Die ewigen Schulden

92 Jahre ist der erste Weltkrieg nun her, doch zu endgültig zu Ende ist er erst an diesem Sonntag, wenn eine skurrile, sich über vier deutsche Staaten hinwegziehende Geschichte zu ihrem Ende kommt. Es geht natürlich wie so oft um Geld…

92 Jahre ist der 1. Weltkrieg mittlerweile her, doch wirklich zu Ende ist er erst an diesem Sonntag, dem 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. Erst diesen Sonntag wird nämlich die letzte Rate der deutschen Kriegsschulden gezahlt, jener Schulden die als zu leistende Reparationszahlungen 1919 im Versailler Vertrag festgelegt wurden. Eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen.

1919 hatte Deutschland gerade den Ersten Weltkrieg verloren, 4 Jahre voller Entbehrungen, mit 8,5 Millionen Toten und viel Elend, lagen hinter Europa. Aber eben auch vier Jahre, die unglaubliche Kosten für Rüstungen verschlangen. Kriege sind teuer, und was liegt da näher, als einfach den Verlierer bezahlen zu lassen?

Schon im Versailler Vertrag wurde durch die Kriegsschuldfrage festgelegt, dass Deutschland Reparationen zu zahlen habe. Erste Forderungen, v.a. der Franzosen, gingen über mehr als 200 Milliarden Reichsmark, eine unvorstellbar hohe Summe, die heute wertmäßig bei über einer Billionen Euro liegen dürfte. 1921 forderten die Alliierten in Paris schließlich 132 Mrd Reichsmark, umgerechnet etwa 47.000 Tonnern Gold!, was in Deutschland zu einer Regierungskrise führte. Zwar sah sich die nächste Regierung genötigt, dem Plan zuzustimmen, dennoch wurde die Frage nicht eindeutig geklärt und führte schließlich zur Besetzung des industriestarken Ruhrgebietes. Auch ein (waffenloser) Kampf der dortigen Bevölkerung konnte der Weimarer Republik jedoch nicht helfen, die Blockade Frankreichs gegen jede andere Lösung führte dazu, dass im September 1923 die Reparationszahlungen wieder aufgenommen wurden.

Erst die hohe Inflation Deutschlands brachte die Siegermächte letztendlich dazu, neue Pläne zu entwickeln, zunächst 1924 den Dawes-Plan, der die jährlich zu leistende Summe verringerte und wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund schob, ohne ein Ende der Zahlungen festzulegen. Nach der Weltwirtschaftskrise folgte der Young-Plan, der gegen die Räumung des Rheinlandes durch Frankreich erneut verbesserte Forderungen vorlegte, so wurde nun die noch zu zahlende Summe begrenzt. 1988 sollte die letzte Rate eigentlich gezahlt werden, doch dazu kam es nie. Der Versuch einer Zollunion mit Österreich hatte weitreichende Folgen, nachdem ausländische Investoren, die unter anderem Anleihen für die Reparationszahlungen finanziert hatten, sich zurückzogen, war Deutschland zahlungsunfähig. Gegen Zahlung von 3 Mrd Reichsmark wurden die Reparationszahlungen schließlich erlassen.

Man könnte sich jetzt fragen, wenn die Zahlungen schon damals eingestellt wurden, wieso zahlt die BRD dann heute noch am 1. Weltkrieg? Die Antwort ist eine einfache, ein Teil der Reparationen war wie bereits erwähnt von ausländischen Investoren vorfinanziert und damit privatisiert worden. 1953 legte man im Londoner Schuldenabkommen schließlich die Restzahlungen fest. 14 Mrd Mark wurden zurückgezahlt, die Zinsen dafür jedoch ausgesetzt – bis zur damals fast unmöglich erscheinenden Wiedervereinigung.

Und so kommt es, dass 92 Jahre nach dem Weltkrieg, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung  eine skurrile Geschichte zum endgültigen Ende kommt.

Was man daraus lernen kann?

Eine ganze Menge. Vielleicht, dass Kriege zu führen sehr teuer ist. Unter Umständen auch noch 90 Jahre später. Oder dass Geld die Menschen offenbar länger beschäftigen kann, als so manch anderes. Oder dass eben das Leben immer noch die komischsten Geschichten schreibt.

Das Biest

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