Der Tod Osama Bin Ladens – Ende des Terrorismus?

Selten hat sich die Welt so sehr über den gewaltsamen Tod eines Menschen gefreut wie nun: Die Erschießung des Terroristen und Al-Qaida-Gründers Osama Bin Laden hat die Welt mehr als nur erleichtert. Der meistgesuchte Terrorist des Welt ist tot – aber wie geht es nun weiter?

Der getötete Terroristenführer Osama Bin Laden

Selten hat sich die Welt so sehr gefreut, dass ein Mensch ermordet wurde, wie es nun der Fall ist. Seitdem US-Präsident Barack Obama gestern gegen Mitternacht den Tod des Al-Qaida Führers und meistgesuchten Terroristen Osama Bin Laden verkündete, hat sich eine Welle der Erleichterung ausgebreitet – selbst die Börsenkurse stiegen an. Europäische Regierungschefs, der NATO-Generalsekretär, selbst George W. Bush und Obamas Erzfeindin Sarah Palin drückten ihre Freude aus – für einen Moment waren alle Konflikte vergessen.

Dabei kam die Nachricht wie aus heiterem Himmel, bis wenige Minuten vor der völlig überraschend anberaumten Pressekonferenz hatte niemand Ahnung von den Geschehnissen in Pakistan. 10 Jahre lang hatte man vergeblich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet nach dem Terroristen gesucht. Erst im August konnten US-Fahnder dank eines Al-Qaida-Kuriers, den man identifiziert hatte, neue Spuren entdecken, die schließlich in die pakistanische Stadt Abbottabad führten. Dort wurde man auch fündig – ein auffällig großes und gut gesichertes, wie auch teures Wohnhaus mit fragwürdigen Bewohnern erregte den Verdacht der Fahnder.

Letztendlich reichten die Indizien für Obama aus, um seine Spezialeinheit los zu schicken. Über diese wurden zunächst nur wenige Details bekannt. Ein kleines Team von amerikanischen Spezialisten soll in mehr als 4-stündiger Mission, nach Absprache mit der pakistanischen Regierung, mit Hilfe von Hubschraubern das Haus gestürmt haben. Nach einem 40-minütigen Feuergefecht waren schließlich Osama Bin Laden und mehrere andere Terroristen, sowie eine Frau, die als lebender Schutzschild missbraucht worden war, tot, alle weiteren Anwesenden, so seine Familie wurden festgenommen. Der Leichnam des größten Feindes der USA wurde von den Amerikanern wenige Stunden später gemäß islamischen Richtlinien auf See bestattet.

Die Mission ging in völliger Stille vonstatten, erst Stunden später trat der US-Präsident vor die Kamera und verkündete in seiner Rede den Tod des Topterroristen.

“For over two decades, bin Laden has been al Qaeda’s leader and symbol and has continued to plot attacks against our country and our friends and allies. The death of bin Laden marks the most significant achievement to date in our nation’s effort to defeat al Qaeda. And his death does not mark the end of our effort. There’s no doubt that al Qaeda will continue to pursue attacks against us. We must and we will remain vigilant at home and abroad. (…)”

Für ihn selbst bedeutete der Erfolg eine große Erleichterung. Innenpolitische Entspannung, da auch die Republikaner den Erfolg zu schätzen wussten, überbordende Freude der US-Bevölkerung, die sich spontan versammelte und gemeinschaftlich jubelte, aber auch ein Erfolg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Überschäumende Freude in den USA beim Bekanntwerden der Nachricht

Genau dieser Erfolg wird jedoch schon wenige Stunden später ausführlich diskutiert. Denn die Welt fragt sich: Ist Al-Qaida damit besiegt, oder hatte die Tat eigentlich nur Symbolwert? Die Meinungen gehen weit auseinander. Zwar war der saudi-arabische, später staatenlose Terrorist als Gründer der Terrororganisation Al-Qaida der wohl wichtigste Mann im internationalen Terrorismus, unter anderem auch verantwortlich für die Anschläge am 11. September 2001, der über viele Jahre hinweg das Gesicht der Vereinigung prägte, Entscheidungen traf und die Ideologie entwickelte, andererseits hatte er sich jedoch schon längst zurückgezogen. Mittlerweile, so heißt es aus Expertenkreisen soll seine Rolle vor allem eine ideologische und symbolische gewesen sein, die Entscheidungen wurden von jungen, nicht minder skrupellosen Führern Al-Qaidas getroffen.

