Die neue Atomdebatte: Das Restrisiko bleibt

Seit Japan ist die Welt nicht mehr die gleiche. Während man entsetzt die dortige Katastrophe beobachtet, schielt man gleichzeitig mit einem Auge zu den deutschen AKWs. Denn wer sagt, dass das nicht auch bei uns passiert?

Das AKW Neckarwestheim

Zwei Reaktoren sind bereits explodiert, bei dreien wird zumindest eine teilweise Kernschmelze befürchtet: Nach dem Ausfall des Kühlsystems im Zuge des Erdbebens und anschließendem Tsunami kämpft Japan gegen eine drohende atomare Katastrophe. Sollte es in der ohnehin verwüsteten und leidgeplagten Region nun auch noch zu einer radioaktiven Verseuchung kommen, wäre der SuperGAU perfekt. Die Welt blickt nach Japan – und schielt mit einem Auge auf die eigenen AKWs, denn: Wer sagt, dass das bei uns nicht auch passiert?

“Die deutschen Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt. Bei uns kann das nicht passieren.”

Diese Argumentation kennen die meisten, denn Atomkraftbefürworter setzen sie immer genau dann ein, wenn es ums Thema Sicherheit geht. Tatsache ist jedoch, dass tatsächlich die japanischen AKWs ebenfalls zu den sichersten der Welt zählten, am zirkumpazifischen Feuerring ist das auch empfehlenswert. Mag auch Fukushima einer der älteren gewesen sein, muss man trotzdem sagen: Das Resultat der ach so großen Sicherheit ist zu sehen. Der worst case wurde nicht durch ein Erdbeben sondern durch Stromausfall ausgelöst, dass so was auch bei uns passieren kann, dürfte nicht zur Debatte stehen. Es gibt schlicht und ergreifend keine absolute Sicherheit, dass sollte man gerade bei einer derartigen Hochrisikotechnologie nicht vergessen.

Ohnehin kann man über die Sicherheit der deutschen AKWs durchaus streiten. Reaktoren wie Krümmel oder Brunsbüttel machen regelmäßig mit Störfällen von sich reden, und tatsächlich: Als 2000 der Atomausstieg beschlossen wurde, befand die Atomindustrie, dass man Sicherheitsnachrüstungen für die älteren, ohnehin in ein paar Jahren vom Netz zu nehmenden Anlagen vernachlässigen könne. Bei einer weiteren Verlängerung um 8 Jahre ist diese sowieso dumme Idee allerdings völlig untragbar. Solche AKWs sind nicht gegen Erdbeben, Flugzeugabstürze und ähnliches gerüstet, von anderen möglichen Katastrophen muss man da gar nicht reden.

Und das weiß auch die Kanzlerin Angela Merkel, die im vergangenen Herbst die höchst umstrittene Laufzeitverlängerung beschlossen hatte. Langsam aber sicher wird sie nervös. daher rührt auch die neueste Idee der schwarzgelben Koalition, die Verlängerung für 3 Monate auszusetzen, um die Sicherheitstechnik zu überprüfen.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, es verrät lediglich sehr vieles über die wirklichen Hintergründe. Zum einen will die Kanzlerin Aktionismus betreiben, um die Gemüter zu beruhigen, und sie will damit auch die wieder aufflammende Kritik wieder verstummen lassen. Ist Japan erst einmal vorbei, so die Logik, kräht kein Hahn mehr danach. Die Tatsache ist nur, dass es unsinnig ist, eine Verlängerung “auszusetzen”. Dann verlängern wir eben nicht jetzt um 15 Jahre, sondern in 3 Monaten, weil das natürlich die Sicherheit enorm erhöht, besonders für die ältesten Meiler, die dann zeitweise vom Netz genommen werden müssen.

Man könnte über das Thema ewig diskutieren, und noch viele Argumente gegen Atomkraft finden, vom radioaktiven Müll gar nicht erst zu sprechen. Vielleicht sollte man noch eines für die Wirtschaftsfraktion erwähnen: Erneuerbare Energien sind zwar anfangs teuer, aber sie sind erstens besser und zweitens wird es nicht billiger zu warten bis entweder die Rohstoffe ausgehen oder aber die Katastrophe passiert ist. Denn Katastrophen sind nicht nur tragisch, sondern auch teuer.

Fakt ist, die Laufzeitverlängerung war ein Fehler, und Angela Merkel sollte wenigstens dieses eine Mal den Mut aufbringen und dies zugeben und rückgängig machen. Japan hat auf tragische Weise eines gezeigt: Atomkraft wird niemals sicher genug sein. Das Restrisiko bleibt.

Das Biest

  • froanc

    Ein Erdbeben in Deutschland kann niemals zu solchen Problemen wie jetzt in Japan führen, das ist plattentektonisch schon gar nicht möglich.
    Nur aus Angst und Unwissenheit sollte die friedliche Nutzung der Kernenergie nicht beendet werden, da erneuerbare Energien leider eben immernoch zu teuer und unrentabel sind.

    Aber welche Auswirkungen hat denn ein normaler Stromausfall für ein Kernkraftwerk?

  • Das Biest

    Die Kühlsysteme der AKWs werden mit Strom betrieben, wenn es also zu einem Stromausfall käme, müsste man sich auf Notstromaggregate verlassen, und wie schnell die zu beschädigen sind, hat man in Japan ja gesehen…
    Und was heißt hier bitte Angst und Unwissenheit? Bei uns sind theoretisch auch Erdbeben möglich, wenn auch nicht so stark, dafür sind unsere älteren AKWs dagegen auch schlechter gerüstet. Dazu kommen ungefähr tausend weitere mögliche Ursachen. Flugzeugabstürze, Terrorismus, menschliches Versagen, technisches Versagen… Betrachtet man die Liste der Störfälle, die in unseren AKWs passieren, würde ich niemals sagen, sie wären sicher.
    Wir können die Natur einfach nicht beherrschen, wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass immer ein gewisses Risiko bleibt, und für mich persönlich sind die möglichen Folgen des Risikos Atomunfall einfach zu hoch.
    Und wie gesagt, es wird nicht billiger zu warten bis es zu spät ist. Wenn man jetzt in Erneuerbare Energien investiert, sind die bald rentabel und Marktführer zu sein wäre auch nicht gerade schlecht.

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