Guttenberg und seine kopierte Doktorarbeit: Mücke oder Elefant?

Es ist wieder soweit: der nächste “Skandal” der Lichtfigur der Regierung ist gefunden. Guttenberg soll mehrere Passagen seiner Doktorarbeit fast wortgetreu aus mehreren Quellen kopiert und dies nicht vermerkt haben. Ein gefundenes Fressen für die Opposition…

Ich bin ja bekanntlich kein großer Freund unserer aktuellen Regierung, und vor allem nicht von der großen konservativen CDU und ihres kleinen bayrischen Freundes, der CSU. Was sich aber im Moment abspielt ist fern jeglichen politischen Verhaltens. Zum wiederholten Male sammelt die gesamte Opposition ihre Kräfte um die große Lichtgestalt der Regierung zu Fall zu bringen: Karl Theodor zu Guttenberg. Natürlich ist es normal politische(!)Verfehlungen eines Politikers in der Öffentlichkeit anzuprangern, die Art wie diese Praxis aber in den letzten Monaten immer und immer wieder gezielt mit dem Verteidigungsminister betrieben wird, lässt jedoch zumindest mich an der aktuellen Politik zweifeln.

Um es vorweg zu nehmen: Ja, Guttenberg hat während des Verfassens seiner Doktorarbeit abgeschrieben. Daran besteht kein Zweifel wenn man z.B. die Einleitung seiner Dissertation “Verfassung und Verfassungsvertrag: konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU” mit der Einleitung eines im Jahr 1997 veröffentlichten Artikels der FAZ vergleicht. Hier die ersten Zeilen der Einleitung Guttenbergs:

„E pluribus unum“, „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto, unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden. Ein Motto, das programmatisch zu verstehen ist.

Das Land, das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat, eröffnet erst auf dieser einheitlichen, gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit.

Und hier die Einleitung des FAZ-Artikels:

“E pluribus unum”, “Aus vielem eines” – so lautete das Motto, unter dem vor rund 200 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden, und dieses Motto ist programmatisch zu verstehen.

Das Land, das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat, eröffnet erst auf dieser einheitlichen, gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit.

Man merkt sofort, dass sich beide Texte gleichen. Und dies ist nicht nur in der Einleitung der Fall. Auf einer speziellen Internetseite kann man bereits jetzt weitere kopierte Passagen einsehen (->GuttenPlagWiki). Ja so schnelllebig ist das Internet inzwischen. Zwar wäre es Guttenberg erlaubt gewesen andere Werke zu zitieren, dies hätte er aber erstens mit ” ” kennzeichnen müssen und zweitens in seinen Quellenangaben vermerken müssen, was offensichtlich nicht geschah.

Stein des Anstoßes: Guttenberg und seine Dissertation

Somit reiht sich die von der “Bild” bezeichnete “Fußnoten-Affäre” in die Versuche der Opposition ein, Guttenbergs Beliebtheit unter den Wählern endlich zu schmälern. Wir erinnern uns: angefangen mit der Kundus-Affäre, über die Afghanistan-Reise zusammen mit seiner Frau sowie Johannes B. Kerner, bis hin zum großen Bundeswehrskandal rund um die Gorch Fock überlebte seine Reputation jeden dieser Versuche. Natürlich leistete sich Guttenberg hier Fehler, aber die Art wie dies vor allem von der Opposition ausgeschlachtet wurde, war nicht gerade die feine englische Art. In letzter Zeit kommt es einem fast so vor als sei eine Vielzahl von Personen lediglich damit beauftragt, neue Ungereimtheiten in Guttenbergs Arbeit zu finden. Kaum übersteht dieser einen Skandal, tut sich wie von Zauberhand der nächste auf.

Das wird nun vor allem beim Thema “Fußnoten-Affäre” deutlich. Bereits kurz nach Veröffentlichung der Vorwürfe werden Rufe aus der Opposition nach einem Rücktritt Guttenbergs vom Amt des Verteidigungsministers laut. Was dieser Posten jedoch mit mehreren gefälschten Passagen einer Doktorarbeit zu tun hat, wird dabei nicht ersichtlich. Sicherlich könnte man Guttenberg die Doktorenwürde im Ernstfall aberkennen, dass diese aber Voraussetzung für das Amt des Verteidigungsministers ist wäre mir neu. Hier sollte Privates von Beruflichem getrennt gesehen werden, und nicht zum Sturz einer Person ausgenutzt werden.

Ich persönlich bin mit der Arbeit des Herrn Guttenberg zufrieden und bin überrascht, dass eine konservative Partei, wie es die CSU nun mal ist, einen solch relativ modernen Politiker hervorbringen kann. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht hat Guttenberg ein Mammutprojekt gegen den Widerstand der Parteispitzen von CDU und CSU bewältigt, welches seit langer Zeit überfällig war. Man sollte sich glücklich schätzen, dass nun endlich eine Reihe jüngerer Politiker (zu denen Guttenberg zweifellos gehört) in die vorderen Riegen der Parteien aufrückt und diesen endlich neuen “Schwung” gibt. Denn das ist auch einer der Gründe für Guttenbergs anhaltende Popularität: dieser Mann redet nicht nur, er macht auch etwas. Die Vorteile dieser Art von Politik sehen viele Politiker (aus allen Parteien!) nicht und können sich so auch nicht erklären warum sie kein Guttenberg sind. Sie versuchen nun lieber die Politiker, welche jung und aufstrebend sind, mit allen Mitteln unten zu halten.

So bleibt also nur zu sagen, dass Herr Guttenberg einen moralischen Fehler begangen hat als er Teile seine Doktorarbeit fälschte. Das war nicht richtig und dafür sollte ihm im Höchstfall die Doktorwürde aberkannt werden. Einen Zusammenhang mit seiner politischen Arbeit sehe ich nicht, weshalb jegliche Aufforderung nach einem Rücktritt des Freiherrn ungerechtfertigt wäre.

Dass Herr Guttenberg Mitglied der falschen Partei ist, ist ein anderes Thema ;)

Der Yeti

  • http://edomblog.wordpress.com Christian Edom

    Das ist kein “moralischer Fehler”, sondenr ein Verstoß gegen das Recht. Es geht hier nicht um Moral.

  • Das Biest

    Zwar hast du in dem Punkt Recht, dass die Kritik der Opposition übertrieben ist. Laut meinem Informationsstand wurde die Doktorarbeit Guttenbergs jedoch nicht angesehen, um darin Fehler zu suchen (bei mehreren Hundetr Seiten wäre das auch dämlich), sondern um sie für Fachzwecke zu nutzen, deswegen ist zumindest dieser Vorwurf unberechtigt.
    Man mag die Reaktion der Opposition schlecht finden, aber die vieler anderer ist nicht besser, wenn sie meinen, dieses Fehlverhalten mache zu Guttenberg “menschlicher”. Es geht um Betrug, und das sollte man ernst nehmen und auch kritisieren dürfen.

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