Frauenquote – Instrument zur Gleichberechtigung?

Nicht einmal 20% der CSU-Mitglieder sind Frauen – so die schwache Bilanz der Partei. Zeit für Parteichef Horst Seehofer, das Ruder nach vielen fruchtlosen Versuchen der Frauenförderung endlich herumzureißen – in Form einer Frauenquote für parteiinterne Wahlen. Nicht, dass das auf übermäßig große Gegenliebe in der Union stoßen würde – die von der Frauenunion bevorzugte Regelung mit einer 40%-Quote bei Wahlen ab der Kreisebene, ist gerade bei Junger Union und verschiedenen Bezirkschefs sehr unbeliebt. Dennoch wird die deswegen schon zum Frauenquorum abgemilderte Reform mit großer Wahrscheinlichkeit kommen, zu wichtig ist sie Seehofer, als das er sie scheitern lassen würde.

Und an der Zeit ist es wirklich. Die Grünen führten die strikte Frauenquote von 50% bereits 1979 bzw. als verpflichtend 1986 ein, gefolgt von der SPD 1988, die diese Quote allerdings aus Gründen der Gleichberechtigung auch auf Männer ausdehnte – 40% für jeden. Selbst die große Schwesterpartei CDU entschied sich 1994 immerhin für das mildere Frauenquorum. Bleibt nur die FDP, die darauf beharrt, dass Namen wichtiger sein als Zahlen.

Doch warum braucht man eigentlich die Frauenquote?

Für die Parteien ist es ganz klar, zum ersten sollten gerade die großen unter ihnen ein Vorbild für Gleichberechtigung sein, zum anderen hofft man natürlich, so mehr weibliche Mitglieder und vielleicht auch Wähler anzuziehen. Gerade die konservativen Parteien wie CDU und CSU haben nicht einmal 25% weibliche Mitglieder.

Doch auch für den Rest der Gesellschaft spielt die Frauenquote eine wichtige Rolle. Ausgangspunkt war das 1980 unterzeichnete Übereinkommen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau der UN, durch das in den 80er Jahren die Frauenquote ihren Anfang nahm. Durchaus berechtigt, denn noch heute kann man beobachten, dass Frauen entgegen ihrem Anteil an der Bevölkerung deutlich weniger an Macht und Einkommen beteiligt sind, sprich, sie werden noch immer schlechter bezahlt und gelangen deutlich seltener in Führungspositionen.

Man mag nun vielleicht befürchten, dass eine Frauenquote eine Diskriminierung der Männer bedeutet, da diese dann weniger leicht in die Jobs kommen können, diese Sorge ist jedoch relativ unbegründet. Abgesehen davon, dass bei der normalen Frauenquote von 30-40% immer noch ein deutlicher Anteil an offenen Stellen für Männer wie Frauen gleichermaßen bleibt, dient die Quote vielmehr zum Ausgleich einer Benachteiligung. Es ist ein Fakt, dass Frauen trotz gleicher Qualifikation oft schlechtere Chancen haben, in “geschlechtsuntypische” Berufe oder Positionen zu gelangen, nicht zuletzt durch den Faktor, dass eine Frau, die Elternzeit für ein Kind nimmt, teuer ist. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, ist zumindest derzeit die Frauenquote nötig, da sich das Problem nicht “auf natürlichem Wege” löst.

Auch für die Wirtschaft ist die Quote im Übrigen interessanter als man denkt:

Unternehmen mit hohem Frauenanteil im Top-Management erwirtschaften eine im Schnitt zehn Prozent höhere Eigenkapitalrendite, erzielen 48 Prozent mehr Gewinn, auch der Aktienkurs soll um das 1,7-Fache schneller wachsen.

Dies verraten Unternehmensberater, die unter Anderem dafür gesorgt haben, dass die Telekom eine Frauenquote einführt.

Eine Frauenquote bedeutet nicht, dass sie an die Stelle sämtlicher anderer Frauenförderungsprogramme treten muss, theoretisch sind auch andere, transparente, aber weniger strikte Verfahren möglich. Solange dabei wirkliche Erfolge erzielt werden, und nicht nur Illusionen einer Verbesserung, sind auch andere Vorschläge gern gesehen. Solange es solche Ideen aber nicht in großem Umfang gibt, ist und bleibt die Frauenquote der beste Weg zur Gleichberechtigung der Geschlechter.

