Von Immigration, Integration und Assimilation – Teil 1

Thilo Sarrazin – durch sein Werk “Deutschland schafft sich ab” zum Zündfunke einer Integrationsdebatte geworden. Die Hälfte der Bundesbürger stimmt seinen Thesen zu – und scheint sich wenig darüber informiert zu haben, was er eigentlich sagt. Seine Behauptung, dass gewisse Ethnien aus genetischen Gründen weniger intelligent sind, ist nur eine von vielen Aussagen am Rande der Fremdenfeindlichkeit. Warum er kein gutes Beispiel für eine gelungene sachliche Integrationsdebatte ist…

Teil 1 – Thilo Sarrazin – Zündfunke einer Integrationsdebatte

Vor vielen Jahren, fast 70 sind es mittlerweile geworden, da war Deutschland ein Staat, in dem Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und übertriebenster Nationalismus herrschten. Ein Weg, der nicht nur Europa, sondern die ganze Welt in einen Krieg stürzte und unsäglich viel Leid anrichtete. Das ist lange her und mittlerweile hat sich in Deutschland fast alles geändert. Aus dem Deutschen Reich ist die friedliche BRD geworden und überhaupt haben die Deutschen ihre Lektion gelernt. Mittlerweile ist Deutschland ein weltoffener toleranter Staat, ein Einwanderungsland geworden. Doch dieser neue Weg gefällt längst nicht allen.

Man muss Thilo Sarrazin, (Ex)Vorstand der Bundesbank und (bis jetzt noch) Parteimitglied der SPD, ja nicht unbedingt gleich als Rassisten bezeichnen, doch seine Äußerungen, wie auch die Thesen seines Buches “Deutschland schafft sich ab”, liegen nahe an der Grenze zur Fremdenfeindlichkeit. Nicht allgemein, Sarrazin schießt sich viel eher auf Muslime und Afrikaner ein, denen er eine “mindere Intelligenz” bescheinigt – aus genetischen Gründen.

Moment mal – aus genetischen Gründen?

Schon bei diesem Satz müsste einem eigentlich klar werden, dass man die Aussagen des Herrn Sarrazin vielleicht nicht als bare Münze nehmen sollte. Seine These, dass Intelligenz vererbt werde, ist schon unsinnig genug. Schließlich ist längst bewiesen, dass hunderte bis tausende verschiedener Gene eine Rolle bei der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten spielen – und dass diese zudem sehr stark durch äußere Einflüsse und Erziehung geprägt werden. Dazu kommt aber noch Sarrazins Behauptung, dass aufgrund dieser Vererbung Unterschiede in der Intelligenz verschiedener Ethnien entstehe, sprich, dass manche Volksgruppen dümmer sind als andere. Auch diese These ist schon Jahrzehnte alt – und ebenso oft wurde sie auch schon durch Studien verschiedenster Art widerlegt.

Mit diesen Thesen dann ein Buch zu verfassen, in dem man aufgrund solcher falscher Behauptungen einen Einwanderungsstopp verlangt, wie Thilo Sarrazin es getan hat, ist schlicht und einfach eine Dummheit. Mag sein, dass er mit seinem Buch eine Debatte über Immigration und Integration auslösen wollte, doch wenn er, wie er selbst behauptet, zu einer sachlichen Diskussion anregen wollte, ist er kläglich gescheitert. Hüsnü Özkanli, der Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung, trifft den Nagel auf den Kopf wenn er sagt:

„Wir tragen zum deutschen Wirtschaftssystem bei, indem wir Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugend studiert. Was sollen wir sonst noch machen, um unseren Integrationswillen zu demonstrieren? Uns die Haare blond färben?“

Man kann Herrn Sarrazin nur raten, in Zukunft gründlicher nachzudenken, bevor er sich in ein so sensibles Thema wie die Immigration einmischt. Zu viele seiner Aussagen sind nicht nur Halbwahrheiten,  sondern schon lang widerlegte, und damit irrsinnige Thesen und dementsprechend diffamierend dazu. Vorurteile wie die mangelnde Integrationswilligkeit, die Verachtung des deutschen Staates oder die Vernachlässigung der eigenen Kinder und ihrer Erziehung von Seiten der Migranten sind nicht nur sinnlos, sondern vielmehr beleidigend und verachtend. Weder werden auf diese Art und Weise die Probleme der Integration gelöst, noch trägt man so zu einer sachlichen Debatte bei.

Das Biest

 

Dies war der erste einer Reihe von Artikeln zum Thema Immigration und Integration, der zweite wird in den nächsten Tagen folgen.

Meinungen und Diskussion sind per Kommentarfunktion gerne gesehen.

  • froanc

    “Seine These, dass Intelligenz vererbt werde, ist schon unsinnig genug.”

    Meinst du das ernsthaft??

  • Das Biest

    Natürlich meine ich das ernst.
    Es ist erwiesen, dass Intelligenz ungefähr zur Hälfte (die genauen Zahlen weiß ich leider nicht) von Erziehung und äußeren Umständen beeinflusst und geprägt wird, und zur anderen Hälfte von den Genen. Dabei spielen allerdings ein paar hundert verschiedenster Gene ein Rolle, das heißt, die genetische Intelligenz ist eigentlich eine Mischung aus ganz verschiedener Erbinfo. Und das ist auch der Grund, warum Intelligenz nicht vererbt wird, weil es einfach ganz viele unäbhängige Gene sind, die sozusagen bei jedem Menschen neu gemischt werden. Das heißt, deine Eltern und Großeltern können strohdumm sein, du bist aber trotzdem schlau, weil du eine andere genetische Mischung hast, die vielleicht mal vor ein paar hundert Jahren ein Vorfahr hatte, aber wie gesagt gibt es eben einfach keine direkte gentische Vererbung.

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