Machtkampf in Libyen – Ende des Bürgerkrieges?

Fast hatte man nicht mehr daran geglaubt - doch nun scheint es, als sei den libyschen Rebellen der Sieg gegen den Despoten Gaddafi gelungen. Ein Erfolg ist geschafft, doch tausend neue Fragen tauchen auf. Vor allem eine: Ist dies wirklicbh das Ende des Bürgerkrieges?

Fast hatte man nicht mehr daran geglaubt – doch nun scheint es, als sei den libyschen Rebellen der Sieg gegen den Despoten Gaddafi gelungen. Ein Erfolg ist geschafft, doch tausend neue Fragen tauchen auf. Vor allem eine: Ist dies wirklicbh das Ende des Bürgerkrieges?

Libysche Rebellen bejubeln den Sieg über Gaddafi (1)

Man hatte schon fast nicht mehr an diese Nachricht geglaubt. Wochen-, monatelang war es ein zähes Ringen um jeden Kilometer, endloser Munitionsverbrauch ohne Resultat – und dann ging doch alles ganz schnell. Nach der Einnahme eines wichtigen Ölhafens stürmten die libyschen Rebellen auf Tripolis, das sie nach eigenen Angaben nun vollständig unter Kontrolle haben. Doch ist dies wirklich das Ende des Bürgerkrieges?

Nicht wirklich, denn ein Stachel im Fleisch ist noch immer Gaddafis Heimatstadt Sirte, die Hochburg seiner Anhänger, die sich dort verschanzt haben. Sirte ist auch einer der Orte, an denen man den gestürzten Despoeten vermutet, von dem zuletzt keine Nachrichten mehr eintrudelten.

Zahllose Gerüchte haben in der letzten Woche die Runde gemacht. Mit einem Panzerkonvoi nach Algerien geflohen und somit unter dem Schutz des dortigen Despoten Bouteflika? Per Jeep in das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land Tschad geflohen, wo er auf ein Untertauchen hofft? Oder, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, in der südlichen Stadt Bani Walid, wo er sich mit zwei seiner Söhne verborgen halten soll? Vermutlich über ein System aus Geheimgängen in dem von ihm angelegten Wasserkanalnetz konnte Gaddafi aus Tripolis fliehen – doch wo er sich jetzt befindet, ist unmöglich zu sagen. Dies macht den Friedensprozess aber nicht leichter – solange Gaddafi auf freiem Fuß ist, bedeutet er immer eine latente Bedrohung.

In Tripolis hat man jedoch andere Sorgen. Die Versorgung mit Wasser, Strom, medizinischen Gütern und Lebensmitteln ist beinahe vollständig zusammengebrochen, die Bevölkerung leidet, Verletzte können nicht behandelt werden. Die Stadt selbst ist verwüstet und voller Müll, was weder die humanitäre, noch die hygienische Situation verbessert.

Für den Westen die vielleicht drängendste Frage ist jedoch eine andere: Was kommt danach? Schaffen die Libyer es, eine echte Demokratie unter Beachtung der Menschenrechte zu etablieren? Werden sie auf den Rat des Westens hören oder sich jede Einmischung verbitten?

Es sind viele Fragen, die täglich aufgeworfen werden. Wo sind Tausende, vom ehemaligen Regime inhaftierte Menschen, die spurlos verschwunden sind? Nach den Leichenfunden in Tripolis wird hierbei ebenso das Schlimmste befürchtet wie in der Frage, ob es zu gewaltsamen Racheaktionen der siegreichen Rebellen gegen Gaddafi-Anhänger kam.

Und dann ist da noch das Erdöl, der, wie manche vermuten, wichtigste Faktor im Krieg. Die Stämme, die libyschen Rebellen, der Übergangsrat, sie alle wollen ihren Anteil am gewinnbringenden Kuchen – und beschwören damit im Ausland die Angst vor einem Bürgerkrieg herauf, in dem es vor allem um Öl geht, und in dem es weder gut noch böse gibt, und noch weniger Hoffnung auf ein gutes Ende.

Niemand, weder in Libyen noch im Ausland weiß, was die Zukunft bringt. Nach der Eroberung von Tripolis fängt das Land praktisch fast bei Null an – jede Richtung steht offen, im Guten wie im Schlechten. Man kann nur hoffen, das sich die Menschen dort ihre teuer erkaufte Freiheit nicht wieder nehmen lassen, und den Weg zum Frieden zu gehen. Jede Hilfe, die wir geben können, sollten wir geben, doch die Entscheidung müssen die Libyer selbst treffen.

Das Biest

(1) Dieses Bild ist ein Werk der Voice of America und somit gemeinfrei. Quelle