Guttenberg und die gefälschte Doktorarbeit: Wenn aus der Mücke ein Elefant wird

Deutschland diskutiert – über die Plagiate des Verteidigungsministers zu Guttenberg. Dass tatscählich kopiert wurde, steht fest, doch was bedeutet das für den beliebtesten Politiker Deutschlands?

Nichts zu lachen - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Nachdem die Affäre um Guttenbergs Plagiate immer weitere Kreise zieht, will nun auch ich zu dem Thema Stellung nehmen – und mehr oder minder eine Gegendarstellung zum Artikel des Yeti liefern.Das Biest

Seit Tagen kennt die deutsche Gesellschaft kaum ein anderes Thema mehr: Der tiefe Sturz der “Lichtgestalt”, in Person der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, seit Monaten mit Abstand der beliebteste Politiker Deutschlands. Guttenberg hat seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit offensichtlich gefälscht, Teile davon wurden wortwörtlich aus anderen Quellen abgeschrieben, ohne diese korrekt zu zitieren, wie es verlangt wird. Laut – mit Vorsicht zu genießenden – Angaben von Plagiatjägern sind bis zu 73% der 475 Seiten langen Arbeit ohne entsprechende Fußnote kopiert worden.

Sah das Ganze zunächst nur nach einer Lappalie im politischen Geschehen aus, nicht viel mehr als einem der berühmten “Sommerloch-Themen”, so hat sich die Geschichte nun zu einer großen Affäre mit entsprechenden Konsequenzen ausgeweitet. Aus der scheinbaren Mücke ist ein Elefant geworden. Im Zuge dessen gingen aber nicht nur in gewohnter Manier Regierung und Opposition aufeinander los, auch die Bevölkerung spaltete sich, in Facebook wachsen Gruppen wie “Gegen die Jagd von Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg” oder “Dr. strg c Guttenberg” nahezu exponentiell an. Übertreibt dabei die eine Seite, tut es jedoch auch die andere: Das Ganze zu einer Lappalie herunterzuspielen, zu einer Schwäche, die ihn menschlich macht, wird der Tragweite des Geschehens nicht gerecht: Guttenbergs Plagiat ist schlicht und einfach Betrug.

Zunächst einmal muss man allerdings eines feststellen: Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen von der Opposition ausgehenden Angriff der Böswilligkeit. Mal ehrlich: Wer würde auf die Idee kommen, einen 475 Seiten und 1200 Fußnoten lange Doktorarbeit auf Fehler hin untersuchen, nur auf die bloße Eingebung hin, es könnte ja theoretisch möglich sein, dass sich hier ganz vielleicht ein Fehler finden ließe? Tatsächlich wurde die Arbeit von einem Juraprofessor gelesen, um sie für eine Rezension in einer Zeitschrift zu verwenden.

Viel interessanter ist jedoch die Reaktion zu Guttenbergs, die meiner Meinung nach bereits den Wahrheitsgehalt der Vermutungen bestätigt. Nachdem er zuerst von “abstrusen Vorwürfen” gesprochen hatte, vermutete er schließlich, “den Überblick verloren” zu haben und gab letztendlich zu, dass er “gravierende Fehler gemacht” habe. Dass dies aus Absicht geschah, bestreitet er jedoch weiterhin – nicht sehr überzeugend. Mehr als 100 Passagen wurden bereits als Plagiate identifiziert, wer so oft unabsichtlich Fehler macht, hat eine Auszeichnung summa cum laude nicht verdient. Noch ist nicht klar, worin genau Guttenbergs Fehler liegen. Hat er nur zahlreiche Passagen abgeschrieben, hat er auch den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages illegal dafür eingespannt – oder die Doktorarbeit sogar ganz von jemand anderem schreiben lassen?

Immerhin hat er nun – zu spät für eine Ehrenrettung – seinen Doktortitel abgegeben, sofern die Uni Bayreuth diesen aberkennt, und damit das Mindestmaß an Konsequenz gezogen. Loben sollte man ihn dafür aber keinesfalls, es war nicht mehr als das, was ihm vermutlich ohnehin geblüht hätte. Womit man auch zu dem heiklen Thema weiterer Konsequenzen kommt: Den Rücktrittsforderungen der Opposition.

Zunächst einmal ist dies tatsächlich Guttenbergs eigene Entscheidung. Er hat bisher gute Arbeit als Verteidigungsminister geleistet, mag man ihn und seine Partei auch mögen oder nicht. Dennoch kann man nicht auf der Trennung von seinem Privatleben, der Doktorarbeit, und seinem Mandat beharren. Als Bundesminister und Person des Öffentlichen Lebens muss er mit einer gewissen Vermischung der beiden Bereiche rechnen – und er muss sich vor allem eines fragen: Kann der nach diesem massiven Verlust an Glaubwürdigkeit und Vertrauen noch guten Gewissens weiter regieren?

Es ist seine Entscheidung, seine Königsfrage, und nur er allein kann sie beantworten. Dennoch sollte man sehen, dass ein Rücktritt zumindest eine letzte, ehrliche und wohl auch ehrenrettende Konsequenz sein könnte. Gerade er, der so oft von Vertrauen sprach, hat seine Vertrauenswürdigkeit verloren, nicht nur durch die Plagiate, sondern auch durch seine Reaktion darauf. Nun liegt es an ihm zu zeigen, wie viel ihm seine Ehre bedeutet.

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