Frauen der Geschichte – Die mutige Widerstandskämpferin

Hans und Sophie Scholl, Niemöller, Bonhoeffer oder Clemens August Graf von Galen, ihre Namen sind weit bekannt, sie stehen symbolisch für den Widerstand gegen das NS-Regime, für Gerechtigkeit und Ehre. Doch es gab auch viele andere, die sich ebenso gegen das brutale Regime wehrten, die ebenfalls zu helfen versuchten. Eine von ihnen war die mutige Widerstandskämpferin Elisabeth Abegg.

Hans und Sophie Scholl, Niemöller, Bonhoeffer oder Clemens August Graf von Galen, ihre Namen sind weit bekannt, sie stehen symbolisch für den Widerstand gegen das NS-Regime, für Gerechtigkeit und Ehre. Doch es waren nicht nur sie, die sich vehement gegen den Nationalsozialismus wehrten, es gab auch andere, deren Schicksale nicht so bekannt waren, und die nichtsdestotrotz einen wichtigen Beitrag leisteten.

Eine von ihnen war Elisabeth Abegg (* 3.3.1882 in Straßburg), die Tochter eines preußischen Offiziers und Juristen. Im nach dem Deutsch-Französischen Krieg annektierten Elsass aufgewachsen, zeigte sie schon früh großes Engagement. So ging sie nach dem Abitur in einer Fabrik arbeiten, um die Bedingungen der dortigen Arbeiterinnen kennen zu lernen, bevor sie schließlich zu studieren begann. 1912 beendete sie ihr Studium, im Zuge dessen sie sogar mit Albert Schweitzer bekannt geworden war, mit einer Promotion und begann einige Jahre später am Luisen-Oberlyceum in Berlin zu arbeiten. Während dieser Zeit engagierte sich die der Sozialdemokratie nahestehende Abegg auch im Allgemeinen Deutschen Frauenverein und in der Sozialen Arbeitergemeinschaft Berlin-Ost.

Als die NSDAP 1933 an die Macht kam, entging sie nur knapp der politischen „Säuberung“ an ihrer Schule. Doch auch danach verweigerte sie sich als überzeugte Quäkerin weiterhin der neuen Ideologie, und wurde daraufhin 1935 strafversetzt. Als sie aber 1941 den Eid auf Hitler verweigerte, wurde sie kurzerhand zwangspensioniert, ohne dass man sie dadurch ruhig gestellt hätte. Nachdem ihre jüdische Freundin Anna Hirschberg verhaftet und ins KZ deportiert wurde, begann sie, Verfolgte zu unterstützen.

Trotz der widrigen Lebensumstände gemeinsam mit der körperbehinderten Schwester Julie und ihrer betagten Mutter in einer Dreizimmerwohnung – die Nachbarn überzeugte Nazis – engagierte sie sich um das ständige Risiko ihres Lebens. Elisabeth Abegg unterrichtete Kinder, die aufgrund der Diskriminierung keinen Unterricht mehr erhielten heimlich in ihrem Arbeitszimmer. Sie nutzte die verlassene Wohnung von verreisten Nachbarn, um Verfolgten zu verstecken, oder brachte diese bei Arbeiterfamilien unter. Um den Menschen zu helfen organisierte sie nicht nur Geld und Nahrungsmittel, sondern stahl auch Dienstsiegel und fälschte Papiere.

Der ständigen Gefahr durch Vorladung der Gestapo und Abhörung des Telefons zum Trotz, gelang es ihr, etwa 80 Verfolgten zu helfen, die dank ihr überlebten. Nach dem Ende des Krieges adoptierte sie sogar einen ihrer Schützlinge. Als die NS-Zeit endlich vorüber war, konnte sie auch in den Schuldienst zurückkehren, engagierte sich nebenbei im Frauenbund, in der SPD und im Demokratiezentrum, bis sie schließlich 1974 mit 92 Jahre im Krankenhaus starb.

Nicht nur der Dank aller derer, die ihr geholfen hatten, auch Auszeichnungen wurden ihr zuteil. Sie erhielt 1957 das Bundesverdienstkreuz für Engagement, zehn Jahre später wird sie von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Sie war eine von denen, die im Stillen überlebten, eine von denen, deren Schicksal nur wenigen bekannt ist, doch sie war trotzdem eine von den Großen. Eine, die etwas bewegt hat.

Das Biest