Die Kreditaffäre des Christian Wulff: Warum sie so vielen einfach nur egal ist

Sind wir doch einfach ehrlich: es nervt. In den letzten Tagen und Wochen überschwemmen einschlägige Nachrichtenmagazine die Öffentlichkeit mit zahllosen Ungereimtheiten aus Christian Wulffs Privat- und Berufsleben. Es wirkt wie ein verzweifelter Kampf, das Staatsoberhaupt doch noch zum Rücktritt zu bewegen.

Sind wir doch einfach ehrlich: es nervt. In den letzten Tagen und Wochen überschwemmen einschlägige Nachrichtenmagazine die Öffentlichkeit mit zahllosen Ungereimtheiten aus Christian Wulffs Privat- und Berufsleben. Es wirkt wie ein verzweifelter Kampf, das Staatsoberhaupt doch noch zum Rücktritt zu bewegen.

Viele von uns nehmen neue Meldungen über die augenscheinliche Bestechlichkeit des Christian W. inzwischen höchstens mit einem Schulterzucken wahr, manche blenden die Affäre komplett aus. Es gibt nur wenige, die sich noch wirklich über die Taten des Bundespräsidenten aufregen. Es ist schade, dass der oberste Mann im Staat mit all seinen Verfehlungen sowie dem ignoranten Umgang mit ihnen davon zu kommen scheint, doch das Desinteresse hat in der Tat plausible Gründe.

Zum einen wäre da der Verlauf der Affäre. Am Anfang stand ein fragwürdiger Kredit für den Bau eines Eigenheims, der kurz vor Weihnachten von der “Bild” öffentlich bekannt gemacht wurde. Die Empörung um die fragwürdigen Umstände des Kredits verflog jedoch bald wieder, schließlich lag das krumme Geschäft bereits einige Zeit zurück. Der Präsident war zwar angeschlagen, noch schien sich aber alles wieder einzurenken. Nach den anstehenden Weihnachtsfeiertagen, so hoffte man im Bundespräsidialamt, würde die Angelegenheit vergessen sein.

Christian Wulff

Christian Wulff(1)

Die Medienaffäre – der Höhepunkt der Krise

Kurz nach Weihnachten holten die großen Tagespressen jedoch zum großen Schlag aus. Es wurde bekannt, dass der Bundespräsident persönlich versucht hatte, die Veröffentlichung des Artikels um seinen Kredit in der “Bild”, mit einem Anruf beim Chefredakteur zu verhindern. Da dieser nicht zugegen war, sprach Wulff auf die Mailbox, in einem teilweise aggressiven Ton. Laut der “Bild” solle er auch mit rechtlichen Konsequenzen gedroht haben. Ein Bundespräsident der versucht die Pressefreiheit der größten Zeitung Deutschlands zu beeinflussen, war nicht nur für uns von ZukunftsPresse der GAU, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Damit war dann auch der bisherige Höhepunkt der “Wulff-Affäre” erreicht.

Wulff schwieg, gab lediglich gegenüber ARD und ZDF ein einziges Interview im Fernsehen, welches regelrecht erbettelt wirkte. Der Bundespräsident wirkte während des Interviews eher wie ein kleiner Schuljunge, der den Lehrer mit einem Papierfliger beworfen hat und jetzt vor der ganzen Klasse bloßgestellt wurde. Ein Bundespräsident der vor der Presse auf allen Vieren kroch. Von einer moralischen Vorbildfunktion für das gesamte Volk war Wulff in diesem Moment weiter weg als alles andere. Ab diesem Moment war Christian Wulff schon ein Fall für den Papierkorb. Was jetzt noch aufgedeckt wurde, wirkte eher wie ein Hauch von Nichts, es war vollkommen egal.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Da Christian Wulff sich aber weigerte den Hut zu nehmen, liefen die Medien zu Hochform auf. Fast jeden Tag kredenzten sie ihren Lesern eine neue Verfehlung des Bundespräsidenten. Ob es nun ein Urlaub auf Sylt war für den der Präsident nicht selber zahlte, die “gute Freundschaft” zu zweifelhaften Finanzhaien oder auch einfach nur ein rotes Bobbycar, alles wurde zum eigenen kleinen Skandal klassiert, in der Hoffnung, den Wut der Bevölkerung auf den Mann aus Niedersachsen doch noch weiter zu schüren. Doch die Bevölkerung verhielt sich komplett anders.

Sie nahm die täglichen Meldungen nicht mehr wahr, die immer mehr zu einem Einheitsbrei wurden. Es war fast mit einem Lied zu vergleichen dass man zu oft hört und dass man dann später einfach nur nervig findet. Zusätzlich waren zu viele der Meldungen tatsächlich vollkommen belanglos. Viele wissen dass sie in der gleichen Situation ähnlich gehandelt hätten oder sind der Meinung, dass es nicht problematisch ist dies zu tun. Zu guter Letzt: Christian Wulff gilt schon als korrupt, die ständigen zusätzlichen “Beweise” wirken auf viele wie kalter Kaffee.

Deutschland wird für die nächsten Jahre einen Papierpräsidenten haben

“Dieses Stahlgewitter wird bald vorbei sein.” – Christian Wulff

Diese Worte soll Christian Wulff beim Neujahresempfang zu seinen Mitarbeitern gesagt haben. Recht hat er wohl nicht behalten, trotzdem wird er die Krise wohl überstehen. Der Bundespräsident ist jedoch bloß noch ein Papiertiger, der nicht mehr wirklich ernst genommen wird. Als er sich vor wenigen Tagen positiv über die neuen Antikorruptionsgesetze in Italien äußerte, wirkte dies auf viele wie ein schlechter Witz. Wir werden uns damit abfinden müssen, bis zum Ende von Wulffs Amtszeit nur einen Scheinpräsidenten zu haben, der in der Öffentlichkeit nicht mehr als eine Randnotiz sein wird.

Ein Rücktritt wäre die beste Lösung gewesen, doch der wird von Seiten Wulffs nicht kommen. Auch die Bevölkerung wird, unter der Annahme dass kein wirklicher Skandal mehr aufgedeckt wird, nicht für einen Rücktritt eintreten, da es ihr egal ist. Daran tragen die Medien eine große Schuld, sie haben die Bevölkerung mit ihren pausenlosen Jagd gegenüber Wulff abgestumpft. Dass der Präsident mit seiner Taktik des Einigelns durchkommt, ist sehr schade und ein weiteres Zeichen für die Unfähigkeit dieses Mannes, aber leider auch Tatsache.

(1) Urheber: AxelHH, gemeinfrei

(Titelbild) Urheber: Chancellery of the President of the Republic of Poland, GNU-FDL, Quelle