SA 3.0, Quelle: Foto)

Zweitens: die Dauer des Untergangs. Zwei Stunden brauchte die Titanic, bevor die Wellen über ihr zusammenschlugen, bei der FDP hingegen handelt es sich um ein langsames, monatewährendes Siechtum, das mit immer neuen Höhepunkten auftrumpft. Wenn man mit 1,2% der Wählerstimmen schon kleine Familienparteien an sich vorbeisegeln lassen muss, stößt dies bitter auf. Nichtsdestotrotz bietet der lange Zeitraum der Qual zumindest die Möglichkeiten, dass alle Ratten das sinkende Schiff verlassen. Auch wenn das die Meisten noch nicht tun.

Warum sinkt die FDP? – Piraten in Sicht

Drittens: die Art des Untergangs. Und hier findet man den absoluten Höhepunkt der wunderbar vieldeutigen Metaphorik. Denn mag das Dampfschiff vor 100 Jahren noch einen Eisberg gerammt haben, lässt sich ein solcher, zum größten Teil unter der Wasseroberfläche verborgener Angreifer im Falle der Partei nicht feststellen. War es die Verlängerung der AKW-Laufzeiten, die Debatte um ‘Spätrömische Dekadenz’ – die auf den oberen Decks der Titanic im Übrigen deutlich passender angesiedelter wäre – oder doch eher die Unfähigkeit der wechselnden Führungsspitze? Erst kurz vor dem Untergang wurde ein potenzieller Täter ausgemacht. Doch wer glaubt, man könne echten Piraten daran hindern, ein Schiff zu versenken, indem man sie der ‘Tyrannei der Masse’ bezichtigt, hat sich mit Logik wohl noch nicht allzu häufig auseinandergesetzt. Dass die seeräuberischen Freigeister die liberaleren Gedanken pflegen, hätte der FDP von Anfang an besser nicht so suspekt erscheinen sollen.

Viertens, und vielleicht am Wichtigsten: die Größe. Denn während die Titanic damals nicht nur nach der eigenen Einschätzung praktisch alles bisher Dagewesene an Monumentalität überstieg, trifft das auf den traditionellen ‘kleinen Koalitionspartner’ nicht zu. Bei der FDP handelt es sich eher um einen Scheinriesen à la Jim Knopf, dessen Ehrwürdigkeitsanspruch eher vom Alter zumindest des Gedankenguts herrührt, denn von seiner wirklichen Bedeutung.

Scheitern am Größenwahn

Womit wir auch bei den Gemeinsamkeiten wären. Denn eines ist der Titanic und der FDP gemein: die übersteigerte Selbsteinschätzung, die zu ihrem Fall führte. Weder das ‘unsinkbare’ Schiff noch die erträumte 18%-Partei konnten ihre Visionen erfüllen, stolpterten auf dem Zenit ihres Ruhms, ihr Stern sank. Größenwahn statt Größe also, in beiden Fällen führte dies zum Untergang, wie so oft in der Geschichte.

Noch allerdings liegt die FDP nicht auf dem tiefsten Meeresgrund, im Gegensatz zu ihrem stählernen Pendant. Deshalb soll dies auch kein Nachruf sein, in keinster Weise. Für die Titanic existieren derer schon mehr als genug, für die Freie Demokratische Partei wäre dies ein bisschen verfrüht, nicht umsonst heißt es, dass Totgesagte länger leben. Zu guter Letzt daher ein kleines Trostpflaster, um die gefährlichen Risse in der Hülle zu kitten: Im Gegensatz zur Titanic besteht für die FDP selbst im Falle von Wahlniederlagen noch die geringe Chance, das altgediente Schlachtschiff zu bergen. Es hängt ganz davon ab, wie tief die Partei noch zu sinken gedenkt.

(1) Das Foto wurde von Rvongher unter CC BY-SA 3.0 lizenziert, Quelle: Wikipedia

  • http://www.zukunftspresse.de/ Philipp Lehmann

    Na, hat wohl leider doch noch nicht geklappt ;)