Widerstand bis zum Tod

92 Jahre wäre er heute alt geworden, hätte er nicht schon vor vielen Jahren sein Leben gelassen im friedlichen Widerstand gegen das NS-Regime in Deutschland. Hans Scholl, noch heute ein Vorbild für Menschen mit Courage und Verantwortungsbewusstsein.

Es ist ein Name, den fast jeder Deutsche kennt, einer, der uns wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hans Scholl, Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime in Deutschland, wäre heute 92 Jahre alt geworden. Wäre, wenn er nicht schon 1943 sein Leben gelassen hätte, als er sich gemeinsam mit seiner Schwester Sophie Scholl in der Widerstandsgruppe “Weiße Rose” gegen die Diktatur der NSDAP, gegen den Krieg und die Ermordung von Millionen unschuldiger Menschen gewandt hätte.

Hans Scholl, geboren am 22. September 1918 im heutigen Crailsheim, wurde ebenso wie seine Geschwister von den Eltern, der ehemaligen Diakonisse Magdalena und dem Liberalen Robert Scholl, sehr liberal, wie auch christlich erzogen. Religion, aber auch sozialhumanistische Ziele wie Freiheit und Gerechtigkeit prägten die Erziehung der Kinder, ein Umstand, der später wohl viel zu der Entscheidung Hans beitrug, sich gegen das NS-Regime zu wehren.

Zunächst einmal sah es jedoch gar nicht danach aus. Wie auch seine Geschwister war Hans – entgegen dem Willen des Vaters – überzeugter Anhänger der Hitlerjugend, in der er sich auch jahrelang engagierte.  Das Ulmer Jungvolk, zu dem er in dieser Zeit gehörte, wurde allerdings von einem ehemaligen Mitglied der bündischen Jugend – eine Art Vorläufer bzw. Parallelgruppe der Pfadfinder – geleitet und war so deutlich weniger nationalsozialistisch geprägt als die anderen Gruppen. Dies führte auch dazu, dass die Mitglieder der Gruppe später sogar für kurze Zeit inhaftiert, dann jedoch wieder unter Amnestie entlassen wurden, wohl der erste Schritt in Richtung des Widerstandes.

Mit dem Erwachsenwerden beschäftigte sich Hans Scholl aber auch wieder mehr mit Literatur, wo er zu seinem Entsetzen feststellen musste, dass viele seiner Lieblingsautoren nun verboten waren, sowie Philosophie und Religion. Gerade Letzteres spielte wohl eine entscheidende Rolle – die Rückfindung zum christlichen Glauben öffnete ihm die Augen für das Unrecht des Regimes. Wohl auch die Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August, Graf von Galen, der sich offen gegen die Tötung von Geisteskranken aussprach.

Der letzte, wohl entscheidende Punkt war die Einberufung in den Krieg als Sanitäter, die ihm endgültig die Augen für das Unrecht und Leid öffnete. So beteiligte er sich an der Gründung der Widerstandsgruppe “Weiße Rose” an der Münchner Universität, wo er zu diesem Zeitpunkt Medizin studierte. Gemeinsam mit Alexander Schmorell verfasste er die ersten vier der insgesamt sechs Flugblätter, die im Sommer 1942 tausendfach verteilt wurden. Mit diesen Schriften versuchte die Gruppe, eine breite Masse von Menschen zu erreichen und an deren Gewissen zu appellieren. Nachdem die beiden Ende des Jahres an die Ostfront abkommandiert worden waren, verschärfte sich der Ton der Flugblätter. Unterstützt von Willi Graf und Hans Schwester Sophie Scholl, versuchte man nun, der Bevölkerung klarzumachen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

Beim Verteilen des sechsten Flugblattes wurden Hans und Sophie Scholl in der Münchner Universität vom Hausmeister entdeckt und an die Gestapo ausgeliefert. Es war der Untergang der Weißen Rose, deren Mitglieder nun größtenteils zum Tode verurteilt wurden. Das sechste Flugblatt jedoch wurde Ende 1943, nachdem es über Skandinavien nach England gelangt war, mit Flugzeugen tausendfach von den Alliierten über Deutschland abgeworfen.

Hans Scholl hat sich durch seinen engagierten und selbstlosen Widerstand gegen das unmenschliche Regime der NSDAP unsterblich gemacht. Zahllose Plätze und Einrichtungen wurden nach ihm und seiner Schwester benannt, ebenso wie auch ein Preis für Literatur in ihrem Namen verliehen wird. Ausgezeichnet werden soll dabei Literatur,

„die von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.“

Also Literatur, die dazu anreizen soll, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen, und hin- statt wegzuschauen – so wie Hans Scholl, der dafür mit dem Leben bezahlte. Noch heute kann man in ihm ein großes Vorbild sehen, jemand, der aus seinen Fehlern lernt, jemand, der bereit ist Verantwortung zu übernehmen und zu handeln, und jemand der den Mut bewiesen hat, sich gewaltlos für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden einzusetzen.

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