Machtkampf in der Elfenbeinküste: Ende der Gewalt?

Seit dem vergangenen Herbst tobt in der Elfenbeinküste ein brutaler Machtkampf um das Präsidentenamt. Dieser scheint nun mit der Verhaftung Gbagbos endlich ein Ende zu haben – doch gilt das auch für die Gewalt im Land?

Streitkräfte Ouattaras in Abidjan

Selten wird in den Medien so oft über Afrika berichtet wie in diesen Tagen. Zunächst die Revolutionen im Maghreb – Tunesien, Ägypten und schließlich Libyen – und nun die Elfenbeinküste. Gewalt und Armut sind in Afrika zu oft an der Tagesordnung, doch dieses Mal geht das Problem weiter: Seit der Wahl im vergangenen November herrscht dort faktisch Bürgerkrieg – doch dieser scheint nun ein Ende zu haben.

Im November hatten in dem Staat an der afrikanischen Westküste zuletzt Wahlen stattgefunden, nach internationaler Meinung sogar einigermaßen demokratische. Dennoch weigerte sich der bisherige Machthaber Laurent Gbagbo, sein Amt an den offenbar rechtmäßig gewählten Nachfolger Alassane Ouattara zu übergeben. Trotzdessen legte Ouattara am 4. Dezember 2010 seinen Amtseid ab – und so hat die Elfenbeinküste seitdem zwei Präsidenten. Was die Situation zusätzlich nicht einfacher macht: Ouattara stammt aus dem muslimischen Norden des Landes und repräsentiert somit vorwiegend diese Bevölkerungsgruppe, Gbagbo hingegen steht für den eher christlich geprägten Süden.

Fast ein halbes Jahr lang herrschte nun Bürgerkrieg, die Fronten bewegten sich langsam, während sich die Situation im Land rapide verschlechterte. Mehr als 1500 Menschen starben aufgrund der Kämpfe, die Dunkelziffer ist wohl viel höher. Zuletzt gelang es allerdings dem offiziell rechtmäßigen Präsidenten Ouattara, in die Offensive zu gehen, und große Teile des Landes unter seine Kontrolle zu bringen. In der vergangenen Woche musste Gbagbo sich in einem Bunker beim Präsidentenpalast verbarrikadieren, nachdem die Truppen des Gegners mit er Eroberung der Hafenstadt Abidjan begonnen hatten und sein Militärchef einen Waffenstillstand verkündete.

Der gestürzte Präsident Laurent Gbagbo

Aufgeben aber kam dennoch nicht in Frage, trotz der UN-Blauhelmtruppen und der Unterstützung Ouattaras durch französische Truppen, verweigerte sich Gbagbo der Kapitulation und schlug mehr als einmal zurück, verfügte er doch immer noch über schwere Waffen. Heute fand der Konflikt jedoch sein Ende. Nach Bombardements der letzten verbliebenen Stellungen rückten Panzer auf die Residenz des gestürzten Despoten vor, und konnten ihn und seine Frau nach französischen Angaben schließlich verhaften.

Der Bürgerkrieg scheint damit zu Ende zu sein, doch in Wirklichkeit hat sich die Situation wohl nur wenig entschärft. Die humanitäre Lage in dem westafrikanischen Staat ist katastrophal, Läden sind alle geschlossen, die Menschen haben weder Strom noch Wasser, kaum noch Nahrung und Trinken und auch die medizinische Versorgung ist größtenteils zusammengebrochen. Zumindest sind nun die schlimmen Plünderungen und Straßenschlachten der vergangenen Wochen etwas eingedämmt, doch ansonsten gibt es wenig Positives zu vermelden.

Nun ruhen also alle Hoffnungen auf dem neuen Präsidenten Ouattara. Ist er in der Lage, Frieden zu stiften und das Land wieder aufzubauen? Die ethnischen Konflikte sind hier nicht so tief wie beispielsweise in Ruanda, doch sie existieren. Zugleich ist das Land immer noch sehr arm, die Wirtschaft liegt mittlerweile am Boden. Experten schätzen Ouattara als kaum weniger grausam ein als seinen Vorgänger, düstere Aussichten also? Noch stehen alle Möglichkeiten offen, die Hoffnung ist noch da. Vielleicht geht es ja tatsächlich gut und für die Elfenbeinküste hat das Leiden ein Ende.

Das Biest