Katastrophe in Japan – der Risikofaktor Atomkraft

Um 6.45 Uhr am gestrigen Freitag ereignete sich in Japan ein verheerends Beben mit ungeahnten Folgen: Ein Ausfall des Kühlsystems führte im japanischen AKW Fukushima zu Schweirigkeitne und schließlich einer Explosion mit drohender Kernschmelze. Was ist passiert, und was hat das mit uns zu tun?

Eine Explosion erschüttert das vom Erdbeben beschädigte japanische AKW Fukushima 1

Am gestrigen Freitag, um 6.45 Uhr erschütterte ein gewaltiges Erdbeben Japan. Mit Stärke 8,9 war es das stärkste jemals gemessene Beben in dem Land am zirkumpazifischen Feuerring – und trotz japanischer Vorsorge ein verheerendes. Nur kurze Zeit später traf ein bis zu 10 Meter hoher Tsunami an der Küste ein, verwüstete die Stadt Sendai und das Umland und verschlimmerte die Katastrophe noch zusätzlich.

Unzählige zerstörte Häuser und Wohnungen, Autos, die in den Fluten treiben. Stromausfall, gestrandete Pendler und Reisenden, verängstigte Menschen und Hunderte Tote: das Land steht einer beispiellosen Naturkatastrophe gegenüber. Die Natur hat dem Menschen wieder einmal seine Grenzen aufgezeigt, und auch seine Technologien. Trotz Herunterfahrens des Reaktors kam es zu Störfällen im AKW Fukushima, die sich immer weiter ausweiteten.

Nachdem nach dem Beben die Kühlung der Anlage ausgefallen war, suchte man zunächst, dies zu reparieren und die Situation  unter Kontrolle zu bekommen. Die USA machte sich mit Kühlmitteln auf den Weg, die man zu dem beschädigten Reaktor bringen wollte. Bei diesem war zeitweise der Stand des Kühlwassers so niedrig, dass man die Brennstäbe sehen konnte.

Bereits auf Vormittag wurden erhöhte Werte des radioaktiven Stoffes Cäsium in der Umgebung nachgewiesen, laut dem Betreiber, der Tokyo Electric Power Company, lag dies jedoch daran, dass man die Gefahr durch ein kontrolliertes Ablassen der Gase zwischen innerer und äußerer Reaktorhülle in den Griff bekommen wollte.

Dann aber kam es zu einer schweren Explosion. Augenzeugenberichten zufolge waren Explosionsgeräusche zu hören, dann stieg massig weißer Rauch auf. Der Fernsehsender sendete Bilder von dem Unglück, das mittlerweile auch von Betreiber und Regierung bestätigt wurde. Vermutlich, so heißt es, sei Wasserstoff explodiert. Die Situation sei aber unter Kontrolle, vier verletzte Mitarbeiter wurden ins Krankenhaus gebracht, die innere Hülle sei unbeschädigt, die Umgebung wurde evakuiert, obgleich die Radioaktivität außerhalb des AKWs nur geringfügig erhöht war. Nur eines dementierte man entschlossen: Dass es im Reaktor Fukushima 1 eine Kernschmelze gegeben haben soll.

Dies allerdings wird von Atomkraftexperten angezweifelt. Erhöhte Messwerte an der Zufahrt zum AKW, im Inneren sogar um das Tausendfache, und Fernsehbilder erwecken bei ihnen offenbar den Anschein, die Kernschmelze habe bereits stattgefunden. Auch Umweltminister Röttgen fürchtet dies, versichert allerdings, dass für Deutschland und Europa keine Gefahr bestehe. Diese besteht aber sehr wohl für Japan, das nun zusätzlich noch mit einem der schwersten Reaktorunglücke seiner Geschichte zu kämpfen hat. Ob dies durch die Kühlung der Anlage mit Meerwasser verhindert werden kann, ist zweifelhaft. Nun geht es darum, die Menschen zu schützen. Expertenteams sind in die Region unterwegs, Medien informieren jene Bürger, die nicht zu der evakuierten 20-Kilometer Zone gehören.

Während man hier also besorgt die aktuellen Entwicklungen in Japan verfolgt, ist zugleich eine alte Diskussion wieder aufgeflammt, die man eigentlich schon längst vergessen glaubte: Es geht um die deutschen Atomkraftwerke und die Laufzeitverlängerung.

“Ich will nicht mit einer so schlimmen Katastrophe Politik machen, aber gerade unter dem Eindruck eines solchen Risikos wünschen sich wohl alle vernünftigen Menschen ganz dringend, das es beim Ausstieg aus der nicht beherrschbaren Kernkraft bleibt”

So äußert sich nicht nur der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, auch zahlreiche andere Politiker, speziell von der SPD und den Grünen geben ihm hier Recht. Das Unglück in Japan hat erneut die Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit der Atomkraftnutzung aufgezeigt, nun sei es an der Zeit, auch Konsequenzen zu ergreifen. besonders die Tatsache, dass es sich bei dem defekten japanischen Reaktor um einen der ältesten des Landes handelt, führt zu der Mahnung, gerade die älteren deutschen AKWs wie Neckarwestheim oder Krümmel sollten so schnell wie möglich vom Netz.

Tatsache ist: Atomkraft ist und bleibt zwar eine sehr nützliche, aber vor allem auch extrem gefährliche Form der Energiegewinnung. Unzählige Störfälle (Statistisch gesehen passiert fast jeden Tag einer) haben bewiesen, dass auch die besten AKWs nicht vor Fehlern gefeit sind. Ohne die Situation in Japan aus den Augen zu verlieren, wo man jetzt nicht Worte sondern Taten braucht, sollte man diese Diskussion daher sehr ernsthaft führen und sich überlegen, wie viel Risiko wir eingehen wollen. Denn in einem hat Renate Künast eindeutig Recht:

“Wir beherrschen nicht die Natur, sondern die Natur herrscht über uns”

Das Biest

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  • http://www.zeitong.de Justin Stafiej

    Es geht den Kraftwerkbetreibern immer nur um die Kohle. Sie denken nie an die Umwelt, Hauptsache sie bekommen ihr Geld. Jetzt sprechen die Energiekonzerne davon, dass nicht ausreichend Energie produziert würde ohne die Atomkraft, doch das ist wieder nur eine Ausrede um den Ausstieg aus der Atomkraft zu verhindern. Auch die Regierung möchte den Kraftwerksbetreibern entgegenkommen, indem sie den Bossen erlaubt, die Stromkontingente der sieben Kraftwerke, die sofort ausgeschaltet werden sollen, auf jüngere Kraftwerke zu überschreiben. Meiner Meinung nach ist dies alles Nonsens. Ich werde weiterhin an Atomkraftdemonstrationen teilnehmen.