Koranverbrennung löst heftige Proteste in Afghanistan aus – Eine Geschichte des Hasses

Nur ein verbranntes Buch? Die Tat des höchst umstrittenen fundamentalistischen Pastors Terry Jones aus Florida ist viel mehr als das, immerhin hat sie nun heftige Proteste mit mehr als einem Dutzend Toten und den Angriff auf ein UN-Büro in Afghanistan ausgelöst. Wenn Hass alle Friedensbemühungen zerstört…

Fundamentalistischer Pastor, Anti-Islamist und Koranverbrenner - Terry Jones

Immerhin fast ein halbes Jahr lang hatte man Ruhe vor ihm, doch damit ist es nun vorbei: Terry Jones, evangelischer Pastor aus der Gemeinde Gainesville in Florida und zugleich radikaler Anti-Islamist, wurde im vergangenen September bekannt, als er ankündigte, am Jahrestag der Anschläge auf das WTC in New York den Koran verbrennen zu wollen.

Damals wurde die Aktion in letzter Minute abgeblasen, nachdem sich nicht nur der um die Sicherheit der US-Soldaten besorgte Kommandeur der NATO in Afghanistan, sondern auch Barack Obama persönlich einschaltete. Doch das konnte nichts daran ändern, dass Terry Jones, dessen persönliches Motto “Der Islam ist des Teufels” auf Schildern vor seiner Kirche steht, damit endgültig zu einer Symbolfigur des Anti-Islamismus geworden war. Und das hat sich nun bitter gerächt: Nach Berichten von einer tatsächlich stattgefundenen Koranverbrennung vor etwa zwei Wochen, kam es gestern in Afghanistan zu schweren Protesten.

In Masar-i-Scharif, wo sich auch das größte Feldlager der Bundeswehr befindet, entlud sich gestern der angestaute Zorn der protestierenden Muslime, als sie nach zunächst friedlichen Protesten ein UN-Büro stürmten und dabei sieben UN-Mitarbeiter töteten und mehrere verletzten. Auch mehrere Afghanen starben bei den anhaltenden Protesten, so auch heute, als Polizisten etwa 1000 Demonstranten daran hindern wollten, in Kandahar ein Regierungsgebäude zu stürmen.

Und Terry Jones?

“Aber wir fühlen uns nicht verantwortlich. (…) Wir haben nicht zu Gewalt und Morden aufgerufen. Wir haben nur ein Buch verbrannt”

Mit diesen lapidaren Worten und dem Ausdruck seiner “Betrübnis” über die Toten kommentierte er die von ihm ausgelösten Vorfälle. Keine Spur von Reue oder Einsicht, stattdessen forderte er, die islamischen Länder zur Verantwortung zu ziehen und Vergeltung zu üben. Somit hat der fundamentalistische Pastor nicht nur die Richtigkeit der von NATO-Kommandeur David Petraeus im vergangenen Herbst abgegeben Einschätzung bewiesen, der damals sagte, diese Aktion gefährde das Leben von ausländischen Soldaten und Zivilisten in Afghanistan. Er, der angeblich aus “Sorge um die USA” und deren Abkehr vom richtigen, christlichen Weg handelt, hat auch gezeigt, was er ist: Ein verbohrter, intoleranter und selbstsüchtiger Anti-Islamist.

Menschen wie er sind es, die Friedensbemühungen auf beiden Seiten zunichte machen. Radikale Christen und Islamhasser auf der einen, extremistische Islamisten auf der anderen Seite. Menschen wie er können nicht verstehen, dass sie nicht das Recht auf Wahrheit und Erkenntnis gepachtet haben, dass Gewalt und Hass keine Lösung sind, und dass Toleranz das einzige Mittel ist, um die Welt friedlicher und besser zu machen.

Mit seinen Taten hat er vieles in Afghanistan erreichtes zunichte gemacht, und vielleicht alle Friedenhoffnungen torpediert. Man kann nur hoffen, dass die Menschen dort sich in ihrer Wut nicht von den Taliban zum Zwecke der Gewalt instrumentalisieren lassen, dass dort nicht noch weitere Menschen sterben müssen. Die Wut der Menschen kann man verstehen, auch wenn die Folgen die falschen sind. Bei Terry Jones ist das anders, er hat nicht mehr verdient als unsere Verachtung.

Das Biest