Mit Dampf in die Zukunft

Vor 175 Jahren wurde in Deutschland mit der Bayrischen Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands eröffnet. Der Beginn einer langen, wechselvollen Geschichte.

Vor 175 Jahren wurde in Deutschland mit der Bayrischen Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands eröffnet. Der Beginn einer langen, wechselvollen Geschichte.

Es war ein schöner Tag im Dezember 1835, als die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland begann. An jenem 7. Dezember eröffnete die erste Dampflokomotive Deutschlands, der in England gebaute Adler, die Strecke der Bayerischen Ludwigsbahn von Nürnberg nach Fürth. Der Beginn einer wechselvollen Geschichte.

Die Geschichte der Eisenbahn begann in England, schon 1804 wurde dort die erste funktionierende Dampflokomotive der Welt gebaut, doch spätestens mit dem von George und Robert Stephenson erbauten Adler, breitete sie sich auch nach Deutschland aus. Die erste erfolgreiche deutsche Eisenbahn war die Saxonia, 1838 von Johann Andreas Schubert in Dresden gebaut. Schnell erlangten die Dampfloks große Popularität in der Bevölkerung. Mochten sich auch einige vor dem Rauch fürchten, in jenen Anfangsjahren wurden sogar Schnellfahrten abgehalten, eigens zur Unterhaltung der abenteuerlustigen Passagiere!

Apropos Passagiere, die ersten Personenwagen sahen nicht gerade so aus, wie man sie heute kennt, vielmehr wirkten sie wie Postkutschen auf Schienen  – was sie letztendlich auch waren. Der Grund dafür ist leicht zu erraten, wenn man noch nie zuvor einen Eisenbahnwagen gesehen, geschweige denn gebaut hat, warum dann nicht etwas als Vorbild nehmen, das man kennt? Und so landete man bei der Postkutsche. Diese Modelle wurden allerdings schnell ersetzt, schon in den 1860er Jahren gab es richtige Wägen, die durchaus schon an die von heute erinnern, wenn auch nicht ganz so schick. Die Wägen der siebten Klasse waren wohl etwas schlichter als heute – man stand auf dem rohen Holzboden. Gar kein Vergleich zum Prachtzug des Königs Ludwigs II, heute besser bekannt als der bayrische Märchenkönig und Erbauer zahlreicher Schlösser.

Ein Personenwagen der 1. Generation - eine Postkutsche auf Schienen

Der Prachtzug König Ludwig des II - mit Atlasseide, Vergoldungen und Deckengemälden

Schnell begann die Eisenbahn Deutschland zu prägen – im Guten wie im Schlechten. 1848 beispielsweise nutzte während der Revolution ein Großteil der Mitglieder der Nationalversammlung die Eisenbahn, um nach Frankfurt am Main zu gelangen, wo die Versammlung in der Paulskirche stattfand. Umgekehrt allerdings nutzte auch der Staat das neue Fortbewegungsmittel, um seine Truppen zu transportieren. Dies sollte auch in Zukunft noch sehr häufig geschehen, unter anderem auch im 1. und 2. Weltkrieg, wo die Rolle der Eisenbahn in den Deportationen ihren düsteren Höhepunkt fand. Heute sind Italien und Russland die einzigen Länder, die noch über Bahntruppen verfügen.

Aber nicht nur im Krieg, auch im Frieden wurde die Eisenbahn das Fortbewegungsmittel der Bevölkerung – nicht zu Freude aller. So sagte beispielsweise der damalige König Ernst August von Hannover:

“Ich will keine Eisenbahn im Lande! Ich will nicht, dass jeder Schuster und Schneider so schnell reisen kann wie ich.”

Reisen wurde durch die Bahn enorm beschleunigt, die Strecke von Nürnberg nach Fürth, die zu Fuß etwa 1 1/2 Stunden Zeit brauchte, konnte nun in 10 Minuten bewältigt werden. Die schnellste Dampflok der Welt erreichte 1938 die phänomenale Geschwindigkeit von 202,8 kmh!

Zahllose Bahnunternehmen wurden nun gegründet, alle spätestens in der Weimarer Republik verstaatlicht, und sie alle wollten ihr Stück vom Kuchen. So gab es schon 1880, 50 Jahre nach Beginn der Eisenbahn, 33.800 Kilometer Schienen in Deutschland, die langsam miteinander verknüpft wurden. Zu Beginn bestanden die Brücken sogar noch aus Holz (!), ein Umstand, der aber durch die hohe Gefahr eines Brandes durch Funkenflug bald verändert wurde.

Die Bahn prägte das Leben in Deutschland wie in Europa in jeder Hinsicht. Ob als Arbeitgeber für viele tausend Menschen, als Transportmittel und damit Beschleuniger der Industrialisierung, Militärtransport oder zivile Reisemöglichkeit – die Eisenbahn ist nicht mehr wegzudenken aus unserer Geschichte. Und so kann man den Gründern der Bayrischen Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth nur zustimmen, wenn sie sagen:

“Die Erfindung der Eisenbahnen mit Dampfkraft ist für den materiellen Verkehr der Staaten und die Verbindung der Völker von einer ebenso unberechenbaren Wichtigkeit, als die Erfindung der Buchdruckerkunst für ihren geistigen Verkehr.”

Das Biest

Der Adler - die erste in Deutschland fahrende Dampflok