Kim Jong Il’s Tod und die Folgen

Kim Jong Il ist tot. Der nordkoreanische Diktator starb laut Angaben des Staatsfernsehen bereits am Samstag während einer Reise durch sein Land. Zum neuen "geliebten Führer" wurde der bereits vor dem Tod seines Vaters zum Nachfolger erklärte 3. Sohn des Diktators, Kim Jong Un, erklärt. Damit geht die einzige kommunistische Monarchie in eine neue Runde.

Kim Jong Il ist tot. Der nordkoreanische Diktator starb laut Angaben des Staatsfernsehen bereits am Samstag während einer Reise durch sein Land. Zum neuen “geliebten Führer” wurde der bereits vor dem Tod seines Vaters zum Nachfolger erklärte 3. Sohn des Diktators, Kim Jong Un, erklärt. Damit geht die einzige kommunistische Monarchie in eine neue Runde.

Kim Jong Il (1)

Kim Jong Il (1)

Es sind groteske Szenen, die das Staatsfernsehen am heutigen Tag ununterbrochen sendet. Hunderte Nordkoreaner versammeln sich vor Statuen und Gemälden Kim Jong Il’s, und sie weinen. Zusammen, die Szenen wirken zur Abwechslung nicht einmal wirklich gestellt. Auch zum Appell angetretene Schüler werden gezeigt, ebenso wie Arbeiter und Generäle. Überall das selbe Bild, Nordkorea trauert um den Menschen, der das Land vollends isoliert hat und dessen einziger wirklicher Erfolg es ist, dass er der kommunistischen Republik die Macht über Nuklearwaffen gegeben hat.

Doch es scheint wahre Trauer zu sein. Das Volk, welches seit seiner Geburt mit einem gigantischen Führerkult indoktriniert wird, glaubt inzwischen tatsächlich an seine heldenhaften Führer. Mit Kim Jong Il ging nach Kim Il Sung die zweite Vaterfigur des Volkes. Egal welche wirtschaftlichen Probleme das Land befallen haben, egal wie viele Nahrungsengpässe es gab, laut Staatsführung tat der Kim-Clan alles, um die Situation des Volkes zu verbessern. An den Problemen war natürlich das Ausland schuld, ein Weltbild, welches dank der Abschottung des Landes und dem effektiven Staatsfernsehen perfekt an die Bevölkerung gebracht wurde.

Kim Jong Un übernimmt

Nun soll die Fackel an Kim Jong Il’s Sohn übergeben werden, den gerade 30-jährigen Kim Jong Un. Jedenfalls laut offiziellen Angaben. Ob der junge Diktatorensohn wirklich die komplette Macht übernommen hat, ist aufgrund seines Alters und seiner vermutlichen Unerfahrenheit anzuzweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass die Führung unter der Familie der Kims aufgeteilt wird, mit Kim Jong Un als Repräsentant, um den Schein zu wahren. Ob im Hintergrund nicht noch ein größerer Machtkampf, angezettelt durch die zahlreichen einflussreichen Militärs des Landes, losgebrochen ist, ist ebenso ungewiss.

Eigentlich überraschte es auch nicht, dass Nordkorea heute umgehend eine Kurzstreckenrakete testete. Man will in dieser ungewissen Zeit, in der hinter den Kulissen ein riesiger Machtkampf herrschen könnte, Stärke nach Außen beweisen. Ob der Befehl zum Test der Rakete nun von Kim Jong Un kam, um den Generälen zu beweisen dass er keine halben Sachen macht, oder sogar selbst von den Militärführern kommt, die dem Ausland zeigen wollen, was von ihnen zu erwarten ist, darüber lässt sich ebenfalls nur spekulieren.

Die Zukunft ist ungewiss – Öffnung oder Aggression?

Was nun wirklich mit dem kleinen kommunistischen Staat geschehen wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen, wer nun wirklich die Macht innehat. Sind dies die Militärs, wird eine eventuelle Öffnung des Landes aus reinen Machtängsten sicherlich ausbleiben. Dafür ist aber in diesem Fall auch nicht mit einer unnötigen Aggression, zum Beispiel gegen Südkorea, ganz zu schweigen von einem neuen Krieg, zu rechnen. Dafür sind die Generäle zu erfahren, ein solcher Krieg wäre der Selbstmord des Landes.

Falls Kim Jong Un tatsächlich die Macht übernommen hat, hängt die Zukunft des Landes wohl in der Tat von ihm ab. Über Un ist kaum etwas bekannt, lediglich dass er in seiner Jugend unter anderem eine Schule in der Schweiz besuchte. Hat diese Erfahrung ihn vielleicht etwas liberaler gemacht als seinen Vater? Weiß er um die wirklichen Sorgen seines Landes und ist er gewillt diese mit wirklichen Reformen zu bekämpfen? Viel sollte man von ihm in dieser Hinsicht jedoch nicht erwarten, weitreichende Reformen würden mit ziemlicher Gewissheit an den Militärs scheitern, außerdem wird sein Vater wohl nichts dem Zufall überlassen haben, so dass sein Sohn sicherlich auf seine Linie eingeschworen ist.

Trotzdem bleibt noch eine große Sorge: Kim Jong Un könnte aggressiver sein als sein Vater, schon allein weil er unter dem Druck steht, aus dem Schatten seines Vaters heraustreten zu müssen. Dann könnten übereilige Aktionen folgen, die die Stabilität, wenn nicht sogar den Frieden der Region gefährden könnten. Doch das ist momentan noch nicht abzusehen, aber die Augen der Weltgemeinschaft werden in den nächsten Tagen und Wochen ganz besonders aufmerksam auf Nordkorea liegen.

(1) Urheber: www.kremlin.ru, CC-BY-3.0, Quelle

(Artikelbild) Urheber: www.kremlin.ru, CC-BY-3.0, Quelle