Guttenbergs Rücktritt: Das Ende der Lichtgestalt

Zwei Wochen hat Verteidigungsminister zu Guttenberg durchgehalten, bis er schließlich die Plagiat-Affäre um seine Doktorarbeit mit seinem Rücktritt beendete. Das Ende der Lichtgestalt.

Verteidigungsminister zu Guttenberg verlässt (vorerst) die politische Bühne

Nun ist es also soweit. Zwei Wochen hat Minister zu Guttenberg durchgehalten, bevor ihn die Plagiats-Affäre schließlich doch in den Abgrund riss. An diesem Morgen erklärte er schließlich vor der Presse den Rücktritt von seinen politischen Ämtern. Den Verteidigungsminister zu Guttenberg gibt es nicht mehr. Es ist das Ende einer Lichgestalt.

Zwei konfuse Wochen liegen hinter der BRD. Nachdem ein Juraprofessor überraschend festgestellt hatte, dass Teile von Guttenbergs Doktorarbeit abgeschrieben und nicht korrekt zitiert seien, hat sich ein wahrer Rummel um die Plagiats-Affäre entfacht. Im Internet wurden unzählige kopierte Stellen gesammelt und veröffentlicht, Opposition und Koalition bekriegten sich regelrecht mit Rücktrittsforderungen und anderen Stellungnahmen, und selbst die deutsche Bevölkerung spaltete sich in zwei Lager.

Die einen waren der Meinung, die gefälschte Doktorarbeit habe nichts mit dem Amt des Verteidigungsministers zu tun, das er bis dato hervorragend ausgefüllt habe. Die andere Seite hingegen erklärte zu Guttenbergs Vertrauenswürdigkeit für irreparabel beschädigt, befanden, dass jemand mit eingeschränkter Glaubwürdigkeit nicht ein derart wichtiges Amt ausführen könne.

Wer von beiden Recht hat, kann man bis heute nicht wirklich beurteilen, doch mittlerweile ist es auch egal. Am Vormittag hatte Guttenberg nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen schließlich seinen Rücktritt verkündet und der Affäre damit ein Ende gesetzt.

“Ich habe in einem sehr freundschaftlichen Gespräch die Frau Bundeskanzlerin informiert, dass ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde und um meine Entlassung gebeten. Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens. Und ich gehe nicht alleine wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre. Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.”

So der Anfang seiner Rede, die sowohl Selbstkritik aufwies, zugleich aber auch den übermenschlichen Druck durch die Medien kritisierte, dem er nicht standgehalten habe. Wie es für ihn nun weitergeht, ist schwer zu sagen. Zunächst wird er sich wohl zurückziehen, um Gras über die Sache wachsen zu lassen. Dass er jedoch zurückkehrt ist nicht ausgeschlossen, selbst Politiker mit deutlich schlimmeren Verfehlungen haben dies bereits geschafft, so Franz-Josef Strauß nach der SPIEGEL-Affäre.

Viel wichtiger ist nun allerdings, was aus der Koalition wird, die sich nun im Schockzustand befindet. Nicht nur, dass Guttenberg jenes Regierungsmitglied war, das in der deutschen Bevölkerung für große Popularität sorgte, auch geriet Merkel unter Druck vonseiten der Wissenschaft, die ihr vorwarf, mit zweierlei Maß zu messen. Wissenschaftliche Regeln zu verletzen sei kein Kavaliersdelikt und die Rückendeckung für Guttenberg sei nicht rechtens gewesen, befanden sie. Doch das wird Merkel nun weniger kümmern als die Tatsache, dass sie einen geeigneten Nachfolger für den schwierigen Posten des Verteidigungsministers finden muss. Verkehrsminister Ramsauer, Fraktionschef Volker Kauder oder der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sind im Gespräch. Doch auch ohne voreingenommen zu sein ist es fraglich, inwieweit die Kandidaten den Posten des Zurückgetretenen ausfüllen können.

Es ist keine schöne Situation, nicht für die Regierung um Merkel, die ihren wichtigsten Mann verloren hat, nicht für den gescheiterten Guttenberg, der nach seinem schnellen hohen Aufstieg ebenso schnell und tief stürzte, und auch nicht für Deutschland, das seinen Lieblingsminister nun nicht mehr hat. Dennoch wäre es nicht richtig, zu sagen, es sei die falsche Entscheidung gewesen. Mag der Druck der Medien auch eine Rolle gespielt haben, so ist es letztendlich dennoch eine Tatsache, dass es zu Guttenberg selbst war, der erkannte, dass er seine Glaubwürdigkeit verloren hat, und der daraus seine Konsequenzen zog. Mögen sie einem persönlich auch gefallen oder nicht, es war seine Entscheidung, die das Ende der Lichtgestalt einläutete.

Das Biest

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    Jetzt ist der Guttenberg zurückgetreten, Respekt vor diesem Schritt, allerdings frage ich mich, wie geht es jetzt weiter, einmal für die CDU, dann für die Bundeswehr und für die Glaubwürdigkeit der Politik überhaupt. Diese Affäre hat gezeigt, dass die Politiker transparenter werden müssen, meines Erachtens gehört für dieses Amt die totale Offenheit, also sie sollten mal anfangen und alle Einkünfte veröffentlichen und alle Doktorarbeiten ins Netz stellen.

  • Das Biest

    Dass Politiker transparenter sein sollten, ist keine neue Erkenntnis, auch wenn diese Affäre es von neuem gezeigt hat. Auch wenn ich durchaus für mehr Offenheit bin, muss ich doch sagen, dass hier meiner Meinung nach eher die Glaubwürdigkeit einzelner politiker gelitten hat, schließlich hat es sich hierbei um einen persönlichen Fehler gehandelt. Nichtsdestotrotz müssen wir natürlich daraus lernen.

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