Warum kino.to ein Hauch der Zukunft war – und warum dieser immer stärker wird

Nun ist es also passiert: nach über 4 Jahren wurde die Seite kino.to vom Bundeskriminalamt vom Netz genommen. Die sogenannten “Hintermänner”, also Besitzer der Seite, wurden in einer europaweiten Razzia...

Alles was von kino.to übrig blieb: ein Hinweis der Kriminalpolizei und eine Drohung an die Nutzer der Seite

Nun ist es also passiert: nach über 4 Jahren wurde die Seite kino.to vom Bundeskriminalamt vom Netz genommen. Die sogenannten “Hintermänner”, also Besitzer der Seite, wurden in einer europaweiten Razzia festgenommen, ihre Wohnungen durchsucht und sämtliche Server beschlagnahmt. Doch was von den großen Nachrichtenmagazinen als bisher größter Schlag gegen Urheberrechtsverletzer gepriesen wird, zeigt wieder einmal deutlich, wie wenig die Filmindustrie und die Gesellschaft an die Zukunft denken. Ein Fehler, aus dem die Musikindustrie bereits schmerzhaft gelernt hat.

Denn kino.to war nicht etwa nur eine Linksammlung, sondern vielleicht sogar das Konzept einer ganz neuen Generation, der Generation des Internets. Dank des Internets und dazu passenden Computern besteht seit geraumer Zeit, auch dank stetig steigender Verbindungsgeschwindigkeiten, die Möglichkeit, große Mengen an Daten, also Fotos, Musik und eben auch Filme schnell an andere Computer zu versenden. Speichermedien wie CDs und DVDs werden immer obsoleter, ein Prozess den zum Beispiel Apple erkannt hat und mit dem iTunesStore die Möglichkeit bietet, schnell und ohne Umwege über Speichermedien, Musik zu kaufen und direkt auf den PC zu laden.

kino.to (und ähnliche Seiten) können so also als nächster Schritt in diesem Prozess betrachtet werden. Zum Beispiel ein System, welches einer Art Flatrate gleicht. Der Nutzer zahlt monatlich 10 Euro und kann dafür auf einer entsprechenden Website der zahlreichen Produktionsfirmern, eine gewisse Anzahl oder eben einen Monat lang soviele Filme wie er möchte per Stream ansehen. Dass Nutzer bereit wären dafür mindestens 10 Euro zu bezahlen, wurde nämlich bereits von kino.to bewiesen, da viele Nutzer auf den auf kino.to verlinkten Streamingseiten weitaus teurere Premium-Abos abgeschlossen haben, um bessere Verbindungsgeschwindigkeiten zu erhalten.

Der iTunes Store - Apple hat die Zeichen der Zukunft schnell erkannt

Der Tod für den DVD-Markt?

Natürlich kommen bei einer solchen “Filmflatrate” schnell Aufschreie wie: “Das wäre der Tod für die DVDs!”. Ja das wäre es. Zumindest wäre diese Flatrate mit großen Einbußen für den DVD-Markt verbunden. Doch man erinnere sich: als die Email geboren wurde, wer dachte da an den Tod der deutschen Post? Natürlich machte die Post Verluste, doch hier wurde schnell akzeptiert, dass inzwischen moderne und komfortablere Mittel existieren. Und auch heute lebt die Post immer noch, nämlich für Briefwechsel die nun mal nicht mit der Anonymität des Internets durchgeführt werden können, wie amtliche Anträge etc. Auch gibt es noch unzählige Menschen, die Briefe noch immer vorziehen, da sie sie weitaus persönlicher als eine schnell in die Tasten gehauene Email empfinden.

So könnte sich auch der DVD-Markt (oder natürlich auch der BluRay-Markt) entwickeln. Es wird immer Menschen geben die ihren Besitz lieber in Form eines “weltlichen” Gegenstands in der Hand halten möchten und wissen: “Ja, das habe ich mit meinem Geld gekauft.” Ich selber besitze unzählige DVDs, da ich gewisse Filme einfach in materieller Form bei mir im Regal stehen haben möchte. Zusätzlich haben wir noch lange nicht solche Internetgeschwindigkeiten erreicht, die es uns ermöglichen einfach schnell einen Stream zu starten und den Film in der Qualität, also FullHD-Auflösung zu geniessen, wie es uns eben seit neuestem BluRays bieten können. Diese Zeiten werden kommen, aber noch sind sie nicht da.

Wer geht bitte noch ins Kino?

Der nächste Aufschrei würde sie sicherlich auf die Kinos beziehen, und vor allem auf die Frage wer dann bitte noch ins Kino gehen würde und ob diese Kinos auch die möglicherweise sinkenden Zuschauerzahlen verkraften können. Auch hier gibt es eine ganz einfache Antwort: es wird kaum zu Gewinneinbußen kommen. Man muss nur den üblichen Kinobesucher mit dem üblichen Streamingnutzer vergleichen. Wenn ich mir einen Stream ansehe, tue ich das meistens alleine, setze mich gemütlich vor meinen PC und schaue meist einen Film an, den ich im Kino verpasst habe. Dagegen gehe ich niemals alleine ins Kino, immer mit Freunden, ich will den Film auf der großen Leinwand sehen, in all seiner Pracht. Das sind zwei völlig verschiedene Situationen. Wer würde sich denn bitte zusammen mit 5 Freunden vor den kleinen PC-Bildschirm setzen und einen Stream in vermutlich ziemlich schlechter Aufösung ansehen, der ständig Nachladeprobleme hat?

Auch die offiziellen Zuschauerzahlen belegen keineswegs die Angst vorm Aussterben der Kinos. In den letzten zehn Jahren schwanken die Besuchszahlen und Gewinne der deutschen Kinos zwar stark, halten sich aber stets auf einem sehr hohen Niveau, wie zum Beispiel diese Statistik belegt: >Hier klicken<

Fortschritt lässt sich nicht aufhalten

Zwar wurde mit kino.to nun diese erste Vorschau der Filmindustrie der Zukunft geschlossen, doch diese Aktion ähnelt trotzdem nur einem Tropfen auf dem heißen Stein. Es ist nicht einmal sicher ob diese groß angelegte Razzia dem Gesetz entspricht, da eben dieser Rechtsbereich jahrelang von der etablierten Politik vernachlässigt wurde. Erst mit der Piratenpartei rückte “das Internet” ins Interesse der Politiker. Trotzdem gibt es bis heute zwar ein Gesetz für Beihilfe zu einer Straftat in der echten Welt, aber kein entsprechendes Gegenstück im Internet. Und kino.to selber diente ja nur als Vermittler zwischen Uploadern und Usern. Also eine riesige Grauzone.

Die Nutzer von kino.to haben innerhalb kürzester Zeit neue Seiten mit einem ähnlichen Angebot gefunden, für kino.to sind innerhalb von wenigen Stunden bereits 20 neue Streamingseiten ans Netz gegangen. Die Generation Internet baut sich ihre Zukunft weiter alleine auf. Dagegen kann selbst die Kriminalpolizei und die Politik nichts tun. Fortschritt konnte noch nie aufgehalten werden. Wer das trotzdem glaubt soll bitte zu seinem Kassettengerät gehen und warten bis seine Benjamin Blümchen-Kassette zurückgespult ist.

Der Yeti