Norwegen – Grausam aus dem Schlaf geweckt

Und wieder ist es passiert. Erneut wurde ein Land Opfer brutaler Anschläge, fast 100 Menschen mussten ihr Leben lassen, ohne dass sie jemals dem Täter begegnet sind und diesem auch...

Menschen gedenken in Oslo der Opfer des schrecklichen Anschlags (1)

Und wieder ist es passiert. Erneut wurde ein Land Opfer brutaler Anschläge, fast 100 Menschen mussten ihr Leben lassen, ohne dass sie jemals dem Täter begegnet sind und diesem auch nur das geringste getan haben. Und diesmal war der Täter auch nicht der sofort von den Sicherheitskräften beschriehene Islamist und Al-Quaida-Terrorist,  es war ein Norweger, der statt dem heiligen Krieg  die Vernichtung des Islam im Kopf hatte. Bis jetzt scheint er wohl ein Einzeltäter gewesen zu sein, der seiner Tat mit einer selbst von ihm erdachten rechten Ideologie, einem Hirngespinst aus Islam-Hass, Europa-Feindlichkeit und Weltverschwörungstheorien, versucht eine Begründung zu geben.

Zuerst detonierte im Osloer Regierungsviertel eine Bombe direkt vor dem Regierungsgebäude, wobe 7 Menschen starben. Kurz darauf eröffnete der Täter als Polizist getarnt auf der kleinen Fjordinsel Utoya das Feuer auf die Teilnehmer eines Sommercamps der sozialdemokratischen Regierungspartei. 90 Minuten lang wütete er, erst dann konnte er von einer Spezialeinheit gestellt werden. 86 Menschen fielen ihm in dieser Zeit zum Opfer.

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg bezeichnete die Tat als das was sie in der Tat für Norwegen ist: die schlimmste Katastrophe seit der Besetzung durch die Deutschen im 2. Weltkrieg. Norwegen ist kein Mitglied der EU und hat aufgrund seiner reichen Ölvorkommen einen verhältnismäßig ausgeglichenen Haushalt. Das Land galt mit seiner schönen Landschaft als ein ruhiges und friedliches Land. Dass der Täter aus dem rechtsextremen Lager kommt und eine so bestialische Tat beging verwundert insofern, als dass Probleme mit dem Rechtsextremismus eher aus dem großen skandinavischen Nachbarland Schweden bekannt waren. Derartige Probleme waren im verschlafenen Norwegen bis jetzt eigentlich kein Thema.

Der durch das Bombenattentat beschgädigte Regierungssitz in Oslo (2)

Zwar wurde das Land aufgrund seiner Beteiligung an verschieden NATO-Einsätzen gegen Libyen von europäischen Sicherheitsexperten als mögliches nächstes Anschlagsziel von Al-Quaida genannt, doch mit einer solchen Tat war nicht zu rechnen. Nun bleibt zu hoffen dass sich Norwegen durch diese Tat eines Einzeltäters nicht die für dieses Land so typische Lebensfreude nehmen lässt und man schnell Maßnahmen unternimmt, um die Ursachen dieser schrecklichen Tat zu bekämpfen.

Auffällig war im Zusammenhang mit der Hinterfragung des Tatzusammenhangs jedoch wieder das in Europa vorherrschende Misstrauen gegenüber dem Islam. Kaum war von einer Explosion in Oslo und der Schießerei in Utoya die Rede, schon wurde von Sicherheitskräften und Presse die Aussage verbreitet, es handele sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen islamistischen Terroranschlag. Weder Hintergründe noch der Zusammenhang der beiden Taten waren geklärt, trotzdem war man sich gleich komplett sicher. Doch wie sich herausstellen sollte, waren diese Schuldzuweisungen erneut falsch, der Täter war ein islamophober Rechter. Die Vorgehensweise der Behörden und Presse war wieder einmal regelrecht peinlich, und torpediert den Dialog zwischen westlicher und islamischer Welt grundlos aufs Neue.

Abschließend bleibt nur den Norwegern viel Kraft und Zuversicht zu wünschen, damit sich dieses Land nicht in seiner Trauer verliert. Ein einzelner Rechtsextremer, der glaubt er könne über das Schicksal einer Nation und im besonderen von leider 90 Todesopfern richten, ist es nicht wert ein so schönes und vielfältiges Land in Angst und Schrecken zu versetzen…

Der Yeti

(1): Erstellt von Johannes Grodem, lizenziert unter CC-BY-SA 2.0, Quelle

(2): Erstellt von Johannes Grodem, lizenziert unter CC-BY-SA 2.0, Quelle

 

  • http://www.flickr.com/photos/wunderfuersauge disfruten

    Einfach unglaublich! Ich war vor 2 Monaten in Norwegen und habe es als wundreschönes und so friedliches Land kennengelernt. Alle Norweger sind sehr offen, freundlich und hilfsbereit (im Gegensatz zum skandinavischen Klischee der zurückgezogenen Menschen). Vor 2 Monaten bin ich noch im Regierungsviertel rumgelaufen zwischen vielen fröhlichen Menschen. Immer wieder schrecklich wie sich die Welt an einem Tag durch einen Menschen verändern kann :(

  • http://www.the-ba.net/ Romeo Pavek

    Ich finde es sehr schlimm, dass so eine Katastrophe geschehen ist. Die Menschheit ist in unserer heutigen Welt nicht mehr vor solchen Anschlägen sicher. Ich fürchte, dass es künftig mehr Anschläge geben wird. Der Staat muss sich mehr um die Sicherheit der Bevölkerung kümmern. Es sind bedauerlicherweise so viele Personen gestorben. Jetzt kann man sie bedauerlicherweise nicht mehr zurückholen. Darum muss man schon vor solchen Attentaten handeln. Mehr Fakten zu diesem Thema konnte ich auf der Seite von Zeitong finden.