Dennoch war er immer noch sehr gefährlich, mit seinem Tod dürfte der Terrororganisation ein schwerer Schlag versetzt worden sein, ob sie sich davon erholt ist zweifelhaft. Gleichzeitig wird aber auch betont, dass die Tat wohl tatsächlich eher als symbolischer Wendepunkt zu betrachten ist. Viel wichtiger im Kampf gegen den Terrorismus dürfte wahrscheinlich der Arabische Frühling sein, der Umbruch in der arabischen Welt, zunächst in Ägypten und Tunesien, aber auch in anderen Ländern wie dem Bürgerkriegsland Libyen, Syrien, dem Jemen oder Marokko. Denn ein Hauptgrund für den Zulauf zu Terroristen wie auch den Taliban dürfte die Situation in den dortigen Ländern sein, wozu Armut, Ungerechtigkeit und Diktaturen sicherlich zählen. Wenn die Menschen jedoch merken, dass sie selbst auf gewaltloserem Wege Veränderungen erreichen können, werden sie sich bis auf einige Fanatiker wohl endgültig vom Terrorismus abwenden.

Dies ist vermutlich auch der Weg, auf dem der Terrorismus langsam nachlassen wird. Selbst der Einsatz in Afghanistan kann nicht verhindern, dass Anschläge stattfinden, man kann schlecht jeden einzelnen Terroristen ausfindig machen und umbringen. Den Menschen eine friedliche Perspektive zu geben, das ist der Weg, den man gehen muss, den die Menschen dort gehen müssen. Es war ein Wendepunkt, aber noch kein Sieg.

Das Biest

  • http://www.facebook.com/WunderFuersAuge disfruten

    Ich finde es ziemlich krass, dass es solche Jubelveranstaltungen in den USA gibt, weil ein Mensch ermordet wurde. Klar, er war ein sehr “böser” Mensch. Aber gibt uns das das Recht, ihn zu ermorden? Darüber kann man streiten. Aber sich dann auch noch so darüber zu freuen? Das geht meiner Meinung zu weit.

  • Das Biest

    Das ist zugegebenermaßen etwas makaber. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht gerade traurig darüber bin, dass er tot ist, aber natürlich sollte man mit dem Tod eines Menschen immer vorsichtig sein und das war wohl nicht gerade der Fall.

  • http://www.geheimnisse-des-himalaya.de Der Yeti

    Zwei Punkte: Wenn sich das amerikanische Volk freut, kann ich das absolut nachvollziehen, ich find das auch nicht makaber. Warum ist ja verständlich. Die amerikanische Staatsführung selber hat sich ja nicht gefreut, die haben das noch einigermaßen sachlich betont. Bin Laden hat sich nicht festnehmen lassen (mal ehrlich, wer glaubt dass sich Bin Laden freiwillig lebend in die Hände der USA begibt, der muss nur an Saddam Hussein denken), und wer sich wehrt wird in einem solchen Einsatz dann halt “ausgeschaltet”.

    Anders war es in Europa: Hier hat sich das Volk nicht massenhaft über seinen Tod gefreut, da fehlt einfach die emotionale Bindung so wie sie die Amerikaner zu 9/11 haben. Dass sich aber die Regierungen, wie Frau Merkel offenherzig über den Tod Bin Ladens freuen, ist hier das skandalöse. Man hätte es wie die amerikanische Regierung auslegen können, als Schlag gegen den Terrorismus, bei dem es nicht möglich war Bin Laden lebend zu stellen. Aber nicht direkt über den Tod freuen!

    Also man unterscheide: Volk =/= Regierung
    Das Volk kann sich darüber freuen, es stellt da keine moralische juristische Instanz da, die frei von jeglichen Emotionen handeln sollte. Was bei einer Regierung eben andersrum ist. Insofern finde ich die europäische Reaktion sehr viel merkwürdiger.

    Hm….so lang sollte das nicht werden :D

  • Das Biest

    Grundsätzlich hast du ja Recht, ich finde es nur allgemein nicht so gut, derart über den Tod eines Menschen zu urteilen, weil es bedeuten würde, dass wir in der Lage wären (und das Recht hätten), darüber zu entscheiden, ob ein Menschenleben lebenswert ist, oder das nicht mehr verdient hat. Erleichterung, eine Art Zufriedenheit ja, aber nicht unbedingt frenetischer Jubel.

  • http://rottentomatoes.in/shoeyork/ Lukas

    Guter Post. Sicher nicht verkehrt, sich damit detailierter zu beschaeftigen. Ich werde auf jeden Fall die nächsten Posts im Auge behalten.