50 Jahre bemannte Raumfahrt – Als die Menschheit nach den Sternen griff

Ein Ausblick den uns die Raumfahrt ermöglichte - die Erde in ihrer ganzen Pracht

12. April 1961, 9.07 Uhr: mit der Wostock 1 verlässt zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit eine bemannte Raumfähre die Erde und dringt in den Weltraum ein. An Bord befindet sich Juri Gagarin, sowjetischer Staatsbürger und nun erster Mensch im Weltraum. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Wettrennens zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR um den ersten Schritt in den Orbit, und der Startpunkt für ein ein noch viel größeres technologisches Wettrüsten und die Eroberung des Weltraums.

Es war der Kalte Krieg der die beiden Mächte zu neuen technologischen Höchstleistungen brachte und einen der größten Träume der Menschheit wahr werden ließ. Die Welt hatte sich nach dem 2. Weltkrieg massiv geändert, von nun an gab es nur noch zwei Extreme in der Weltpolitik: die kapitalistische USA und die kommunistische UdSSR. Diese beiden Mächte standen sich zähneknirschend gegenüber und wollten dem jeweils anderen stets beweisen, dass genau sie den richtigen Weg eingeschlagen haben. Eine direkte Konfrontation sollte aber vermieden werden, zu nah war die schmerzvolle Erinnerung an den zweiten Weltkrieg und die Millionen Toten. Man wich auf andere Bereiche aus um den ewigen Wettkampf auszutragen: Sport, Film und die Wissenschaft. Da zusätzlich die letzten freien Flächen auf der Weltkarte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in Besitz genommen wurden, begann so das Wettrennen um den Weltraum, den einzigen Ort der bisher von der Menschheit verschont blieb.

Dieses Wettrennen wurde zu Beginn deutlich von der UdSSR angeführt. Mit dem Satelliten Sputnik gelingt es den Sowjets 1957 den ersten künstlichen Flugkörper ins All zu schicken, womit man die Welt in einen Schockzustand, den sogenannten Sputnikschock versetzte. Niemand hatte 1957 damit gerechnet, dass die Russen bereits einen solchen technologischen Vorsprung hatten. Noch im gleichen Jahr schickte die UdSSR das erste Lebewesen in den Weltraum. Die Hündin Leika überlebte die Reise an Bord der Sputnik 2 jedoch nicht lang, bereits wenige Minuten nach dem Eintritt in den Weltraum starb die Hündin an Überhitzung und massivem Stress. Ihre Rückkehr auf die Erde war allerdings auch nie geplant.

Juri Gagarin wird der erste Mensch im Weltraum – die USA sind geschockt

Juri Gagarin

Erst jetzt zog die USA nach. 1958 startet der Satellit Explorer 1, der im Gegensatz zu seinem Vorbild Sputnik in der Lage ist, erste rudimentäre Experimente im Orbit durchzuführen. Doch auf diesen ersten kleinen Erfolg folgte der größte Rückschlag den die Amerikaner in ihrer technologischen Geschichte je erleiden mussten: im April 1961 startet Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum und umrundet in einer Stunde und 45 Minuten einmal die Erde. Juri Gagarin schrieb damit Geschichte und wurde damit auch einer der größten Volkshelden der Sowjetunion. Ihm zu Ehren wurde am Roten Platz eine gigantische Parade abgehalten, zusätzlich erhielt er den Orden “Held der Sowjetunion”, die größte Auszeichnung die die UdSSR zu bieten hatte. Allerdings kann er sich nicht lange seines Ruhmes erfreuen, 1968 kommt es bei einem Routineflug mit einem Militärflugzeug zu Turbulenzen, Gagarin überlebt den Absturz nicht. Somit konnte er auch nicht erleben, wie die USA sich von diesem Rückschlag erholten und selber Geschichte schrieben.

