Horst Seehofer – Öl ins Feuer der Integrationsdebatte

Seit Wochen schwelt in Deutschland die Integrationsdebatte – nun gießt der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer zusätzlich Öl ins Feuer. Mit seinen Aussagen zu muslimischen Einwanderern erhitzt er die Gemüter und sorgt für viel Ärger – zu Recht.

“Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.”

Mit diesen Worten heizte der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer die seit Wochen die Gemüter erhitzende Integrationsdebatte erneut an. Fast sofort wehte ihm heftiger Gegenwind aus fast allen Richtungen entgegen. Die türkische Gemeinde forderte eine Entschuldigung, SPD, Grüne und Linke bezichtigen ihn des Populismus, selbst die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) und der eigene stellvertretende Ministerpräsident Martin Zeil (FDP) distanzierten sich deutlich von den Aussagen Seehofers.

Zu Recht. Mag er auch behaupten, er habe nur “über den Fachkräftemangel in Deutschland” sprechen wollen, man muss nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, was er eigentlich meint, im Klartext lautet seine Botschaft: Muslime integrieren sich schwerer und sollten deshalb am Besten gar nicht mehr einreisen dürfen.

Mit dieser Aussage bewegt er sich meiner Meinung nach sehr weit auf Thilo Sarrazins Thesen zu, der in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab”, ebenfalls ganz besonders die Muslime kritisierte. Ihn mit Herrn Sarrazin auf eine Ebene zu stellen, geht vielleicht zu weit, doch die Richtung kann man nicht abstreiten. Seehofer bewegt sich tief im Gebiet des Populismus, mit einer unangenehmen Tendenz zur Islamfeindlichkeit.

Zu behaupten, Einwanderer aus muslimischen Ländern täten sich allgemein deutlich schwerer mit der Integration, ist nicht nur beleidigend, sondern auch schon diskriminierend. Horst Seehofer vergisst dabei nicht nur zahlreiche, dem entgegenstehende positive Beispiele von guter Integration oder Begeisterung z.B. iranischer Flüchtlinge bzw. politischer Verfolgter über unser demokratisches System, er stellt damit auch einen ganzen Kulturkreis unter Generalverdacht, ein Schachzug, der allen Integrationsbemühungen zuwider läuft.

Auch die Aussagen des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt gießen noch zusätzliches Öl ins Feuer. Indem er den Muslimen nicht nur unterstellt, die “deutsche Leitkultur” generell abzulehnen, sondern zudem auch noch forderte, Immigration zukünftig nach kultureller Herkunft regeln, sorgte er nur für noch mehr Ärger und Beleidigung. Natürlich gibt es unter den Muslimen in Deutschland Integrationsverweigerer, doch ein derartiger Generalverdacht trifft sicher nicht die Wahrheit, sondern richtet nur Unheil an.

Eine sachliche Debatte zum Thema Integration sieht jedenfalls anders aus. Bundespräsident Wulff hat eigentlich schon vorgemacht, wie es stattdessen laufen könnte, doch anstatt seine Worte zu würdigen, werden sie nun in der CDU/CSU zerrissen. Dabei hatte er niemals behauptet, der Islam gehöre zur deutschen Kultur, denn das dem nicht so ist, ist historisch gesehen durchaus richtig, er hatte lediglich gesagt, dass der Islam eben auch zur modernen deutschen Gesellschaft gehört. Und das ist nicht nur richtig, sondern auch Grundvoraussetzung für eine moderne multikulturelle Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Dass Angela Merkel ihrem quertreibenden Ministerpräsidenten noch demonstrativ den Rücken stärkt, ist für mich ebenso unverständlich wie die Tatsache, dass Horst Seehofer offenbar nicht in der Lage ist, seinen Fehler zuzugeben und sich bei den unfair behandelten Muslimen zu entschuldigen.

Das Biest

  • Stimmt

    Recht hat er!!!

  • froanc

    Das Problem ist nur, dass aus jenen anderen Kulturkreisen häufig schlecht ausgebildete Arbeitskräfte mit geringerer Allgemeinbildung kommen (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Meiner Meinung nach hat die Integrationsverweigerung weniger mit der Herkunft und Religion, sondern mehr mit der Bildung zu tun, und ich glaube auch, dass das Horst Seehofer gemeint hat.

  • Das Biest

    Ich stimme dir zu, dass Integrationsverweigerung auch etwas mit Bildung zu tun hat, natürlich aber auch mit dem Charakter und der Einstellung des Einzelnen, weswegen man solche Probleme nie einfach generalisieren kann. Allerdings glaube ich nicht, dass Horst Seehofer wirklich diesen Aspekt gemeint hat.
    „Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.“
    Dieses Zitat von ihm (oben aus dem Artikel) lässt sich meiner Meinung nach nämlich nicht in diese Richtung interpretieren.

  • Das Biest

    Wieso sollte er Recht haben? Mit rechtspopulistischen Aussagen, die noch nicht mal wahr sind?

  • Stimmt

    Warum wird immer alles gleich als “rechts” ausgelegt?
    Und woher willst DU wissen, ob das wahr ist oder nicht? Frag mal die Menschen, die in Berlin, Duisburg, Hamburg leben! Die sind da zurecht anderer Meinung! Wieviele Türken/Araber kennst du schon? In Lauf ist das natürlich (noch) anders, aber in den Großstädten, von denen du als 16-jährige NICHTS weißt, ist das anders!
    Bisschen mehr Objektivität als Links-Drang würde eurer Internetzeitung übrigens auch nix schaden!