Das war 2011 – ein Jahresrückblick?

Silvester - traditionell der Tag der Jahresrückblicke. Nachdem jedes, etwas auf sich haltende Informationsmedium einen solchen liefert, ist es also an der Zeit, sich mit den vergangenen 12 Monaten auseinanderzusetzen. Aber nicht auf die gewöhnliche Art und Weise - hier geht es um den Wahrheitsgehalt von astrologischen Prophezeiungen und um das, was nicht passiert ist.

Silvester – traditionell der Tag der Jahresrückblicke. Nachdem jedes, etwas auf sich haltende Informationsmedium einen solchen liefert, ist es also an der Zeit, sich mit den vergangenen 12 Monaten auseinanderzusetzen. Aber nicht auf die gewöhnliche Art und Weise – hier geht es um den Wahrheitsgehalt von astrologischen Prophezeiungen und um das, was nicht passiert ist.

Silvester (1)

Silvester ist traditionellerweise nicht nur die Zeit für “Dinner for One”, sondern auch für Jahresrückblicke auf das vergangene, und Vorhersagen für das kommende Jahr. Jedes Informationsmedium, das halbwegs etwas auf sich hält, erzählt in bunten Bildergeschichten, Videos, Chroniken und Artikeln, was die letzten 12 Monate so gebracht haben. Das “Foto des Jahres”, die “Schlagzeile des Jahres” oder die “Person des Jahres”, alle Jahre wieder können wir sie bestimmen und bestaunen. Als wüssten wir nicht alle sehr gut, was im zu Ende gehenden Jahr passiert ist.

Bei ohnehin einigermaßen gut informierten Zeitgenossen löst spätestens der vierte Jahresrückblick Ermüdungserscheinungen aus, wenn man ihn nicht ohnehin gänzlich ignoriert. Was vielleicht daran liegt, dass die meisten Menschen keine ständigen Wiederholungen leiden können. Und dabei übersehen, dass man auch mit bekannten Informationen etwas Neues erzählen kann. Wie das funktioniert? Ganz einfach, indem man zum Beispiel mal erzählt, was in den 12 Monaten von 2011 nicht passiert ist.

Da stellt sich dem aufmerksamen Leser nun die Frage, wie um alles in der Welt man das in einen Artikel packen soll. Eine Variante wäre natürlich zu sagen, dass es entgegen aller Prognosen (21. Mai 2011) doch nicht zum Weltuntergang gekommen ist, nicht mal der 3. Weltkrieg hat begonnen. Und damit wäre dann auch das Wichtigste gesagt.

Wie viel Wahrheit steckt in Prophezeiungen?

Aber wenn man schon beim Thema Prophezeiungen ist, bietet es sich geradezu an, mal zu recherchieren, wie viele der astrologischen bis berechneten Prognosen denn überhaupt eingetroffen sind. Selbst wenn man die vagen Formulierungen mit einrechnet, ist die Quote denkbar gering. Die Astrologin Susanne Eder behauptete beispielsweise, alle Menschen würden erkennen, dass sie auf einer höheren geistigen Ebene miteinander verbunden sind. Bis jetzt  leider noch nicht geschehen. Nachdem es sich bei 2011 um ein Venusjahr handelte, soll es weiterhin relativ friedlich bleiben. Baschar al-Assad erschießt munter sein eigenes Volk, Libyen leistet sich einen mehrere Monate dauernden Bürgerkrieg und lyncht am Ende den eigenen Diktator – nun ja, friedlich sieht wohl etwas anders aus. Von einer Verminderung von Überschwemmungen und Stürmen kann bislang auch noch nicht die Rede sein – da haben Uranus und Neptun wohl geschlafen.

Bei anderen Zukunftsmystikern sieht es da kaum anders aus. Das Palmblattmanuskript prophezeite für die erste Hälfte des Jahres einen wirtschaftlichen Aufschwung – wo der nur geblieben ist? – und einen ebenfalls ausgebliebenen Wechsel des indischen Premiers. Ganz zu schweigen von der Rolle Russlands als ehrlicher Garant für Frieden und Gerechtigkeit. Kurz gesagt: es ist in etwa nichts von dem passiert, was prophezeit wurde.

Und 2012?

Besser so, könnte man sagen, denn bei den Vermutungen, die Astrologen und andere erleuchtete Gestalten gerne abgeben, stellen sich beinahe alle Härchen auf. Eine Kostprobe gefällig? Laut Palmblattmanuskript kollabiert nächstes Jahr das amerikanische Finanzsystem und führt zum Ausbrechen eines Bürgerkrieges, der nach Europa überschwappt, den Papst das Leben kostet und schließlich durch ein Einmarsch der Russen und Chinesen  beendet wird. Ganz abgesehen davon, dass die Welt laut Maya-Kalender sowieso am 21.12.2012 untergeht.

Als vernünftig denkender Mensch wird man sich wohl auch nach Lektüre der diversen Vorhersagen und ihrer Überprüfung an der Realität nicht übermäßig erleuchtet fühlen. Zumindest eine Erleuchtung erhellt die Silvesternacht jedoch: Besser man ignoriert all die Jahresrück- und -vorherblicke und beschränkt sich auf “Dinner for One”.

(1) Titelbild von rbrands unter CC BY-ND 2.0 lizenziert