Energieversorgung im 21. Jahrhundert – Die schleichende Krise

Spätestens seit der Laufzeitverlängerung im Herbst wurde eines deutlich: Eigentlich weiß niemand in Deutschland so genau, wie es denn weitergehen soll mit der Energieversorgung im 21. Jahrhundert. Die schleichende Krise betrifft uns alle - umso wichtiger ist es, Lösungen und Wege zu finden.

Spätestens seit der Laufzeitverlängerung im Herbst wurde eines deutlich: Eigentlich weiß niemand in Deutschland so genau, wie es denn weitergehen soll mit der Energieversorgung im 21. Jahrhundert. Die schleichende Krise betrifft uns alle – umso wichtiger ist es, Lösungen und Wege zu finden.

Es begann im vergangenen Herbst, als die Bundesregierung in einer durchaus als sinnfrei zu bezeichnenden Aktion die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern – nur um diese viel kritisierte Entscheidung dann in diesem Jahr nach der Katastrophe von Fukushima zurückzunehmen. Im Juli wurde schließlich der “Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg” beschlossen – die Energiewende in Deutschland hatte sich durchgesetzt.

Wie soll die Energiewende aussehen?

Lange Zeit war man sich darüber nicht einig gewesen, die FDP stemmte sich gegen jede Form von Zustimmung, die CSU versuchte Jahreszahlen zu verwässern – aber letztlich traf man doch einen für alle Beteiligten akzeptablen Beschluss. Je nach Votum der Bundesnetzagentur sollen die 7 oder sogar 8 ältesten AKWs in Deutschland ab sofort endgültig vom Netz gehen, alle weiteren sollen bis 2022 folgen, wobei man noch Reserven für mögliche Energieengpässe einplant.

Was bedeutet der Ausstieg nun?

Zuerst einmal das Ende der Atomkraft, wie es seit Fukushima noch intensiver gefordert wurde. Und damit auch das Ende des Restrisikos. Von Atomkraftbefürwortern wird dieses ja gerne geleugnet, dass es existiert, ist jedoch eine Tatsache. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mit einem Experten von Siemens Energy zu sprechen, der dies bestätigt. Das Risiko mag zwar klein sein, ist aber erstens nicht wirklich zu berechnen, zweitens durch sehr viele Ursachen (v.a. menschliches Versagen bzw. Dummheit) möglich und drittens ins seinen Folgen immens. Selbst er war durchaus für ein Ende der Atomkraft, wenngleich deutlich kritischer gegenüber dem jetzigen Ausstiegsbeschluss.

Was ist also das Problem bei der Sache? Zunächst klingt es alles super, Ausbau der Erneuerbaren Energien und dann ist alles gut. Nur ist die Realität leider nie so einfach, und so ist es auch hier. Erstens wird bei den Plänen der Regierung angenommen, dass es demnächst eine einigermaßen effiziente Möglichkeit gibt, Strom in großen Mengen zu speichern – nur existiert diese leider nicht. Die derzeit einzige Variante wären riesige Wasserkraftwerke – die aber leider auch wieder keiner bei sich vor der Tür haben will.

Der zweite Punkt: Die Technik braucht Zeit, um die Erneuerbaren Energien zu verbessern, denn Effizienz ist derzeit noch nicht gegeben. Eine Möglichkeit von vielen sind beispielsweise die sogenannten “Sandwich-Solarzellen”. Wie das funktioniert, ist einfach erklärt: Licht hat bekanntlich verschiedenen Wellenlängen. Solarzellen sind derzeit nur in der Lage, eine dieser Wellenlängen zu absorbieren und umzusetzen, durch diese neue, allerdings noch nicht wirklich gereifte Technologie könnte man dies ändern und deutlich an Effizienz dazugewinnen.

Außerdem müsste man das deutsche Netz infolge der Dezentralisierung deutlich ausbauen, auch neue fossile Kraftwerke, vermutlich erdgasbetriebene errichten und somit kurzfristig die Abhängigkeit erhöhen. All das kostet Geld – wie immer eben in der Welt. Zusammengefasst braucht Deutschland vor allem drei Dinge: Geld, einen technischen Quantensprung und die nötige Zeit.

Windräder - Energie für die Zukunft? (1)

Und was können wir tun?

Der wichtigste Punkt ist Sparen. Jedes Kilowatt an Energie, das wir einsparen, muss weniger produziert werden. Und da gibt es durchaus Potenzial. Beispielsweise haben italienische, aber auch auf Deutschland übertragbare Rechnungen ergeben, dass in Italien allein 3 Kraftwerke ständig laufen müssen, um Strom für Geräte im Standby herzustellen. Es sind vor allem Kleinigkeiten, die man schon dutzende Male gehört hat, doch summiert auf 80 Millionen Einwohner haben sie ein großes Potenzial. Zudem wäre es wichtig, die Dämmung der Häuser voranzutreiben, da durch geringere Heizverbräuche ebenfalls riesige Einsparungen möglich wären.

Den zweiten Punkt sollte man jedoch auch nicht vergessen, und das ist schlicht und einfach Vernunft. Wenn man keine AKWs und fossilen KWs in Deutschland haben will, muss man eben damit leben, Windkrafträder am Rand der Ortschaft zu haben. Unsichtbare Energieerzeugung existiert nunmal nicht, daher ist es von hoher Bedeutung, vernünftig und konsequent zu sein. Schließlich stellt sich eine Frage: Will man lieber 200 Meter von einem AKW oder einem Windrad entfernt wohnen? Für meinen Teil ist die Antwort klar, denn selbst wenn der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass ein Windrad umstürzt, dann liegt es eben quer auf der Wiese vor dem Haus, aber mehr auch schon nicht. Wenn bei einem AKW ein Unfall eintritt, sind die Konsequenzen deutlich schlimmer, dessen sollten wir uns bewusst sein.

Es ist eine schleichende Krise, langsam und unauffällig, aber man kann die Problematik nicht ewig ignorieren, will man nicht irgendwann im Dunkeln sitzen. Energie ist ein Thema mit viele Möglichkeiten und wenig Sicherheiten – nur eines ist unumstößlich: Bequemlichkeit führt nicht zum Ziel.

Das Biest

(1) Urheber des Bildes: Dirk Ingo Franke, lizenziert unter CC BY-SA 2.0, Quelle