US-Vorwahlen: Super Tuesday bringt keine Vorentscheidung

Der Super Tuesday, an dem in zehn US-Bundesstaaten Vorwahlen der Republikaner stattfanden, hat im Rennen um die Kandidatur gegen den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama keine Vorentscheidung gebracht.
Mitt Romney (Urheber: Gage Skidmore, CC-BY-SA-2.0, Quelle)

Der Super Tuesday, an dem in zehn US-Bundesstaaten Vorwahlen der Republikaner stattfanden, hat im Rennen um die Kandidatur gegen den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama keine Vorentscheidung gebracht.

Zwar gewann Mitt Romney in Alaska, Idaho, Massachusetts, Vermont und Virginia sowie mit knapp 12.000 Stimmen Vorsprung vor Rick Santorum auch alle Deligiertenstimmen in dem wichtigen Bundesstaat Ohio, doch entschied Santorum die Vorwahlen in North Dakota, Oklahoma und Tennesee für sich. Newt Gingrich siegte in Georgia. Ron Paul konnte am Dienstag in keinem der zehn Bundesstaaten gewinnen, in denen gewählt wurde. Mit Spannung war der Wahlausgang in Ohio erwartet worden. Ohio, in dem es keine eindeutige Grundstimmung zugunsten einer der großen Parteien der Vereinigten Staaten gibt, ist bekannt für seine sich bis lange in die Nacht dahinziehende Auszählung.

Erst um 6:28 Uhr Mitteleuropäischer Zeit am Mittwoch meldete Associated Press, dass Mitt Romney die Vorwahl in Ohio gewonnen habe. Mitt Romney verkündete am Wahlabend vor Unterstützern in Boston, Massachusetts, er stehe bereit, die Vereinigten Staaten zum Wohlstand zu führen. „Ich habe eine Botschaft: Ihr habt nicht versagt. Ihr habt einen Präsidenten, der euch nicht gerecht geworden ist. Das wird sich ändern.“ sagte Romney siegesgewiss. „Ich werde diese Nominierung bekommen.“

Auch Santorum sieht sich als Sieger

Doch sein schärfster Konkurrent Rick Santorum feierte sich vor seinen Anhängern in Steubenville, Ohio ebenfalls als Sieger. Es gebe zwar Menschen, die Amerika am Boden liegend sähen, doch er empfinde das anders, auch wenn große Dinge geschehen müssten, um das Land vom Abgrund weg zu bringen. „Es ist eine große Nacht“, rief er seinen Anhängern zu. „Wir sind bereit, im ganzen Land zu gewinnen.“ Zum Gewinner des Tages erklärte sich auch Newt Gingrich, der in Atlanta in seinem Heimatstaat Georgia auftrat: „Ich glaube daran, dass ich der einzige Kandidat bin, der die Fähigkeit hat, gegen Barack Obama zu debattieren.“

Insgesamt wurden am Super Tuesday 435 Delegiertenstimmen vergeben, das ist etwas mehr als ein Drittel der 1144 Stimmen, die ein Kandidat hinter sich bringen muss, um beim republikanischen Parteitag in Tampa, Florida, der Ende August stattfinden wird, die Nominierung zu erringen. Nach den Berechnungen von Associated Press, die auch das erwartete Stimmverhalten von Superdelegierten – das sind hochrangige Parteimitglieder, die nicht an das Votum der Parteibasis gebunden sind – einbezieht, kommt Mitt Romney derzeit auf 415 Delegierte, Rick Santorum auf 176 Delegierte und Newt Gingrich auf 105 Delegierte. Ron Paul ist mit 47 Delegierten weit abgeschlagen, Jon Huntsman hat seine Kandidatur bereits zurückgezogen und vereinigt zwei Deligierte hinter sich. Zu vergeben sind bis zum Ende der Vorwahlen im Juni noch insgesamt 1541 Delegiertenstimmen.

Das Rennen scheint weiter offen

Politische Analysten sehen in dem Wahlergebnissen ernüchternde Resultate für den vermeintlichen Favoriten Romney. Zwar habe Romney den wichtigen Staat Ohio knapp für sich entscheiden können, doch habe er für seine Kampagne in diesem Bundesstaat fünfmal so viel Geld ausgegeben, als Rick Santorum. Und der hat vor allem in ländlichen Gebieten und in Arbeiterwohngegenden Stimmen erhalten. Dass der abgeschlagene Libertarier Ron Paul in Virginia 41 Prozent gegen Mitt Romney gewinnen konnte, zeigt das Misstrauen, das viele gegen den Milliardär Romney hegen. In Virgina nahmen an den Vorwahlen nur er und Paul teil, weil keiner der anderen Kandidaten die notwendige Zahl an Unterstützerstimmen erreicht hatte. Schwach schnitt Romney auch in den von konservativen Evangelikalen und Anhängern der Tea Party dominierten Südstaaten Georgia, Oklahoma und Tennessee ab, wo die Sieger Newt Gingrich und Rick Santorum hießen.

Dies lenkt die Aufmerksamkeit auf die in am 13. März stattfindenden Vorwahlen in den Südstaaten Alabama und Mississippi. In beiden Staaten und dem ländlichen Kansas, wo die Vorwahl bereits am 10. März stattfindet, hat Santorum eine gute Ausgangsposition, weil Romney sich am Super Tuesday nicht deutlich genug von seinem stärksten Rivalen hatte absetzen konnte. Deswegen könnte es Romney an Momentum fehlen, um gegen den erklärten Gegner von „Obamacare“, Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe Santorum punkten zu können.

Langer Vorwahlkampf könnte Obamas Wiederwahl sichern

Für den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama ist der andauernde Mehrkampf der noch vier Kandidaten um die republikanische Kandidatur um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten günstig. Sein potentieller, noch zu bestimmender Gegenkandidat ist nachwievor damit beschäftigt, sich parteiintern durchzusetzen und kann noch nicht ausschließlich gegen ihn Wahlkampf betreiben.

Denkbar ist auch, dass keiner der verbliebenen Kandidaten eine notwendige Mehrheit zustandebringt. Dann könnte es bei der Republican National Convention in Tampa dazu kommen, dass die Partei einen ganz anderen Kandidaten nominiert. US-amerikanische Nachrichtensender nennen hier immer wieder die Namen Jeb Bush, den ehemaligen Gouverneur Floridas und Bruders von George W. Bush und den des derzeitigen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie. Auch Sarah Palin, die schon vorzeitig ihre Kandidatur aufgegeben hatte, sinnierte in einem Interview nach ihrer Stimmabgabe in Alaska über ihre weitere Zukunft nach. „Alles ist möglich, und ich verschließe keine Türen, die mir dort vielleicht offenstünden. Ich plane, beim Parteitag dabei zu sein.“

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