Das Biest

  • froanc

    Wenn schon prozentual gesehen z.B. in der Union sich weniger Frauen zur Wahl aufstellen lassen (du sagst ja selber, dass nur rund ein Viertel der Mitglieder weiblich sind), warum soll man dann eine starre Quote einführen, die den Frauenanteil künstlich in die Höhe treibt?
    Dies wäre schlicht antidemokratisch, da Männer benachteiligt würden (Diskriminierung!!!).
    Selbst einige Verbände der Frauenunion haben schon gegen diese unsinnige Regelung demonstriert(!).

    Desweiter werden Frauen grundsätzlich nicht schlechter bezahlt als Männer. Diejenigen, die dies behaupten, verdrehen die Statistik nur so, dass es ihnen gefällt. Tatsächlich ist der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen nur niedriger, weil viele von ihnen in Teilzeit arbeiten.

  • http://astore.amazon.de/maenner-21?_encoding=UTF8&node=6 Peter Redvoort

    Ich stimme “dem Biest” zu, dass es kein besseres Instrument gibt als die Frauenquote. Es geht nicht nur um Geschlechterdemokratie, es geht um sozialen Ausgleicht, der – wie der Autor Richard Wilkinson in seinem Buch “Gleichheit ist Glück” bewiesen hat – ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden einer Gesellschaft ist.
    Und: Gleichberechtigung führt auch zu Wohlstand: die reichsten Länder der Erde (Skandinavien) sind gleichzeitig jene mit der besten Gleichstellungspolitik (incl. Quote), weil sie einfach den Begriff “Fairness”, der auch im Wirtschaftsleben wichtig ist, konsequent umsetzen.

    P.R.

  • Das Biest

    Wie man auch in dem Bild erkennen kann, sind nur 2,5% aller Vorstände großer deutscher Unternehmen weiblich. Für mich ist diese Zahl schockierend, und da sie sich auf natürlichem Wege offenbar nicht regulieren lässt, ist eine Frauenquote für die Gerechtigkeit nun einmal vonnnöten. Und es kann mir niemand erzählen, dass es keine geeigneten Kandidatinnen auch gäbe. Viele Frauen werden schon durch den Fakt benachteiligt, dass sie ja theoretisch schwanger werden könnten, und Elternteilzeit ist für die Firmen teuer…
    Frauen werden zwar nicht grundsätzlich schlechter bezahlt, aber es ist dennoch erwiesen, dass Frauen für gleiche Arbeit zumindest teilweise schlechter bezahlt werden, und solche Ungerechtigkeiten muss man ja wohl nicht hinnehmen.
    Außerdem, vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, warum die CSU so wenig weibliche Mitglieder hat…

  • froanc

    Wenn es für die offene Stelle als Mitglied des Vorstands zwei Bewerber gibt, einen Mann und eine Frau, wobei der Mann (angenommenerweise) geeigneter und besser qualifiziert wäre, ist es dann nicht unfair, der Frau den Posten zu überlassen, nur damit das Unternehmen an die angepeilte Quote kommt (Stichwort Quotenfrau)?

    Aber falls die Frauenquote kommen sollte, müsste, als logische Konsequenz, um eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu erhalten, auch eine Männerquote für typische “Frauenberufe”, wie zum Beispiel für Arzthelfer(innen), Geburtshelfer(innen), oder sogar Models, eingeführt werden.

  • Das Biest

    Natürlich ist das “Quotenfrauproblem” ernst zu nehmen, und wohl auch das einzige wirkliche Argument gegen eine Frauenquote. Aber wie ich bereits gesagt habe, 1. sind ähnliche Vorschläge, die Erfolg aufweisen und das Problem vielleicht umgehen können gerne willkommen und 2. solange es keine anderen erfolgreichen Methoden gibt, um Frauen ernsthaft zu fördern, muss man damit schlicht und einfach leben, denn eine andere Entscheidung würde einfach eine Fortsetzung der ungerechten Behandlung bedeuten, und das kann man nicht einfach hinnehmen. Abgesehen davon gibt es meistens sowohl gut qualifizierte Bewerber wie Bewerberinnen, sodass solche Fälle wahrscheinlich nicht allzu oft auftreten werden.
    Eine Quote für Models halte ich für etwas übertrieben, bei anderen Dingen könnte man natürlich darüber nachdenken, ob Männerquoten nötig sind. Wobei man dabei bedenken muss, 1. gibt es überhaupt entsprechende viele Männer, die diese “Frauenberufe” machen wollen, und 2. ist meiner Meinung nach da keine große Ungleichheit in der Behandlung erkennbar. Abgesehen davon, dass Frauen vielleicht ihre Babys lieber von Frauen auf die Welt holen lassen wollen, und da wäre eine Quote wohl aus intimsphärischen Gründen eher unangebracht.