Todesstrafe – Dunkles Relikt der Vergangenheit

Die älteste, aber auch schwerste Bestrafung der Welt – die Todesstrafe. Noch immer steht sie im Gesetz von 58 Staaten und wird in 25 davon noch angewandt. Warum man die Todesstrafe nicht legitimieren kann.

Die Begründung mag die falsche sein, doch die Tat war die richtige: Dschalal Talabani, Präsident des Iraks hat angekündigt, das Todesurteil für den ehemaligen Vertrauten Saddam Husseins, Tarik Asis, nicht zu unterzeichnen. Asis, der lange als “das freundliche Gesicht Iraks” galt, war im Oktober wegen seiner Rolle bei der Verfolgung und Ermordung von Schiiten zum Tode verurteilt worden.

Nun aber hat der mittlerweile 70-Jährige, für den sich unter anderem Russland und der Vatikan einsetzten, zumindest einen Aufschub bekommen. Auch wenn die Begründung einen eher schaudern lässt: Weil Tarik Asis ähnlich wie der Präsident Sozialist und zudem Christ ist, und weil er schon sehr alt ist, deswegen soll er leben dürfen. Mit wirklicher Rechtsstaatlichkeit hat das nicht viel zu tun, dennoch hat Talabani richtig gehandelt, als er auf diese Weise gegen die Todesstrafe kämpfte.

Demonstration gegen die Todesstrafe

Die Todesstrafe. Sie ist eines der ältesten Instrumente der Menschheit, um schlimme Straftaten zu vergelten, Verräter und Spione zu bestrafen, aber immer wieder auch, um sich politischer oder religiöser Gegner zu entledigen. Noch heute gibt es sie in 58 Staaten, in 25 davon wird sie angewandt. Befürworter argumentieren oft, dass nur eine derart harte Strafe eine gute Prävention für die Allgemeinheit darstellen würde, aber auch, dass schwere Verbrechen nur so angemessen geahndet werden könnten.

Doch sollte man wirklich Leben gegen Leben stellen? Sollte sich ein Staat wirklich auf die Stufe mit Verbrechern stellen, denen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit nichts gilt?

Irren ist menschlich. Auch in der Justiz gibt es nie 100% Sicherheit, auch in der Justiz geschehen immer wieder Irrtümer. Der große Unterschied jedoch: Bei einer Haftstrafe kann man den Unschuldigen freilassen und entschädigen, selbst wenn man ihm die verlorene Zeit nicht zurückgeben kann, die Todesstrafe ist jedoch irreversibel. So sterben jährlich auf der Welt unschuldige Menschen für Taten, die sie nicht begangen haben, und können niemals mehr Gerechtigkeit erfahren. Man kann solche Fälle nicht als “einzuplanenden Schaden” anrechnen, denn jeder, der unschuldig stirbt, ist einer zu viel.

Vor allem aber ist die Todesstrafe ethisch betrachtet inakzeptabel. Jeder hat ein Recht auf Leben, und niemand hat das Recht, einem anderen dieses Grundrecht zu nehmen, ganz egal, ob es sich um eine Person oder eine (staatliche) Institution handelt. Tut man es dennoch, stellt man sich auf eine Stufe mit den Tätern, den Verbrechern, die das Recht auf Leben missachten, und wird so selbst zum Mörder.

Es gibt keinen wirklichen Grund, der die Todesstrafe legitimieren könnte. Empirische Statistiken haben von Kaiserin Elisabeth von Russland bis zum heutigen Europa gezeigt, dass die Todesstrafe keine wirkliche Abschreckung für potenzielle spätere Täter darstellt, vor allem wenn viele von diesen ohnehin im Affekt handeln und nicht nachdenken. Gerechtigkeit schaffen kann die Todesstrafe schon gar nicht. Weder stiftet man so Frieden, früher war die Todesstrafe oft der Auftakt zur Blutrache, noch macht man damit vorherige Taten ungeschehen.

Die Todesstrafe ist ein Relikt aus dunklen vergangenen Zeiten, ob als Auftakt zur Blutrache oder als Instrument zum Machterhalt wie beispielsweise im Fall Hitlers oder Stalins, sie wurde zu oft missbraucht, hat zu oft ihr wahres Gesicht gezeigt, als dass sie noch etwas Gutes bringen könnte. Man kann nur hoffen, dass auch Staaten wie die USA, China oder die arabischen Länder dies endlich einsehen werden.

Das Biest

Die Todesstrafe weltweit - blau: abgeschafft; grün: in Sonderfällen (Kriegsrecht) noch eingesetzt; orange: Hinrichtungsstopp; rot: Todesstrafe (gegen Erwachsene)

  • blabla

    Also wenn ich mich nicht irre, ist Dschalal Talabani nicht Außenminister, sondern Staatspräsident des Iraks. Wieso sollte auch ein Außenminister für die Unterzeichnung von Todesurteilen zuständig sein?

    “Weil Tarik Asis ähnlich wie der Präsident Sozialist und zudem Christ ist, [...]“. Wie gut, dass im Iran die Christen so hoch angesehen werden. Und dass die iranische Regierung sozialistisch sein soll, wär mir auch neu.

  • Das Biest

    Natürlich hast Du Recht, danke für den Hinweis, Talabani ist der Präsident, woher der Außenminister kommt, ist mir auch schleierhaft, wahrscheinlich ein Denkfehler… ;)
    Die Regierung ist nicht sozialistisch, es ist nur der Präsident, der anscheinden eine ähnliche Einstellung hat, so jedenfalls meine Interpretation seiner Aussage. Und was Asis Christentum im Irak damit zu tun hat, kann ich auch nicht sagen, offenbar schätzt Talabani die Christen. Aber insgesamt eben eine sehr dürftige Begründung für eine gute Tat.

  • blabla

    wahrscheinlich ahst du Außenminister geschrieben, weil Asis mal Außenminister war.
    Ansonsten nächstes mal bitte gründlicher recherchieren oder im Zweifelsfall einfach gar nichts veröffentlichen ;)

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