1961 geschah in den USA ein Ereignis welches nicht nur massive Folgen für die gesamte Politik der USA hatte, sondern auch für ihre Raumfahrt: John F. Kennedy wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten. Kennedy reagiert einen Monat nach Gagarins Erdumrundung in einer Rede an den Kongress auf den Wettkampf um den Weltraum:

„Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken, oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“

Kennedy forcierte die gesamte Raumforschung nun also auf ein einziges Ziel: die Landung auf dem Mond. In den folgenden Jahren gelang es den Amerikanern den großen Vorsprung der Russen massiv zu verringern. 1962 gelang es nun auch den Amerikanern einen Menschen ins Weltall zu schicken: John Glenn umkreiste innerhalb von 5 Stunden mehrfach die Erde. John F. Kennedy selber konnte die weitere Entwicklung des Wettstreits nicht mehr erleben, 1963 wurde der äußerst beliebte Präsident in Dallas von Lee Harvey Oswald erschossen. So war es ihm auch nicht möglich dabei zu sein, als sein 1961 verkündetes Ziel, den ersten Menschen auf den Mond zu schicken, Wirklichkeit wurde.

Die Landung auf dem Mond – die USA gewinnen das Wettrennen

Neil Armstrong betritt den Mond

1969 betritt Neil Armstrong mit einem “kleinen Schritt für ihn, aber mit einem großen Schritt für die Menschheit” vor Millionen Fernsehzuschauern als erster Mensch den Mond. Damit gewannen die USA den Wettlauf zum Mond, der nach dem ersten Menschen im Weltraum das nächste logische Ziel war. Die UdSSR war geschockt, ihr eigenes Programm zur Landung auf dem Mond sagte sie ab, während die Amerikaner noch viele weitere Male auf dem Mond landeten, bis auch sie das Mondlandeprogramm schließlich im Jahr 1972 aus Kostengründen einstellten. Seitdem besuchte nie wieder ein Mensch den Erdtrabanten. Die Sowjetunion richtete ihre Aufmerksamkeit in Richtung des Baus von Raumstationen wie der “Mir”, bis zum Untergang des Staates 1991 gelang es aber nicht mehr sich gegen die USA durchzusetzen. Der Nachfolgestaat Russland ging später schließlich eine engere Kooperation mit den USA und der Welt ein, zusammen schuf man die Internationale Raumstation ISS, die bis heute als größter orbitaler Flugkörper gilt und ein Weltraumlabor für viele Nationen dieser Erde darstellt.

Die USA haben sich auf die Erforschung des Weltraums mit Hilfe verschiedener Satelliten spezialisiert, dabei aber ein Ziel niemals aus den Augen verloren: die Landung auf dem Planeten Mars. Während die Pläne in den 80er und 90er Jahren relativ zielstrebig bearbeitet wurden, fuhr man die Marslandeprogramme im 21.Jahrhundert schließlich aus finanziellen Gründen zurück. Unter dem aktuellen Präsidenten Barack Obama wurde des Raumfahrtprogramm im Angesicht der weltweiten Finanzkrise komplett auf Eis gelegt.

Zwar ist die Raumfahrt an ihrem 50. Geburtstag also vorerst zum Erliegen gekommen, dennoch befinden sich gerade jetzt mehrere Astronauten an Bord der ISS und bestaunen unseren Planeten in seiner ganzen Pracht. Genau diese Pracht ist auch der Grund warum die Raumfahrtprogramme in einigen Jahren auch sicher wieder hochgefahren werden. Schon jetzt streben die neuen Großmächte wie Indien und China ebenfalls in den Weltraum. Letztere schickte bereits 2005 seinen ersten Taikonauten ins All. Juri Gagarin war also der erste einer Generation von Menschen die den Weltraum erobert haben und damit noch lange nicht fertig sind. Es gibt noch viele Ziele da draußen, wie den Mars oder vielleicht eine Basis auf dem Mond. Man kann also sagen dass die Raumfahrt an ihrem 50. Geburtstag noch nicht alt ist. Sie wird gerade erst erwachsen.

Der Yeti