Krise der CSU – Das Ende einer Ära?

Sommerloch – das ist bekanntlich jene Zeit, in der die Politik Pause macht. Wer aber glaubt, im Sommerloch nichts über Politik zu hören, der täuscht sich gewaltig, denn das Sommerloch...

CSU-Chef Horst Seehofer in der Krise (1)

Sommerloch – das ist bekanntlich jene Zeit, in der die Politik Pause macht. Wer aber glaubt, im Sommerloch nichts über Politik zu hören, der täuscht sich gewaltig, denn das Sommerloch ist bekanntlichermaßen auch die Zeit der Abrechnung, in der man darüber nachdenkt, was die Verantwortungsträger denn so erreicht haben. Dieses Jahr bieten sich hierbei ganz verschiedenen Persönlichkeiten, Parteien und Gruppierungen an. Sei es die CDU unter ihrer planlosen Kanzlerin Angela Merkel, sei es der Wiederaufsteig der SPD, das andauernde Hoch der Grünen und vor allem der tiefe Fall der FDP – all das kennt man. Zeit also, sich einem weniger diskutierten, dafür aber umso dramatischeren Fall zu widmen: der CSU.

Mit gutem Gewissen lässt sich eines konstatieren: die CSU ist ein Relikt. Seit 1946 stellte sie bis auf eine Ausnahme den Ministerpräsidenten Bayerns, seit 1962 errang sie stets die absolute Mehrheit im Bayrischen Landtag. Das endete bei der letzten Landtagswahl, als sie nur noch 43% der Stimmen erhielt und erstmals seit langem eine Koalition eingehen musste.

Diese Koalition jedoch könnte bald das Ende einer Ära einläuten. Denn der kleine Partner FDP kommt mittlerweile über 3 – 4% der Stimmen nicht mehr hinaus – Tendenz sinkend. Die anderen Parteien im bayrischen Landtag – SPD, Grüne und Freie Wähler sind nicht unbedingt geneigt, der neue Koalitionär zu werden, was bei der Fähnchen-im-Wind-Taktik Seehofers und wiederkehrenden Provokationen gegen die FDP durchaus nachvollziehbar ist.

Und das ist dramatisch, denn die CSU kam in den Umfragen der letzten Monate nicht mehr über 41 – 42% hinaus. Einzige Ausnahme: Umfragen durch den  Auftraggeber CSU. Wie das kommt, erklärt die folgende wahre Begebenheit, die dem Yeti wiederfuhr.

Telefonumfrage : “Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?”
“Piratenpartei.”
“Die steht nicht zur Auswahl.”
“Dann halt Sonstige.”
“Gibts nicht.”
“Wer macht die Umfrage?”
“InfratestDimap im Auftrag der Christlich-Sozialen-Union.”

Kein Wunder also, wenn die CSU ab und an kleine Statistiksprünge nach oben macht. Dummerweise nur bietet der echte Wahlzettel ein paar mehr Alternativen als nur die Christlich-Soziale Union – entsprechende Änderungen würden wohl an der fehlenden 2/3 Mehrheit scheitern – und so könnte das Wahlergebnis anders aussehen als gewünscht.

Andere Umfragen besagen nämlich, dass der mögliche SPD-Kandidat Ude um ein paar Prozentpunkte beliebter ist als Parteichef Seehofer, schon allein das ein Sakrileg. Sollten sich diese Dinge jedoch nicht bald ändern, droht etwas viel Schlimmeres: der zweite Ausflug in die Opposition seit Gründung, der Verlust der Macht im Bundesland Bayern, gewissermaßen die “Entschwärzung”. Es wäre das Ende einer ganzen Ära.

Da auch dem Autoren dieser Worte kein Rezept und kein Wunderheilmittel zur Verfügung steht, gibt es nur einen Hoffnungsschimmer, weniger für die Partei als die werte Bevölkerung: Entgegen aller gegensätzlichen Behauptungen ist das Wohl Bayerns nicht an die CSU gekoppelt, es besteht also Hoffnung, dass Bayern auch 2013 nicht untergeht.

Das Biest

(1) Bild von J. Patrick Fischer unter CC BY 3.0 lizenziert, Quelle

  • http://airblog.nerdblogs.de/ Melvon

    Finde ich super, dass hier oft geschrieben wird.