Hunger in Afrika – Wenn die Welt wegsieht

Manchmal entsteht Grausamkeit auch ohne Gewalt, manchmal sterben Menschen nicht durch Waffen, sondern durch Ignoranz. Eine Milliarde Menschen hungern auf der Welt - obwohl es genug Nahrung für alle gäbe.

Manchmal entsteht Grausamkeit auch ohne Gewalt, manchmal sterben Menschen nicht durch Waffen, sondern durch Ignoranz. Eine Milliarde Menschen hungern auf der Welt – obwohl es genug Nahrung für alle gäbe.

Nicht jede Grausamkeit entsteht durch den Einsatz von Gewalt, nicht jeder Ermordete stirbt durch den Gebrauch einer Waffe. Manchmal ist es umgekehrt, manchmal kann auch das Nichtstun töten. So geschieht es millionenfach in Afrika, in Somalia und Kenia, im Kongo oder in Tschad. Oder, wie zuletzt in Südsudan, dem Land, das erst im Juli unabhängig wurde, und in dem nun Tausende heimgekehrter Flüchtlinge sterben, obwohl der Bürgerkrieg beendet ist. Unzählige Menschen hungern in Afrika, sterben am Hunger, weil die Welt wegsieht.

Eine Milliarde Menschen, ein Siebtel der Weltbevölkerung leidet 2011 an Hunger, eine schier unvorstellbare Zahl. Und das, obwohl die Vereinten Nationen im Jahr 2000 beschlossen, dass diese Zahl bis 2015 um die Hälfte reduziert werden müsse. Davon ist man aber noch weit entfernt, denn noch immer sind 13% der Menschheit weltweit von diesem Schicksal betroffen. Doch es sind nicht nur die düsteren Zahlen, die einen erschrecken sollten, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass diese Menschen nicht sterben müssten – denn die Welt produziert genug Nahrung für alle.

Genug Nahrungsmittel für alle

Nicht die Nahrungsmittelknappheit, sondern die Lebensmittelpreise sind schuld am Hungertod unzähliger Menschen. Der Grund: Nahrungsmittel gelten an der Börse als Handelsgut wie jedes andere, auf das man wetten kann, wie auf jedes andere auch. Und so sind es auch Spekulationen auf steigende Lebensmittelpreise, die Nahrung verteuern und damit für viele arme Menschen in Afrika unerschwinglich werden.

Nicht nur Börsenspekulationen, auch andere Faktoren der Wirtschaft sind an der Misere beteiligt. So sorgt die Tatsache, dass aus der EU und den USA massenweise hochsubventionierter Lebensmittel auf die Märkte von Entwicklungsländern drängen dafür, dass die dortigen Farmer aus dem Geschäft gedrängt werden. Nicht nur verlieren die Bauern die Lebensgrundlage, zugleich sind sie Ursache dafür, dass die Entwicklungsländer weniger und weniger in der Lage sind, ausreichend Nahrung für die eigene Bevölkerung zu produzieren.

Anstehen für Essen in Afrika (1)

Die Schuld des IWF

Begonnen hat dies ausgerechnet durch den IWF. Dieser gab in den 1990ern Entwicklungsländern Kredite im Gegenzug für eine Liberalisierung des Handels. Die Öffnung der Grenzen bewirkte jedoch vor allem eins: neue Absatzmärkte für Industrienationen und deren Nahrungsmittelindustrie. Und so führten die sogenannten „Strukturanpassungsprogramme“ vor allem dazu, dass die heimische Agrarindustrie zerstört wurde.

Ein weiterer Faktor wird von den meisten gerne vergessen oder ignoriert: der Ölpreis. Öl ist grundlegend für die Landwirtschaft, für jede Art von Maschinen, und so ist es nicht verwunderlich, dass steigende Ölpreise in den vergangenen Jahren eine funktionierende moderne Produktion für viele Kleinbauern in Entwicklungsländern unmöglich gemacht haben.

Die Menschen sehen weg

Und so ist es kein Schicksal der Natur, dass eine Milliarde Menschen auf der Erde hungern, sondern die Schuld des Menschen. Der von uns ausgelöste Klimawandel, der schon heute und noch viel mehr in Zukunft Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürren und andere Katastrophen auslösen wird, wie jüngst am Horn von Afrika, ist da nur der letzte Schritt. Der Mensch ist dem Menschen sein Wolf. Doch solange die Menschen wegsehen, das Thema beiseite drängen, den Verantwortlichen freie Hand lassen, solange Kapitalismus, Neoliberalismus und Eigennutz über allem andere stehen, werden die Menschen weiterhin hungern und sterben.

(1) Urheber: ora international, CC BY-SA 2.0, Quelle

  • http://www.handle-fair.de André Gaufer

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