Joachim Gauck – Der zukünftige Bundespräsident

Nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die Parteien der Koalition mit SPD und Grünen auf den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als überparteilichen Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt, der auch in der Bevölkerung große Sympathie genießt. Die beste Entscheidung, die man nach dem Rücktritt Wulffs treffen konnte.
Joachim Gauck auf der Leipziger Buchmesse (Urheber: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann, CC BY 2.0, Quelle)

Nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die Parteien der Koalition mit SPD und Grünen auf den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als überparteilichen Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt, der auch in der Bevölkerung große Sympathie genießt. Die beste Entscheidung, die man nach dem Rücktritt Wulffs treffen konnte.

Nun also doch. Nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die Spitzen von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen auf Joachim Gauck als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Bundespräsidialamt geeinigt. Zunächst hatte es nicht so ausgesehen, da sich weite Teile der Union aufgrund der ablehnenden Haltung Angela Merkels gegen die Personalie gesperrt hatten. Am Ende war es die FDP, die alles auf eine Karte setzte, und in Koalition mit den Oppositionsparteien Gauck eindeutig favorisierte. Wohl um einen Bruch der Koalition zu verhindern, musste die Kanzlerin nachgeben.

Zuvor war teils öffentlich, so von Kubicki, das wenig hilfreiche Verhalten der Kanzlerin kritisiert worden, die aus persönlicher Eitelkeit Gauck nicht nominieren wollte. Damit hätte sie nämlich zugeben müssen, 2010 mit der Nominierung Christian Wulffs den falschen Kandidaten gewählt zu haben. Das allerdings wäre ohnehin keine Neuheit mehr gewesen, spätestens seit dem Rücktritt des vormaligen Bundespräsidenten am vergangenen Freitag geriet die damalige Entscheidung der Kanzlerin unter Kritik. Und diese wird wohl nicht nachlassen, denn das Machtpokern der FDP könnte noch für reichlich Wirbel in der Koalition sorgen. Dafür, und das erscheint zumindest der Bevölkerung wichtiger, hat es letztlich zur einzig richtigen Entscheidung geführt: der gemeinsamen Nominierung von Joachim Gauck.

2010 wie heute war Gauck der Kandidat des Volkes

Keinem anderen der genannten möglichen Kandidaten war so sehr zu zutrauen gewesen, dem beschädigten Amt des Bundespräsidenten wieder den Respekt und das Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen. Schon bei seiner ersten Nominierung 2010 hatte der DDR-Bürgerrechtler in weiten Teilen der Bevölkerung Begeisterung ausgelöst, umso mehr löste das sture Beharren der Kanzlerin auf Wulff damals Unverständnis aus. Gauck stand nicht nur für echte Demokratie, sondern auch für Bürgernähe und Authenzität, er hob sich erfrischend vom Establishment der Politik ab.

Joachim Gauck – der zukünftige Bundespräsident (1)

Daran änderte sich auch 2012 nichts, schon kurz nach Wulffs überfälligem Rücktritt wurde sein Name favorisiert, sämtliche Umfragen ziegten ein eindeutiges Bild: wenigstens 50% der Bevölkerung hielten Gauck für den geeignetsten Kandidaten, nicht einmal Größen wie Norbert Lammert oder Klaus Töpfer konnten auch nur annähernde Werte erreichen.

Joachim Gaucks Bild in der Bevölkerung ist ein beinahe durchwegs positives: er steht für die deutsche Geschichte, für den friedlichen Umsturz in der DDR, für die Wiedervereinigung. Zu jeder Zeit hat er sich für Demokratie und Bürgerrechte eingesetzt, hat zu Verantwortung nicht nur aufgerufen, sondern sie auch selbst getragen, so als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde in den 1990ern.

Joachim Gauck verkörpert die Demokratie

Er ist ehrlich, er sagt, was er denkt. Das mag zumindest den Politikern nicht immer gefallen, den ohnehin kritischen Deutschen wird es hingegen gut tun, wenn sie sich von ihrem Staatsoberhaupt gut und aufrichtig repräsentiert fühlen, wenn sie sich mit ihm identifizieren können, manchmal auch gegen die Regierung, wenn es nötig ist. Wenn er von der Wichtigkeit der Demokratie spricht, hören ihm die Menschen zu, denn ihm kann man solche Botschaften wirklich glauben, er kann ihr neue Bedeutung verleihen. Zugleich aber ist er in der Lage, wesentlich mehr Nähe zu seinem Volk aufzubauen als etwa der ruhige, distanzierte Christian Wulff. Joachim Gauck sagt schließlich selbst, dass für ihn neben der Verantwortung die Nähe zu den Menschen das wichtigste sei.

Er ist – wie er selbst sagt – nicht Superman. Er wird nicht die Schuldenkrise lösen, wird die Politik nicht zu einem kleinen Paradies machen, wird vielleicht auch selbst Fehler begehen. Zumindest aber wird er die Größe besitzen, sie zuzugeben und an ihrer Wiedergutmachung zu arbeiten. Allein das qualifiziert ihn schon für das Amt des Bundespräsidenten, so dass man insgesamt mit der überparteilichen Entscheidung nur zufrieden sein kann. Oder, wie der SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: “Ende gut, alles gut.”

(1) Das Foto von Joachim Gauck wurde von Das blaue Sofa / Club Bertelsmann unter CC BY 2.0 lizenziert