111 Jahre 1. FCN – 111 Jahre Glück und Leid

Wer hätte sich vor 111 Jahren jemals ausmalen können, was aus dem mit 18 Mann gegründeten 1. FC Nürnberg einst werden würde. Meisterschaften, Pokalsiege, Auf- und Abstiege, Rekorde, es waren 111 Jahre voller Glück und Leid. Ein kleiner Rückblick.

Die erste Mannschaft des FCN 1902

Das erste Derby zwischen FCN und FCB

Das hatten sie sich damals nicht ausmalen können, die 18 Gymnasiasten, die am 4. Mai des Jahres 1900 den 1. FC Nürnberg gründeten, was in den folgenden 111 Jahren aus ihrem kleinen Verein werden würde. Ursprünglich als Rugby-Verein gedacht, entschied man sich aufgrund mangelnder Mitgliederzahlen schließlich dafür, Fußball nach den englischen Regeln zu spielen – und war damit ziemlich erfolgreich. Mehrere Spiele wurdne gewonnen, bis die erste Niederlage des jungen FCNs erfolgte – gegen den kurz zuvor gegründeten FC Bayern München. Kein Wunder, dass die beiden Vereine heute noch Erzfeinde sind.

Die erste Niederlage hatte allerdings auch einen positiven Effekt, man begann nun mit gründlichem und engagiertem Training, was dazu führte, dass man bald sehr erfolgreich wurde. Als Mitgründer der bis 1909 höchsten Liga – der Bezirksliga Nordbayern wurde man gleich zum ersten Mal bayrischer Meister, was man in den folgenden Jahren wiederholte. Aus dieser Zeit stammt auch der noch heute höchst populäre Titel “Der Club” – damals gab es eben kaum einen besseren Verein.

Nach der Unterbrechung des 1. Weltkriegs setzte sich die Erfolgsgeschichte fort in den Goldenen 20ern. 1920, 1921, 1924, 1925, 1927… Immerhin fünf Meistertitel holte man in dieser Zeit, dominierte somit als Rekordmeister die Liga. 1924 bestand die deutsche Nationalmannschaft zeitweise sogar nur aus Spielern des FCNs und der SpVgg Greuther Fürth, was zwar den fränkischen Stolz vergrößerte, zugleich aber auch Beginn der Rivalität mit dem ebenfalls sehr guten Verein der Nachbarstadt war. In den 30er Jahren folgte dann ein leichter Absturz, nur zwei Pokalsiege und eine Meisterschaft, dennoch zählte man immer noch zu den großen deutschen Vereinen.

Dies änderte sich auch nach dem 2. Weltkrieg zunächst nicht. Der Neubau des Städtischen Stadions, weitere drei Meisterschaften und ein Pokalsieg folgten bis 1968 und stärkten das fränkische Selbstvertrauen wieder – und dann der große Schock. 1969 begann nach jahrzehntelangem Fußballwunder und Rekordmeisterschaft die bittere Zeit, als der 1. FCN bis heute einmalig als amtierender Deutscher Meister aus der 1. Bundesliga abstieg. Die Abgabe von 10 bewährten Spielern, angebliche Bestechung, die aber nie nachgewiesen werden konnte, sowieso eine Punktedichte in der Liga (als Absteiger war der FCN nur 9 Punkte hinter dem Vizemeister notiert) hatten dem Verein letztlich den ersten Abstieg beschert. Seit dieser Zeit ist auch der Spruch “Der Club is a Depp” bekannt.

Es begannen die Jahre der Fahrstuhlmannschaft, 18 Jahre zweit- und 1 Jahr Drittklassigkeit folgten nun im Wechsel mit einigen wenigen Aufstiegen zurück in die 1. Liga. Zeitgleich drückten auch die angehäuften Schulden, so dass man schließlich auf einen strengen Sparkurs und ein eher langfristig auf Aufsteig ausgelegtes Konzept setzen musste. Dass der FC Bayern den FCN 1987 als Rekordmeister ablöste, machte es auch nicht gerade besser. Doch schließlich kam der ersehnte Erfolg endlich zurück.

Unter dem Trainer Hans Meyer konnte man sich in der Saison 2005/2006 erstmals frühzeitig stabilisieren und mehr als zwei Spielzeiten in der 1. Liga spielen. Im nächsten Jahr folgte dann der umjubelte Pokalsieg durch das 3:2 nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart gewonnene Finale in Berlin. Plötzlich war der fränkische Stolz zurück – um gleich wieder einen herben Dämpfer zu erleiden, als man im darauf folgenden Jahr abstieg, als 16. im letzten Jahr ohne Relegation. Diese jedoch sollte den FCN noch genug begleiten, unter Michael Oenning stieg man im folgenden Jahr nach der Relegation gegen Cottbus gleich wieder auf, in der Saison 2009/2010 durfte man nach der Relegation gegen Augsburg weiter erstklassig bleiben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte man schon einen neuen Trainer, Dieter Hecking, der auch in dieser Saison maßgeblich am Erfolg des Clubs beteiligt war. Als derzeit 11. begann man nach der Winterpause eine Aufholjagd, mittlerweile ist man auf dem 6. Platz notiert. Die Hoffnung lebt wieder, die Fahrstuhlmannschaft kann vielleicht endlich aufhören wieder eine zu sein.

111 Jahre hat der 1. FC Nürnberg nun schon auf dem Buckel, und sie waren alles andere als langweilig. 89 Jahre Erstklassigkeit, unter anderem von 1905 bis 1968 durchgehend, neun Meisterschaften und vier Pokalsiege, wenn auch nur ein internationaler Titel. Zeitgleich ist man aber auch die vielleicht berüchtigste Fahrstuhlmannschaft, der einzige Verein, der sowohl als amtierender Meister als auch als amtierender Pokalsieger abstieg. 111 Jahre voll Glück und Leid, und (hoffentlich) noch viele weitere vor sich.

Das Biest